Eisschnelllauf Sotschi: Glück im Schatten von Oranje

Sein achter Platz mit 70,10 Punkten (34,99 Sekunden + 35,11) sichert ihm sogar erst mal die A-Kader-Förderung. „Das ist der größte Tag in meiner Karriere. Top Ten hatte ich mir vorgenommen. Dass alles so gut geklappt hat, ist phantastisch“, sagte der Hüne. 22 Jahre nach dem Olympiasieg durch den Berliner Uwe-Jens Mey brachte Ihle auch Cheftrainer Markus Eicher ins Schwärmen: „Ein Wahnsinn. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir mal ein solches Ergebnis hatten.“ Doppelweltmeister Michel Mulder fuhr unterdessen den nächsten Erfolg der Oranjes ein. In einer Wimpernschlag-Entscheidung gewann der Niederländer mit 69,31 Punkten vor Jan Smeekens (69,32) und seinem Zwillingsbruder Ronald Mulder (69,46). Die nächste Party im Holland-Haus war gesichert.

„Mach's noch einmal, Sam“, hatte Bundestrainer Thomas Schubert schmunzelnd nach dem ersten Durchgang gerufen, in dem Nico Ihle in 34,99 Sekunden so schnell wie noch nie auf einer Flachland-Bahn unterwegs war. Mit einem Urschrei und hoch gestreckten Fäusten hatte der deutsche Rekordhalter seinen gelungen Lauf bejubelt, mit dem er bis zum 15. Paar der Konkurrenz sogar die Führung auf dem Tableau innehatte.

Von großer Anspannung war bei Ihle auch vor dem zweiten Lauf nichts zu spüren. Gemächlich drehte er Runden im Inneraum und nahm einen tiefen Schluck aus seiner Flasche. In 35,11 bestätigte er danach seine ausgezeichnete Vorbereitung. „Einfach Wahnsinn, wie stabil er jetzt startet und das Ding durchbringt. Das beflügelt uns alle, ist gut für die Stimmung“, meinte der Berliner Samuel Schwarz. Seinen 34. Platz aufgrund eines Fehlers in der Kurve schätzte der 1 000-Meter-Spezialist als „klassischen Fehlstart“ ein.

Ihle war vor vier Jahren bei seinem Olympia-Debüt in Vancouver auf Platz 18 noch weit von der Weltelite entfernt. Als ihn im Dezember 2011 eine hartnäckige Schambein-Entzündung plagte und er die WM absagen musste, fiel dem viermaligen deutschen Meister der Wiedereinstieg schwer. Doch in diesem Winter lief es für ihn viel besser. „Ich bin jetzt stärker, als vor der langen Pause wegen der Erkrankung“, prognostizierte Ihle schon vor Olympia. Er hat recht behalten. (dpa)