Nach dem Training am Dienstagvormittag fingen die Eisbären-Spieler plötzlich an zu singen. Es war ein Ständchen für Marcel Noebels, der seinen 25. Geburtstag mit der unmittelbaren Vorbereitung auf das vierte Playoff-Spiel gegen Mannheim am Mittwochabend (19.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof) begann.

Auch für den Nachmittag war keine große Party geplant. Einerseits weil „ich mit Kuchen und Torte ein bisschen aufpassen muss“. In der entscheidenden Saisonphase kommt es mehr denn je auf die richtige Ernährung an. Zudem „will man natürlich mit den Liebsten feiern“, sagt er, „aber man hat sich über die Jahre daran gewöhnt, nicht zu Hause zu sein.“ Zu Hause ist Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt Tönisvorst, in der Nähe von Krefeld. Hier leben seine Eltern Sabine und Jörg sowie Freundin Elena.

Sie sind ja ein wichtiger Teil der Mannschaft

Das heißt natürlich nicht, dass er in Berlin nicht heimisch ist. Gerade erst hat er seinen Vertrag bis 2022 verlängert. „Ich fühle mich sehr, sehr wohl hier. Wenn man für so lange unterschreibt, muss man sich auch sicher sein.“ Im Gegensatz zu einem Jens Baxmann, André Rankel oder Frank Hördler hat er nicht die klassische Eisbären-Sozialisation durchlaufen und sich in der Hierarchie stetig nach oben gearbeitet. Er ist vielmehr ein Quereinsteiger. 2006/2007 spielte er zwar für die Eisbären Juniors in der Schüler-Bundesliga. So richtig angekommen in Berlin ist er allerdings 2014, als ihn Geschäftsführer Peter John Lee aus der American Hockey League in die Hauptstadt lotsen konnte. Zwei Jahre zuvor hatte er unter Pat Cortina sein Debüt für die Nationalmannschaft gegeben.

Perspektivisch war Noebels’ Verpflichtung der wichtigste Transfer in der Nach-Meisterschafts-Ära. Obwohl er noch immer zu den jüngeren Spielern im Team zählt, ist er einer der zu Recht den Titel Führungsspieler trägt. Einsatzwillen, Eloquenz und technische Fähigkeiten sind in hohem Maß angelegt. Trainer Uwe Krupp sagt: „Er tut der Mannschaft sehr gut.“ In den kommenden Jahren dürfte er mehr und mehr zu den prägenden Figuren werden. Als Kronprinz von Spielern wie Frank Hördler oder André Rankel. Noebels sagt: „Ich hoffe, dass die Jungs noch lange spielen. Sie sind ja ein wichtiger Teil der Mannschaft. Wenn sie mal weg sein sollten, müssen natürlich welche nachrücken. Dann bin ich dran.“

Von null auf hundert Prozent

Die aktuelle Playoff-Serie repräsentiert seine Fähigkeiten bislang nur bedingt. Fünf Partien vor dem Ende der Hauptrunde machte Noebels sein erstes Saisonspiel. Wegen eines Kreuzbandrisses hatte er bis im Februar zuschauen müssen. Dass er es in zehn Spielen, inklusive Pre-Playoffs und Playoffs, auf vier Tore und drei Vorlagen bringt, ist ordentlich. Dennoch sagt er: „Von null auf hundert Prozent ist nicht so einfach. In einem Spiel geht es besser, in einem anderen nicht so.“

Sein Einfluss aufs Spiel der Eisbären hängt auch von der Rolle ab, die Krupp für ihn vorsieht. In den Spielen eins und zwei kam der Flügelstürmer als Center zum Einsatz, Rankel und Laurin Braun flankierten ihn. „Ich stelle mich überall in den Dienst der Mannschaft“, sagt er über diesen Aushilfsjob, der ihm offensichtlich nicht ganz so gut lag. In Spiel drei am Sonntag setzte ihn Krupp auf der bewährten Linksaußen-Position ein, zusammen in der Reihe mit Julian Talbot und Jamie MacQueen. Welche Stelle er in Spiel vier besetzt, hängt davon ab, ob Spencer Machacek oder Kyle Wilson im Line-up steht. Es ist wahrscheinlicher, dass Noebels auf dem geliebten Flügel wirbelt.

 „Ich will mit den Eisbären erfolgreich sein“

Um die Serie auszugleichen, setzt Noebels auf die übliche Heim-Dynamik. „Wir müssen schauen, dass wir den Ton setzen und die Mannheimer nicht ins Spiel reinkommen lassen.“ Hart, aber fair müsse die entsprechende Herangehensweise sein. In Mannheim hatten sich die Berliner mit zu vielen Strafzeiten geschwächt, es gab kein einziges Berliner Powerplay.

In den Playoffs halten sich die Spieler aber nicht damit auf, intensiv zurückzublicken. Am trainingsfreien Montag „habe ich meine eigene Hausfrau gespielt, um mich abzulenken. Ich habe Wäsche gemacht und war einkaufen.“ An solchen Tagen hoffe er auch immer, dass es keinen Regen gibt, „damit ich die Luft nutzen kann, um neue Gedanken zu finden.“

Gerade in den Playoffs braucht es zudem Rituale: Den Bart lassen fast alle Eisbären stehen. Bei Noebels reicht das noch lange nicht. „Ich fahre immer zusammen mit dem Julian (Talbot; d. Red.) zum Spiel, wir trinken meistens einen Kaffee vorher. Dann ziehe ich immer alles mit links an, vom Socken über den Schlittschuh bis zum Ellbogenschoner.“ Von seinem Vater habe er gehört, dass Mutter Sabine vor jedem Spiel eine Kerze anzündet. Das Ritual, alleine Geburtstag zu feiern, nimmt er gerne in Kauf: „Ich will mit den Eisbären erfolgreich sein und viele Playoffs spielen.“ Man wird sich ja schließlich was wünschen dürfen.