Berlin - Weltrekordrekordhalterin ist sie noch immer, mehrere Titel bei Europa- und Weltmeisterschaften und unzählige weitere Medaillen hatte Elena Krawzow bereits gesammelt. Und doch gab es in der Sammlung der in Kasachstan geborenen und in Berlin lebenden sehbehinderten Schwimmerin bis zu den Paralympics in Tokio eine Lücke. 2012 in London war sie als Zweite über 100 Meter Brust knapp am Sieg vorbeigeschwommen, vier Jahre später in Rio wurde sie nur Fünfte und dachte sogar an ein Karriereende. Umso größer war die Freude, als sie jetzt endlich mit der Goldmedaille auf dem Podium stand. „Jetzt bin ich froh, dass ich das endlich geschafft habe. Das war die einzige Medaille, die mir bis jetzt gefehlt hat“, sagte die 27-Jährige nach ihrem Rennen.

Ihre ersten Worte klangen eher erleichtert, wenig ekstatisch oder wahnsinnig euphorisch. Die Last der verpassten Goldmedaille in Rio schien dann doch noch in Resten vorhanden zu sein und sie auch im Wasser in Tokio zu begleiten. Dieses Wasser, egal ob nun in Brasilien, Japan oder Deutschland sei nach so vielen Jahren noch immer nicht so recht ihr Element. Schon damals als sie mit dem Schwimmen angefangen habe, sei sie nach dem Training oder einem Wettkampf immer froh gewesen, „wenn es vorbei war und das ist jetzt immer noch so“.

Doch das scheint Elena Krawzow, bei der im Alter von sieben Jahren die Erb-Erkrankung Morbus Stargardt festgestellt wurde, welche langfristig zur Erblindung führt, im Moment das Wettkampfs abschütteln zu können. Der Start ihrer Schwimmkarriere mit 13 Jahren war wie ein Kopfsprung in ein neues, schöneres Leben, das neben den Erfolgen im Becken auch Fotoshootings, wie das im vergangenen Jahr für den Playboy, und andere berufliche Chancen bot.

Anders als den meisten deutschen Para-Athleten ist es Elena Krawzow gelungen, sich privat, aber auch wirtschaftlich aus der Nische Parasport hinauszuschwimmen. Dafür gebührt ihr genauso viel Applaus, wie für die Goldmedaille, die ihre Sammlung endlich vervollständigt.