Es war gleich der erste Union-Schütze, der scheiterte. Felix Kroos brachte den Ball nicht an Roman Weidenfeller vorbei. Auch Stephan Fürstner nicht. Und Philipp Hosiner traf die Latte. Demgegenüber standen drei BVB-Treffer. Spät also kam doch alles so wie erwartet. Dabei hatte das große, lang erwartete Ereignis erst einmal gar nicht begonnen.

Um eine Viertelstunde war der Anpfiff der Zweitrundenpartie des DFB-Pokals zwischen Borussia Dortmund und 1. FC Union verschoben, weil sich vor den Toren noch Karteninhaber drängten und wegen eines Polizeieinsatzes. Wie der BVB mitteilte, habe es einen Versuch gegeben, an den Kontrollen vorbeizustürmen.  Es war der Auftakt zu einem Spiel, in dem einiges anders laufen sollte als vorab angenommen. Einzig das Ergebnis überraschte niemanden. Der Zweitligist ist nach dem 0:3  im Elfmeterschießen ausgeschieden.

Die Aufgabe war Union-Trainer Jens Keller mit einer überraschenden Rotation angegangen. Auf sechs Positionen wechselte er gegenüber der zurückliegenden Ligapartie bei Erzgebirge Aue, sogar den Torwart tauschte er aus. Daniel Mesenhöler kam zu seinem Debüt. Neben dem genesenen Kapitän Felix Kroos agierte Michael Parensen im defensiven Zentrum.

Vor allem aber die Offensive wurde mit Kenny Prince Redondo (links), Simon Hedlund (rechts) und Eroll Zejnullahu (Mitte) komplett umgestaltet. Ein geschickter Schachzug, weil die bislang Vernachlässigten genug Ausdauer für 120 Minuten haben und die Dortmunder überrascht würden? Oder doch die Kapitulation vor einem übermächtigen Gegner und die Ansage, dass in dieser Saison nur die Liga und somit der Aufstieg zählt?

Union kam durch Konter dem BVB-Tor nahe

Tatsächlich wurde die erste These gestärkt. Die Dortmunder konnten keinen Druck aufbauen. Stattdessen kam Union durch Konter dem BVB-Tor nahe. Zu wirklichen Chancen wuchsen sich die Aktionen aber nicht aus. Auf der Gegenseite war das nicht anders. Kam der BVB mal in den Strafraum, blockte der starke Toni Leistner die Torversuche.

Zum Ende der ersten Hälfte versuchten es die Dortmunder mangels Alternativen aus der Distanz. Kurz vor dem gemütlichen Beisammensein in der Kabine zeigte sich plötzlich doch die Qualität des BVB. Pulisic-Ersatz Jacob Larsen, 18, ließ seinen dänischen Landsmann Kristian Pedersen, 21, aussehen wie ein Auslaufmodell. Zu allem Überfluss lenkte Parensen Larsens Schuss ins eigene Tor (44).

Inzwischen hatten auch die Union-Ultras Einzug gehalten, ein paar wenige mit schwarzen Sturmhauben vermummt. Die Polizei musste eingreifen. Daher die Verzögerungen beim Einlass. Zumal vorab die Absicht mancher Ultragruppen bekannt geworden war, verbotene Pyrotechnik mitzubringen.
Das überdimensionale Porträt von Damir Kreilach, das die Fans dabei hatten, wurde nun eben in der Halbzeitpause über den Block gezogen.

Ein bisschen Pyrotechnik reingeschmuggelt

Und dann blitzte es unter der Stoffbahn. Ein bisschen Pyrotechnik hatten sie doch reingeschmuggelt. Noch mehr Verzögerung, der Schiedsrichter wartete mit dem Wiederanpfiff, bis sich der Rauch verzogen hatte.
Überraschenderweise dominierte der Favorit jetzt trotz Führung noch immer nicht, und Union eröffneten sich weiterhin gute Kontermöglichkeiten.

Es war Steven Skrzybski, der die Dortmunder Halbherzigkeit keine 60 Sekunden nach seiner Einwechslung im Anschluss an eine Ecke mit einem Schuss aus der Distanz bestrafte (81.).

Erst nach dem Ausgleich schienen die Gastgeber den Ernst der Lage erkannt zu haben. Mesenhöler lenkte einen Schuss von Emre Mor aus spitzem Winkel an den Pfosten, endlich war es ein Pokalhit. Philipp Hosiner, der Collin Quaner schon in Hälfte eins wegen Oberschenkelproblemen ersetzt hatte, setzte den Ball per Fallrückzieher knapp neben das Tor.

In der Verlängerung machte der 21-jährige Mesenhöler seinen rasanten Aufstieg vom Lehrling zum Meister mit der Doppelparade gegen Matthias Ginter und Ramos perfekt. Und weil 100 Meter entfernt Skrzybski seine Heldenwerdung selbst stoppte, indem er querlegte, anstatt das verwaiste Tor anzuvisieren, durfte sich Mesenhöler auch noch im Elfmeterschießen beweisen. Mit bekanntem Ausgang.