BerlinFür Eisbären-Profi Marcel Noebels ist der Deutschland Cup für gewöhnlich in zweierlei Hinsicht ein Höhepunkt des Sportjahres. Zum einen erhält der 28-Jährige hier die seltene Gelegenheit, gemeinsam mit den Kollegen der Nationalmannschaft aufs Eis zu gehen. Zum anderen kann er diese Zusammenkunft stets zu einem Abstecher nutzen, um die Familie und die Freunde zu besuchen. Austragungsort ist Krefeld, aufgewachsen ist Noebels in der Nachbarstadt Tönisvorst.

In diesem Jahr befindet sich Noebels allerdings in einer sogenannten Blase. Um die strengen Hygienevorschriften einzuhalten, bewegen sich Noebels und die Kollegen nur zwischen dem Teamhotel und dem Stadion. In Abwesenheit von Bundestrainer Toni Söderholm, der aufgrund eines positiven Covid-19-Tests nur virtuell bei seiner Mannschaft sein kann, bereiten der  U18-Coach Steffen Ziesche und Thomas Popiesch, Chef hinter der Bande beim DEL-Klub Fischtown Pinguins, das Team auf das Turnier von Donnerstag bis Sonntag vor. Aufgrund zahlreicher Absagen sind neben dem deutschen Team noch die lettische Auswahl sowie ein Perspektivkader, das Top Team Peking, dabei.

Marcel Noebels: „Jedes Spiel ist positiv für uns“

Trotz dieser eigenartigen Umstände sind Noebels und die Kollegen heilfroh, dass das Turnier stattfindet. „Das Eishockey kehrt ein bisschen zum Alltag zurück“, sagt der Stürmer, „wir wollen die Spiele nutzen, um die Sportart am Leben zu halten.“ Zweimal wurde der Saisonstart bereits verschoben, aktuell ist angedacht, dass es am 18. Dezember losgeht. Aber nach den vielen Rückschlägen in diesem Jahr ist die Branche bei Prognosen zurückhaltend geworden. „Ich versuche aktuell, nicht allzu weit nach vorne zu blicken“, sagt Noebels, „wenn man von Woche zu Woche denkt, kann man besser damit umgehen.“

Auf die Unterstützung der Fans müssen die deutschen Eishockeyprofis bei dem Turnier in Krefeld natürlich verzichten. Was ganz neu auch nicht mehr ist. Nachdem die ersten drei Testspiele der Saisonvorbereitung mit den Eisbären in Weißwasser und zweimal zu Hause im Wellblechpalast mit immerhin einigen Zuschauern stattfinden konnten, erfolgten die Partien am vergangenen Wochenende in Kassel und Bad Nauheim vor leeren Rängen. „Das ist natürlich ein ganz anderes Spiel“, weiß Noebels, auch weil manches Wort, was sonst im Trubel untergeht, plötzlich gut zu verstehen ist. „Aber jedes Spiel ist aktuell positiv für uns“, weiß der Berliner, dessen EHC-Kollegen Mathias Niederberger, Parker Tuomie und Leon Gawanke ebenfalls berufen worden sind. Letzter steht vor seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft.

Sportlich wird spannend zu beobachten sein, wie die Spieler, die noch nie mit solch unterschiedlichen Voraussetzungen angereist waren, harmonieren. Denn während die Münchner Profis bereits seit drei Monaten miteinander auf dem Eis stehen und auch die Eisbären schon ein ordentliches Pensum an Saisonvorbereitung absolviert haben, sind manche Mannschaften der DEL aufgrund der unsicheren Lage noch gar nicht ins Training eingestiegen. „Ich bin ganz froh, dass ich schon ein paar Spiele in den Beinen habe“, sagt Noebels. Denn drei Spiele in vier Tagen sind zum jetzigen Zeitpunkt eine große Herausforderung.

Dessen ist sich auch Ziesche bewusst, der in Krefeld eigentlich das Top Team Peking mitbetreuen sollte, in dem die Eisbären fünfmal vertreten sind (Tobias Ancicka, Kai Wissmann, Lukas Reichel, Haakon Hänelt und Nino Kinder). Ziesche sagt: „Man muss aufpassen, die Jungs nicht zu überfordern, aber der erste Eindruck ist sehr positiv.“ Die Freude über diese Zusammenkunft kann das eine oder andere Defizit kaschieren.

Und so ganz ohne ihren abwesenden Cheftrainer muss die Nationalmannschaft dann auch nicht klarkommen. „Wir sind in total engem Austausch und telefonieren permanent, er kann das Training sehen“, sagte Ziesche. Und es ist denkbar, dass der Finne sogar während der Spiele Einfluss nimmt, denn es sei „möglich, in der Drittelpause zu kommunizieren. Wir müssen mal schauen, wie es funktioniert.“ Beim Deutschland Cup 2020 ist eben alles ein bisschen anders als sonst.