Allen Widerständen zum Trotz ist das Selbstbewusstsein beim deutschen Eishockey-Team wieder riesengroß. Mit kernigen Ansagen geht die Auswahl von Bundestrainer Toni Söderholm am Dienstag in das Vorrundenfinale gegen die Schweiz (11.20 Uhr/Sport1 und MagentaSport), in dem der Gruppensieg und ein deutscher WM-Rekord möglich sind.

Auch Sorgen um den erkrankten Bundestrainer änderten daran am Montag nichts. Der 44 Jahre alte Finne fehlte im Abschlusstraining – „leicht kränklich“, wie der Deutsche Eishockey-Bund mitteilte. „Morgen wird aber alles wieder so sein, wie es vorher war. Davon gehe ich aus, dass Toni sich das nicht nehmen lässt“, sagte Stürmer Marcel Noebels nach der Einheit.

Eisbären nehmen Eric Hördler unter Vertrag

Der 30-Jährige von den Eisbären Berlin, die am Montag verkündeten, dass sie in Eric Hördler den Sohn von Kapitän Frank Hördler unter Vertrag genommen haben, ist seit dem Viertelfinal-Sieg bei der WM im vergangenen Jahr in Riga gegen die Eidgenossen so etwas wie eine Schreckensfigur für die Schweizer. Mit einem kunstvollen Penalty schoss Noebels Deutschland 2021 ins Halbfinale. „Die Schweiz will sicher einiges wiedergutmachen“, unkte Noebels nun.

Mit sieben NHL-Spielern und dem besten WM-Kader seit Langem ist die Schweiz bislang eines der stärksten Teams im Turnier. Bislang gewann sie alle sechs Vorrundenpartien, auch gegen den Rekordweltmeister Kanada 6:3. „Das war schon ein Spiel auf einem anderen Level“, sagte Noebels beeindruckt. „Man hat da zwei Mannschaften gesehen, die in diesem Turnier sicher noch ein Wörtchen mitreden, wenn es um die Medaillen geht.“

Längst nicht alle im deutschen Team sind aber so beeindruckt wie Noebels, der beim Olympia-Fiasko im Februar in Peking mit auf dem Eis stand und dies nicht vergessen hat. Vor allem von den Profis aus Nordamerika, die bei den Winterspielen nicht mitspielen durften, kommen markige Töne. „Wir wollen den Titel. Da gucke ich nicht auf andere“, sagte etwa NHL-Verteidiger Moritz Seider von den Detroit Red Wings, zu den Titelchancen der Schweizer befragt.

„Wir müssen uns nicht zu sehr beeindrucken lassen“, forderte Verteidiger Leon Gawanke von Manitoba Moose aus der nordamerikanischen AHL. „Wir sind immer zu 100 Prozent motiviert gegen die. Wenn wir alles reinhauen, werden wir gewinnen.“

Bei Gruppensieg würde Deutschland bei Eishockey WM in Helsinki bleiben

Gelingt tatsächlich der sechste Vorrundensieg in Serie, ist der Gruppensieg drin. Dies würde die Chancen für das Viertelfinale am Donnerstag verbessern. Die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes bliebe dann zunächst noch in Helsinki und würde den starken Schweden und Olympiasieger und Gastgeber Finnland aus dem Weg gehen.

Selbst bei einem Unentschieden nach regulärer Spielzeit wäre die beste deutsche WM-Vorrunde überhaupt perfekt. Daran oder an einen möglichen Gruppensieg mag der Bundestrainer aber gar nicht denken. „Wir sollten uns jetzt einfach auf das Wesentliche konzentrieren. Die Tabelle entwickelt sich von alleine“, sagte Söderholm nach dem 5:4 gegen Kasachstan am Sonntag.