Sichtlich gut gelaunt beim ersten Training: Marcel Noebels freute sich, dass er mal wieder mit den Teamkollegen auf dem Eis stand.
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BerlinDie erste Schwelle: kein Problem. Schließlich stellt das Tragen der Maske in geschlossenen Gebäuden keine große Hürde mehr da. Um allerdings aus dem Vorraum des Wellblechpalastes am frühen Dienstagabend in das Innere des Eisbären-Trainingstempels zu gelangen, brauchte es schon gutes Verhandlungsgeschick, besser aber einen Presseausweis. Der damit verbundene Ausschluss der Fans war natürlich nicht böse gegenüber den treuen Anhängern gemeint, wohl aber ein wichtiger Bestandteil des Hygienekonzepts zur Wiederaufnahme des Spiel- und Trainingsbetriebs. Immerhin: Der Trainingsauftakt des geliebten Teams konnte am Monitor eines mobilen Endgerätes ab 17 Uhr mitverfolgt werden, ab 17.42 Uhr sogar begleitet von einem Pressetribünen-Kommentar. Das Team war da freilich schon längst im Training und für Eisbären-Verhältnisse sogar erstaunlich früh komplett auf dem Eis versammelt.

Ein paar Stunden zuvor hatte der Verein die Leihe von Alex Turcotte, Tyler Madden, Akil Thomas, Aidan Dudas und Jacob Ingham bekanntgegeben. Dass das amerikanische Quintett von den Los Angeles Kings bis zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs der NHL und AHL bei den Berlinern mittrainieren wird, darf grundsätzlich als positives Zeichen aus den USA gewertet werden. „Wir möchten sie, so weit es geht, ins Team einbauen. Irgendwann gehen sie nach Nordamerika, aber niemand weiß wann“, sagte Trainer Serge Aubin und freute sich darüber, für den Moment zusätzliche Spieler zur Verfügung zu haben.

Beide Teams, die Kings und die Eisbären, gehören zur Anschutz Entertainment Group. Sich in schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie zu unterstützen, ist dennoch nicht selbstverständlich. Erst recht nicht, da in der Vergangenheit nicht immer nur ausschließlich positive Signale aus Kalifornien in Richtung Berlin gefunkt wurden. Nach den Meldungen aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vom Montagabend aber freut man sich über jeden Hoffnungsschimmer.

Die Signale der DEL aus Frankfurt vom Vorabend jedenfalls hatten Anlass zur Sorge gegeben. In erster Linie, weil die Saison aufgrund der ungewissen Finanzierung wohl nicht wie geplant am 13. November beginnen wird. 60 Millionen Euro fehlen der DEL und ihren 14 Vereinen. Mittel aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung, das jedem der 14 DEL-Vereine theoretisch 800.000 Euro verspricht, werden als Hilfe dringend benötigt. Die Krux: Die Antragssteller dürfen laut einer EU-Richtlinie bis zum 31. Dezember 2019 kein negatives Eigenkapital aufweisen. Diese Bestimmung soll zwar nicht für Kleinunternehmen gelten, doch gerade größere Klubs zählen aufgrund ihres Umsatzes und ihrer Mitarbeiter-Anzahl nicht dazu. „Ich glaube, wir brauchen von der Politik deutlich mehr Unterstützung“, sagte Marcel Noebels.

Der Eisbärenspieler und seine Teamkollegen schaffen es in der aktuellen Situation, in der die DEL ihre Entscheidung über den Saisonstart auf den 2. Oktober verschoben und Druck gegenüber der Politik gemacht hat, nur, ihren Teil zu erfüllen. „Wir können uns nur an die Richtlinien halten, was Corona angeht, und versuchen zu vermeiden, es zu bekommen“, so Noebels. Und trotzdem „habe ich die große Hoffnung, dass wir am 13. November in die Saison gehen. Ob mit oder ohne oder wie viel Zuschauern, da schauen wir alle in die Glaskugel.“

Am Dienstag zum Trainingsstart waren die Fans ausgeschlossen. Niemand auf den Rängen des Wellblechpalastes, dafür aber gute Laune auf dem Eis. Gerade vor den kleinen Auszeiten, in denen die Trainer ihre Anweisungen auf das Taktikbrett pinselten, war Noebels im lockeren Plausch mit PC Labrie zu sehen. Sie scherzten und wirkten sichtlich erleichtert, dass sie nach so langer Pause wieder mal gemeinsam auf dem Eis standen. „Nach ganz langer Zeit mit fast allen Jungs mal wieder auf dem Eis zu sein, ist etwas von Bedeutung“, sagte der wertvollste Spieler der vor den Play-offs abgebrochenen vergangenen Saison in der DEL.

In kleineren Gruppen hatten er und der Rest des Teams schon länger trainiert, „aber so wie heute ist es schon seit März nicht mehr geschehen“, so Noebels, „für uns als Mannschaft ist es hoffentlich der richtige Schritt in die richtige Richtung.“ Auch wenn bei ihm der Kopf noch zehnmal so schnell wie alles andere ist und er jetzt erst einmal versuchen muss, den Kopf mit Händen und Füßen zu verbinden, war dieser Trainingsauftakt der erste Schritt.