Elisabeth Seitz: Mit 29 Jahren jung genug und bereit für neue Ziele

Von wegen undankbarer vierter Platz: Für die Stuttgarterin war ihr WM-Auftritt in Liverpool ein Ansporn, im nächsten Jahr wieder die Medaillen anzugreifen.

Elisabeth Seitz freute sich über den vierten Platz im Mehrkampf bei der Weltmeisterschaft in England.
Elisabeth Seitz freute sich über den vierten Platz im Mehrkampf bei der Weltmeisterschaft in England.dpa/Marijan Murat

Mit ihrem wirklich undankbaren vierten Platz bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro hat Elisabeth Seitz seinerzeit lange gehadert. Doch die exakt gleiche Position nach dem Stufenbarren-Finale bei den Kunstturn-Weltmeisterschaften in Liverpool zauberte ein entspanntes Lächeln in das Gesicht der Europameisterin.

Denn auch mit 29 Jahren sieht sich die deutsche Rekordmeisterin noch längst nicht am Ende ihres schon 13 Jahre währenden Erfolgswegs. „Ich bin ja noch jung“, sagte Seitz mit einem Augenzwinkern und kündigte mit großem Tatendrang an: „Ich habe jetzt große Lust auf eine Trainingsphase, in der ich Neues ausprobieren kann.“

Schließlich bringt die Sportsoldatin zwei ganz wichtige Erkenntnisse vom Mersey zurück an den Neckar: Nach einer langwierigen Corona-Infektion kann sich Seitz wieder auf ihren Körper verlassen. Und sie muss nicht nur schön, sondern auch noch schwieriger turnen, wenn sie wieder nach einer WM-Medaille greifen will, wie zuletzt mit Rang drei 2018 in Doha.

Im Gespräch mit dem neuen Bundestrainer Gerben Wiersma wurden schon erste Pläne skizziert, wie das zu bewerkstelligen sein könnte. Seitz: „Ich will meine Ausgangswerte weiter nach oben schrauben. Ich spüre, dass mich mein Körper noch durch viele gute Zeiten bringen kann. Und ich weiß jetzt, zu was er in der Lage ist.“

Schließlich will die Stuttgarterin in Zukunft nicht nur an ihrem „Schokoladengerät“ weiterhin glänzen, die angehende Lehrerin war und ist eine Mehrkämpferin aus Leidenschaft. Speziell auf der Bodenfläche liebt sie das Spiel mit den Emotionen des Publikums: „Mein Kopf und ich sagen jetzt schon ‚Ja‘.“

In der M&S-Arena allerdings waren die physischen Voraussetzungen für einen kompletten Wettkampf noch nicht gegeben. „Seit Donnerstag habe ich eine Erkältung und mein Immunsystem fühlt sich angegriffen an“, erzählte Seitz. Ihren 29. Geburtstag hatte sie deshalb am Freitag größtenteils auf dem Hotelzimmer verbracht. Für zwei kurze starke Auftritte am Doppelreck aber reichte es. „Meine Kür dauert etwa 35 Sekunden. Dafür war ich definitiv fit genug“, sagte Seitz.