Heerenveen - Joel Dufter saß in seinem Hotelzimmer und blickte mit einem stolzen Lächeln auf den Beleg seines Erfolgs. „Die Medaille liegt in einer Box neben meinem Bett“, sagte der deutsche Eisschnellläufer dem am Tag nach dem Gewinn von Bronze bei der Sprint-EM in Heerenveen, „zu Hause wird sie dann aufgehängt.“

In Heerenveen stehen noch Weltcups an

Bis das Edelmetall einen festen Platz in Dufters vier Wänden in Inzell findet, wird es noch dauern. Der 25-Jährige befindet sich in den Niederlanden in einer Corona-Blase, an den kommenden beiden Wochenenden stehen zwei Weltcups in Heerenveen an. Dufter blickt ihnen mit „gutem Selbstvertrauen“ entgegen - und einer gehörigen Portion Genugtuung.

Nach der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Präsidium der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) hatte er auf dem Eis die passende Reaktion folgen lassen. „Solche Leistungen sagen mehr als Worte“, sagte Dufter: „Es war eine gute Bestätigung. Mir haben viele Leute gesagt, dass das genau die richtige Antwort war.“

Der Olympiastarter und drei andere Läufer aus der Kernmannschaft der Sprinter hatten am vergangenen Montag Missstände im Verband unter der neuen Führung um Präsident Matthias Große angeprangert. Es werde nicht im Sinne der Sportler entschieden, sondern nach Eigeninteressen. „Persönliche Differenzen und Machtbestrebungen Einzelner stehen über allem“, so lautet einer der Vorwürfe.

Präsident Große kündigte „Konsequenzen“ an

Viele Athleten der DESG seien momentan „sehr unzufrieden“ mit der Situation, in der sie sich individuell befänden. Insbesondere die nicht vollzogene Vertragsverlängerung zum Jahresende mit dem langjährigen Coach Danny Leger, dem Dufter einen großen Anteil an seinem Erfolg anrechnete, sorgte für Unmut. Große reagierte verärgert und kündigte „Konsequenzen“ an.

Der Disput bremste Dufter nicht aus, er schien ihn sogar zu beflügeln. Nach je zwei Läufen über 500 m (34,79 Sekunden/35,23) und 1000 m (1:08,57 Minuten/1:08,93) kam er auf 138,770 Punkte – zu Silber und dem Niederländer Hein Otterspeer (138,645) fehlten Dufter im bislang besten Vierkampf seiner Karriere nicht viel. „Es war ein super Wettkampf für mich“, sagte Dufter.

Die Zufriedenheit war, nicht zuletzt aufgrund der Vorkommnisse der Vorwoche, enorm. Er habe „eigentlich immer nur ein Lächeln draufgehabt, unter der Maske hat man das nicht gesehen, aber es war auch ein inneres Lächeln da“, sagte Dufter: „Ich habe alles richtig gemacht, jetzt bin ich mal gespannt, was da kommt.“

Erste Antworten soll es am kommenden Freitag geben. Dann will Große gemeinsam mit der Generalbevollmächtigten Nadine Seidenglanz „ausführlich“ über diverse Themen informieren, darunter die Neubesetzung der Trainerpositionen, das neue sportliche Konzept sowie die Neuausrichtung des Verbandes.