Live hat Nico Sturm das Tor von Uwe Krupp natürlich nicht gesehen. „Dafür war ich noch ein bisschen zu jung“, sagt der Eishockeyprofi. Als sein Landsmann am 10. Juni 1996 die Colorado Avalanche in der dritten Verlängerung zum ersten Stanley-Cup-Triumph schoss, war der Augsburger gerade 13 Monate alt. Jetzt – 26 Jahre später – möchte er gerne in Krupps Fußstapfen treten.

„Jedes Kind, das Eishockey spielt, hat schon mal davon geträumt, in einem Stanley-Cup-Finale das entscheidende Tor zu schießen und dann den Cup in die Höhe zu stemmen“, sagt Sturm, der in der Nacht zu Donnerstag (2.00 Uhr MESZ/Sky) mit dem Team aus Denver in die Finalserie gegen Titelverteidiger Tampa Bay Lightning startet.

Sturms Glück beim Wechsel nach Colorado

Der einstige Weltklasse-Verteidiger Krupp erfüllte sich diesen Kindheitstraum, als er sich mit seinem Schlagschuss von der blauen Linie in Denver unsterblich machte. „Sein Tor ist natürlich legendär hier“, sagt Sturm. Persönlichen Kontakt hatte er mit dem späteren Bundestrainer aber noch nicht: „Ich kenne ihn überhaupt nicht und habe auch noch nie mit ihm gesprochen.“

Sturm, in Augsburg geboren und ausgebildet, an der Clarkson University in Potsdam/New York weitergebildet, spielt erst seit drei Monaten für die Avalanche. Sein Wechsel von Minnesota Wild nach Colorado sei „natürlich mein Glück“ gewesen: „Es hätte ja auch zu 30 anderen Teams gehen können.“

So steht der 27-Jährige als insgesamt achter Deutscher im Finale um die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt. Neben Krupp gewannen auch Dennis Seidenberg (2011), Tom Kühnhackl (2016 und 2017) und Philipp Grubauer (2018) den Stanley Cup. Olaf Kölzig, Christoph Schubert und Christian Ehrhoff gingen dagegen leer aus.

Sturms Rolle ist mit Krupps nicht vergleichbar. Mit 16 Scorerpunkten war der Kölner damals zweitbester Verteidiger der Play-offs. Angreifer Sturm kam in der K.-o.-Runde erst siebenmal zum Einsatz und brachte es auf eine Torvorlage. Er sieht sich als Tiefenspieler, der seine Einsätze „in der dritten und vierten Reihe“ hat. „Da geht es natürlich vor allem darum, hinten dicht zu machen, meine Bullys zu gewinnen, in Unterzahl gut zu stehen.“

Sturm fühlt sich bei seinem neuen Klub total wohl

Eher ist Sturm vergleichbar mit Tom Kühnhackl, der mit den Pittsburgh Penguins als vorwiegend defensiver, kampfstarker Stürmer zweimal triumphierte. Wie der Landshuter schaffte Sturm erst mit 24 Jahren den Sprung in die NHL, musste sich zunächst in der unterklassigen AHL durchboxen. Doch jetzt ist er wie Kühnhackl zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Denver ist überragend“, schwärmt er, „ich fühle mich hier total wohl, wurde top aufgenommen als Spieler und als Mensch.“

Stars sind andere: Stürmer Nathan MacKinnon etwa, Kapitän Gabriel Landeskog oder Offensivverteidiger Cale Makar. Doch wenn wieder ein Deutscher sie zum Titel schießen würde, hätten sie in Denver sicher nichts dagegen.