Eisschnelllaufen: Der entscheidende Schritt

Für Samuel Schwarz läuft es in diesen Wochen mehr als rund. So gut und so konstant wie niemals zuvor gelingt es dem 29-jährigen Eisschnellläufer momentan, seine Fertigkeiten auf der Bahn in Schnelligkeit umzusetzen. Belohnt wurde Schwarz am vergangenen Sonntag in der nordöstlichsten Ecke Chinas, beim Kurzbahn-Weltcup in Harbin mit seinem zweiten Weltcupsieg. Damit ist der Berliner im fortgeschrittenen Alter endgültig im Kreise der Siegkandidaten angelangt.

Doch schon am Tag darauf, drohte die Hochstimmung umzuschlagen. Für Schwarz und das zwölfköpfige deutsche Team wurde die Rückreise aus der Mandschurei zur nervenaufreibenden Angelegenheit. Bei deutlich unter minus 20 Grad Celsius konnte das Flugzeug erst nach siebenstündiger Wartezeit die Provinzstadt in Richtung Schanghai verlassen, wo der Anschlussflug verpasst wurde. Schwarz’ Freude über seinen fulminanten Sieg auf der 1000-Meter-Strecke wurde arg strapaziert: „Meine Gedanken drehen sich nur darum, schnell nach Hause zu meiner Familie zu kommen“, sagte der Berliner genervt von dem Rückreise-Chaos.

„Vertrauen, dass alles funktioniert“

Dennoch wird Schwarz den Ausflug nach Harbin so schnell nicht vergessen und zwar im Positiven. Nach einem dritten Platz im Rennen am Samstag − mit nur fünf Hundertstelsekunden Rückstand auf den Sieger Shani Davis (USA) − ging Schwarz, dem auch schon am Weltcupwochenende zuvor in Nagano ein zweiter Platz gelang, selbstbewusst an den Start. Mit dem „Vertrauen, dass alles funktioniert“, gelang dem Athleten vom Sportclub Berlin ein Rennen, das „eines der besten war, das ich jemals gelaufen bin“.

Im Ziel riss Schwarz die Arme hoch. „Ich wusste sofort, dass es sehr gut war.“ Die Fokussierung auf seinen Lauf war gelungen: „Ich habe es geschafft, nur an meine Technik, nicht an die Zeit oder die Platzierung zu denken“, sagte er. Nach ihm folgte nur noch ein Duell, doch weder Davis noch dem Niederländer Hein Otterspeer gelang es, ihn noch von Platz eins zu verdrängen.

Entwicklung nicht überraschend

In den vergangenen beiden Jahren wurde Schwarz jeweils Siebter im Weltcup über die 1000 Meter, doch bis auf den einen Ausreißer, einem Weltcupsieg vor zwei Jahren im japanischen Obihiro, reichte es nie nach ganz vorn. Für Bundestrainer Thomas Schubert kommt die aktuelle Entwicklung seines Schützlings aber nicht überraschend, er sieht sie als „Folge einer kontinuierlichen Weiterentwicklung“, die auf das Olympiajahr 2014 ausgerichtet sei. Schwarz sei „technisch der beste Schlittschuhläufer des deutschen Teams“ und profitiere zudem von der „Spezialisierung auf die 1000-Meter-Strecke“, sagt Schubert. Profitiert hat Schwarz zudem von der dezimierten Konkurrenz, auch wenn der Bundestrainer das nicht als Erklärung gelten lassen möchte. Aber: Stefan Groothuis, Zweiter des Vorjahres hat diese Saison noch keinen Weltcup bestritten, die starken Südkoreaner laufen ihren Ansprüchen weit hinterher.

Es sind also viele Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass Samuel Schwarz der kleine, aber „besonders schwierige Schritt“ vom Top-10-Läufer zu einem regelmäßigen Anwärter auf die Podiumsplätze gelungen ist. Zwei Jahre will er nicht noch einmal auf seinen nächsten Sieg warten müssen.