Wochenlang zerbrechen sich Trainer und Choreografen den Kopf, um eine Eiskunstlauf-Kür zu entwerfen. Die Suche nach der schönsten, individuell zugeschnittenen Form für hoch komplizierte Sprünge und andere Schwierigkeiten ist keine Kleinigkeit.

Das Ergebnis kann man, passend zur Sportart, in blumige Worte kleiden oder aber man beschreibt die Aufgabe eher flapsig geradeaus wie Paul Fentz, für den es am Wochenende in Frankfurt am Main nicht nur um den deutschen Meistertitel ging, sondern auch um die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen im Februar 2018 in Pyeongchang/Südkorea.

Leichter gesagt als getan

Als er vor der entscheidenden Kür gefragt wurde, wie er den Zweikampf mit dem Berliner Freund und Kollegen Peter Liebers annehmen werde, meinte er: „Einfach im Programm bleiben, acht Sprungelemente, drei Pirouetten und zwei Schritte. Es kann nur einer fahren, und dann muss man der eine sein, der fährt.“

Genauso wird es nun sein. Fentz gewann den Zweikampf mit Liebers souverän, wurde zum ersten Mal in seiner Karriere Deutscher Meister und darf nun fest damit rechnen, vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für die Spiele nominiert zu werden.

Kesse Sprüche hatte Fentz, der 1992 in Lichtenberg geboren wurde und mit vier Jahren auf dem Eis landete, schon immer auf Lager. Als er 14 war, verkündete er, er wolle irgendwann der erste deutsche Läufer sein, der zwei verschiedene vierfache Sprünge in einer Konkurrenz zeige, aber vieles ist ja leichter gesagt als getan.

„Reiß’ dir den Arsch auf.“

Die vierfachen Sprünge sind im Eiskunstlauf der Männer heutzutage das Maß der Dinge; wer keinen drauf hat, hat keine Chance, bei einer internationalen Konkurrenz unter den besten zu landen, und einer genügt längst nicht mehr.

Seit drei Jahren dient Fentz als Sportsoldat bei der Bundeswehr, die Verpflichtung hält ihm für das Training den Rücken frei, aber hin und wieder kann es nicht schaden, ein wenig Öl ins Feuer zu gießen. In Frankfurt berichtete Fentz von einem Gespräch mit seinem Choreografen, der im Sommer bei der Arbeit an der neuen Kür zu ihm gesagt habe: „Weißt du eigentlich, dass es nur 0,2 Prozent der Weltbevölkerung schaffen, sich für Olympia zu qualifizieren? Willst du dazu gehören, dann reiß’ dir den Arsch auf.“

Soweit hat der Plan funktioniert. Nachdem er zuletzt viermal Zweiter bei den nationalen Meisterschaften war, darf sich Deutschlands bester Eiskunstläufer nun darauf vorbereiten, in Südkorea zum Kreis der olympischen Elite zu gehören.