EM 2016: Fünf Dinge, die EM-Muffel in Berlin jetzt tun können

Berlin - Pünktlich zur Europameisterschaft spaltet sich Berlin wieder in zwei Lager: Die einen lieben Fußball, die anderen halten ihn für den blödesten Sport der Welt. Bevor die EM-Muffel sich darüber aufregen, wie übertrieben dieser ganze Quatsch doch ist, sollten sie aber vielleicht einfach mal umdenken. Für die folgenden fünf Dinge eignet sich die EM nämlich perfekt –  gerade dann, wenn man Fußball-Verweigerer ist:

Gähnende Leere genießen

Die Berliner hängen fieberhaft vor der Mattscheibe. Das ist für alle EM-Muffel die Gelegenheit, am Badesee oder im Park zu entspannen – ohne Horden anderer Sonnenhungriger und ohne Grillrauch im Gesicht. 

Jetzt ist auch der Supermarkt wie ausgestorben, perfekt für den Großeinkauf ohne Warteschlange an der Kasse. Apropos Warteschlangen: Die gibt es vor allem während der Deutschland-Spiele auch nicht vor Museen, Umkleidekabinen oder in der Autowaschanlage.

Mit dem Auto durch die City zu fahren, ist ebenfalls eine gute Idee. Warum? Einfach, weil es geht! Leere Straßen, kein Stau. Allerdings sollte man vor dem Autokorso der Fans besser wieder daheim sein.

Und schließlich eignet sich so ein EM-Verweigerungs-Abend auch gut für ein romantisches Kontrastprogramm. Vorausgesetzt natürlich, die oder der Liebste ist kein Fußballfan. Wie wäre es mit einem Abendessen in einem angesagten Restaurant? Bietet dieses kein Public Viewing an, dürfte freie Platzwahl herrschen.

Danach vielleicht eine Bootstour auf dem leeren Landwehrkanal, Sonnenuntergang-Gucken ohne andere Pärchen auf der Wiese oder Knutschen im leeren Kinosaal…  es gibt viele Möglichkeiten.

Nach der Arbeit zum Bürgeramt gehen

Umgezogen? Ausweis abgelaufen? Schon nervig genug, jetzt den Gang zum Bürgeramt  antreten zu müssen. Ohne Online-Termin am Feierabend noch an die Reihe zu kommen, ist unmöglich. Und sich extra einen Tag freizunehmen,  um stundenlang mit einer Nummer in der Hand herumzusitzen, lässt einen auf dem Warteraum-Stuhl doch glatt in melancholische Gedanken über vertane Lebenszeit versinken.

Wie schön, dass während eines Deutschland-Spiels niemand auf die Idee kommt, ausgerechnet jetzt ins Bürgeramt zu gehen. Außer dem EM-Muffel eben. Also nichts wie hin – gemacht werden muss es ja sowieso irgendwann. Gilt übrigens auch für Arzttermine.

Die große Liebe finden

Wenn zwei Menschen auf der Flucht vor grölenden Fanmassen und Vuvuzela-Lärm erschöpft in einer (fußballfreien!) Bar aufeinandertreffen und feststellen, dass sie  das gleiche Schicksal teilen – dann kann das schon ziemlich romantisch werden. Gesprächsstoff jedenfalls ist garantiert.

Wird der Single-EM-Muffel von seinem Freundeskreis in eine der Public-Viewing-Höllen mitgeschleppt, kann er diesen Umstand ebenfalls zu seinem  Vorteil nutzen. Wann hat man denn schon einmal die Gelegenheit, so leicht zu erkennen, wer in diesem (doch recht gravierenden) Punkt  anders tickt?  

Wer die fähnchenschwenkenden Trikot-Träger jetzt gleich durchs Raster fallen lässt, erlebt bei der WM 2018 immerhin keine böse Überraschung.

Also warum nicht einfach mal die Frau ansprechen, die sich im Gegensatz zu ihren Freundinnen nicht mit einem Blumenkranz in Länderfarben dekoriert hat und deren Gesicht dank fehlender bunter Fanschminke erkennbar ist? Oder den schüchternen Typen an der Bar, der immer etwas beschämt wegschaut, wenn seine Kumpels bei jedem Tor herumbrüllen?

Kollege des Monats werden

Alle meckern, weil sie unbedingt das Deutschland-Spiel sehen wollen, aber dummerweise arbeiten sollen. Jetzt ist die Zeit für den EM-Muffel! Der kann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens beschäftigt er sich (sinnvoll), während die anderen zu Fußball-Zombies mutieren und ohnehin keine Zeit haben. Zweitens hat er plötzlich bei seinen ballsportfanatischen Kollegen einen richtig dicken Stein im Brett, wenn er die so furchtbar unpassenden Schichten übernimmt.

Eine freundliche Erinnerung daran hilft dem Fußball-Hasser dann bestimmt auch später mal, wenn er selbst etwas Besseres vorhat, als arbeiten zu gehen. Netter Nebeneffekt: Wer jetzt zusätzlich arbeitet, statt Fähnchen zu schwenken, hat nach der EM das hübschere Konto.

Sondereditionen als Sonderangebote einsacken

Schokolade, Gummibärchen, Cola, Klopapier und so weiter – derzeit sind die Supermärkte überschwemmt von Produkten, die auf Fußball getrimmt wurden. Das Gute daran: Während Fans eine ganze Menge Geld dafür ausgeben, um beim Spiel an (total normalen) Chips aus der EM-Tüte zu knabbern und danach die Kauleiste mit einer schwarz-rot-goldenen Zahnbürste wieder auf Hochglanz zu bringen, kann der EM-Muffel einfach abwarten und später kräftig sparen.

Ist der Fußball-Wahnsinn nämlich fast vorbei (oder Deutschland rausgeflogen) und der Fan gesättigt mit lauter Sondereditionen, wollen Supermärkte das Zeug so schnell wie möglich loswerden. Viele Artikel mit Länderfahnen oder den Gesichtern der deutschen Mannschaft drauf werden dann zu Schleuderpreisen angeboten.

Mal ehrlich: Wen stört es denn, wenn um den Schokoriegel herum ein Fußball-Papierchen gewickelt ist – der Inhalt ist trotzdem lecker. Und mit der günstigen Sondereditions-Zahnbürste lassen sich auch ziemlich gut die Fugen zwischen den Badfliesen schrubben.