"Das, was die können, kann ich auch“, sagt Zahra Lari. Die 18-Jährige hat in den vergangenen Tagen viel Zeit vor dem Fernseher verbracht und den Eiskunstläuferinnen ganz genau auf die Kufen geschaut: „Bei den nächsten Winterspielen will ich dabei sein“, sagt sie, und tatsächlich hat sie gute Chancen, dass dieser Traum in Erfüllung geht. Sie hat mehrere internationale Erfolge erzielt. Begonnen hat ihr Traum, als sie elf Jahre alt war. „Ich sah damals den Kinderfilm Die Eisprinzessin und habe dann beschlossen, dass ich auch Eisprinzessin werden möchte. Ich begann zu trainieren“, erzählt sie.

Täglich sechs Stunden Training

Inzwischen mag sie den Film nicht mehr: „Er vermittelt einen falschen Eindruck: Darin sieht es so einfach aus. Über Nacht lernt die Eisprinzessin den Dreier. Dabei ist es harte Arbeit“, sagt sie. Inzwischen hat sie es fast geschafft. „Die Drehung klappt schon und sie kriegt auch die Landung hin. Zumindest meistens“, sagt ihre Mutter. Die beiden Frauen, gekleidet in schwarze Gewänder und mit ebenfalls schwarzen Kopftüchern, sitzen in einer Shopping Mall in Abu Dhabi. Auf dem iPad zeigt Mutter Ruquaya Fotos von den Wettkämpfen. Natürlich trägt Zahra Lari auch in der Eisarena Kopftuch und natürlich sind ihre Kostüme so, dass sie kein bisschen Haut herausschauen lassen. Natürlich? „Na ja, bei meinem ersten internationalen Wettkampf in Italien gab es da schon Diskussionen. Sie meinten, es sei zu gefährlich, mit Kopftuch zu fahren. Ich konnte sie überzeugen“, so Lari und fügt verständnisvoll hinzu: „Ich bin eben die erste Eiskunstläuferin mit Kopftuch, daran müssen die sich erst mal gewöhnen“.

Wenn es ihr tatsächlich gelingt, die Qualifikation für die nächsten Olympischen Spiele zu erreichen, dann wäre sie sogar die erste Sportlerin aus den Emiraten, die jemals zu Winterspielen fährt. „Im Wintersport sind wir eben nicht so gut“, sagt sie. Kein Wunder, in den Emiraten klettert das Thermometer im Sommer auf über 50 Grad Celsius und selbst in harten Wintern wird es selten kälter als um die 15 Grad. Doch die Emirate sind dafür bekannt, dass sie sich durch nichts aufhalten lassen, wenn es darum geht, internationale Anerkennung zu bekommen. Und so gibt es nicht nur in mehreren Shopping Malls Schlittschuhbahnen und sogar eine Ski-Piste, sondern auch einen Profi-Eisring in der hochmodernen Scheich-Zayed Sport-City. Dort trainiert Lari jeden Tag um die sechs Stunden mit ihrem ungarischen Trainer Joez Zsolt Kerekes.

Die einzige emiratische Eisprinzessin

Um ihr den olympischen Weg zu bahnen, sind die Emirate kürzlich in die Internationale Eislaufunion (ISU) eingetreten: „Ich werde sehr von der Regierung unterstützt, sie sind stolz und legen großen Wert darauf, dass ich es zu den Olympischen Spielen schaffe, und auch schon vorher zu internationalen Wettkämpfen fahre“, sagt sie. Diese Unterstützung ist wichtig, denn Sportlerinnen aus den konservativen Ländern am Golf haben es nicht leicht, Eisprinzessinnen schon gar nicht: „Besonders im Internet gibt es böse Kritik an Zahra. Die Konservativen finden es nicht richtig, dass sie auftritt und ihren Körper zeigt“, sagt ihre Mutter. Ihr wird vorgeworfen, die Regeln des Islams zu verletzen. „Mir ist der Glaube wichtig und ich achte bei der Zusammenstellung der Choreographie darauf, dass sich meine Bewegungen im Rahmen des Akzeptablen halten“, beschreibt sie: „Dabei kommt mir ein Trend im Eiskunstlauf zu Gute: Es geht immer mehr darum, Punkte zu sammeln, und die bekommt man nicht dafür, dass man besonders aufreizende Bewegungen macht, sondern dafür, dass man ordentlich dreht und gut landet“, sagt sie.

Noch ist Lari die einzige emiratische Eisprinzessin, die international mitläuft. Doch nicht mehr lange: Ihre Erfolge haben eine regelrechte Mode unter emiratischen Mädchen ausgelöst: „Es gibt jetzt viele, die angefangen haben, ebenfalls zu trainieren“, sagt ihre Mutter. Lari nickt: „Ich hoffe, dass ich ihnen ein Vorbild sein kann. Vielleicht ein besseres als die Eisprinzessin aus dem Film. Ich verschweige ihnen zumindest nicht, dass das hier harte Arbeit ist“.