Der Slogan der Tageszeitung Mannheimer Morgen auf der Bandenwerbung der Eishockey-Arena lautete: „Aufgeweckt in den Tag“. Offenbar hatten sich die Eisbären Berlin dieses Motto am Dienstagabend beim ersten Playoff-Viertelfinalspiel gegen die Adler Mannheim zu Herzen genommen und auf ihre Art interpretiert: Aufgeweckt in die Partie. Nach einer Minute und sechs Sekunden zeigte Eisbären-Stürmer Jamie MacQueen, weshalb sie ihn in Berlin jetzt Playoff-Monster rufen: Er war im Angriffsdrittel zu Boden geschlittert, lag da, erschaufelte sich die Scheibe im Aufstehen, und wischte sie zum 1:0 ins Mannheimer Tor. Nach drei Treffern in den zwei Pre-Playoff-Partien gegen Straubing war das bereits das vierte Playoff-Tor des Kanadiers.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass die Mannheimer noch ein viel größeres Playoff-Monster in ihren Reihen haben. Das war erst nach der Verlängerung klar, nach dem 4:3 (0:1, 2:0, 1:2, 1:0)-Sieg der Adler, bei dem Matthias Plachta alle vier Treffer des Heimteams erzielt hatte.

Dabei gestalteten die Berliner das erste Drittel offensiv und chancenreich. Clever nutzten die Eisbären den Schwung aus den Alles-oder-Nichts-Vergleichen mit Straubing, während der Hauptrundenzweite Mannheim zuletzt ja „schon ’ne Zeit lang ohne Spielpraxis zu Hause gesessen ist“, wie Sportchef Stefan Ustorf bemerkte.

In der ersten Pause stellte Mannheims Stürmer David Wolf fest: „Die Eisbären sind schon drin im Playoff-Modus.“ Es dauerte aber nicht mehr lange, bis sich auch die Mannheimer dorthin gekämpft hatten. Es wurde ein spannendes, rasantes Match, in dem sich manch einer, der die Eisbären nur in der Hauptrunde Stückwerk verrichten sah, wohl verwundert fragte: Wieso läuft es bei denen plötzlich so anders, so gut?

Aber dann kam Plachtas erster Streich. In Überzahl zog er unweit der Blauen Linie hart und platziert ab. Der Puck flog zum 1:1 (25.) ins rechte obere Eck. Kurz darauf kam es zu einer kuriosen Szene, in der die Scheibe nach einem perfekt geschlagenen Rückhand-Slice des Berliner Stürmers Spencer Machacek zur Überraschung aller ins Mannheimer Netz flog. Dabei hatte der Kanadier den Puck, der vom Toreck weit nach oben geprallt war, aus der Luft geschlagen, während Gegenspieler und Teamkollegen noch Richtung Hallendecke starrten. Aber nach langem Videostudium erkannten die Schiedsrichter den Treffer wegen hohen Stocks nicht an.

Beide Mannschaften beackerten sich nun, Mannheim erhöhte den Druck. Und die Berliner mussten den Ausfall von Daniel Fischbuch verkraften, der nach einem Check vom Eis humpelte. Petri Vehanen rettete jetzt öfter. Aber dann kam wieder Plachta zum Zug: Der Nationalstürmer brachte das Heimteam 2:1 (37.) in Front.

Die Eisbären hielten mutig dagegen. Sie zeigten ihr Playoff-Gesicht, schlugen in Person von Charles Linglet bei doppelter Überzahl zurück – 2:2 (44.). Und verschafften sich durch das 3:2 von Julian Talbot (51.) eine gute Ausgangsposition für die Best-of-seven-Serie. Bis dreieinhalb Sekunden vor Schluss. Da aber war wieder Plachta der Aufgeweckteste, per Direktschuss gelang ihm das 3:3 (60.) – Overtime. Und dann? Nach 20 Sekunden schlug Mannheims-Playoff-Monster in der Verlängerung zum vierten Mal zu. Ausgeschlafen besiegte aufgeweckt. Weiter geht das Duell am Freitag 19.30 Uhr in der Arena am Ostbahnhof.