Köln - Wer früher über eine Menge von Wissen verfügen wollte, die unmöglich in ein einziges menschliches Gehirn passen konnte, musste sich riesige Enzyklopädien anschaffen oder Zettelkästen erschaffen, in denen Fakten, Daten und Querverweise sich zu einem Universum der Information auftürmten. Heute genügt www.wikipedia.de, Suchbegriff eingeben – und alles, was man wissen muss, ist da, kann benutzt und dann wieder vergessen werden.

Von dieser Abkürzung profitieren alle. Vor allem auch Menschen, die öffentlich mit Tatsachen hantieren müssen. Manche machen es sich allerdings arg bequem darin, wie der populäre iranische Fernsehmann Sarhang Alifar, der die Spiele der Fußball-EM in seiner fußballverrückten Heimat kommentiert.

Zuschauer gibt sich als Architekt des Stadions von Nizza aus

Das ist so lange gut gegangen, bis ein findiger Zuschauer namens Amir Doulab aus der Stadt Buschehr am Persischen Golf das bemerkte. Ihm fiel auf, dass der Béla Rethy Persiens seine Schlauheiten wörtlich aus dem Online-Lexikon ablas. Und da kam ihm eine Idee. Die große Stärke dieses digitalen Weltwissens besteht darin, dass jeder einen Beitrag zu seinem Anwachsen leisten kann.

Das geschieht natürlich erst einmal ungeprüft, und so trug der listige Zuschauer kurz vor dem Spiel Polen gegen Nordirland in Wikipedia ein, dass er, Amir Doulab aus Buschehr, der Architekt des schönen Stadions von Nizza sei, in dem dieses Spiel stattfand. Und weil das da gerade so zufällig stand, wurde es vom Béla Rethy des iranischen Staatsfernsehens einfach gut gelaunt vorgelesen. Der listige Herr Doulab freute sich im Internet mit den Worten: „Ich hoffe, den Franzosen gefällt das Stadion, das ich für sie gebaut habe.“

Eintrag verschwand wieder

Natürlich war der Schwindel damit aufgeflogen, und der Eintrag verschwand wieder aus dem iranischen Wiki. Aber die Idee ist viel zu gut, um als Einzelexperiment zu enden. Schließlich müssen TV-Kommentatoren auch außerhalb des Iran ein ganzes Spiel mit Worten füllen, da gäbe es viel Platz für den Kreationismus des Faktischen.

Neulich hat ein schlauer Mensch sinngemäß folgenden Satz gesagt: „Wir sind Giganten der Information, Zwerge des Wissens und Mikroben der Weisheit.“ Und weil das so ist, kann man so Streiche wie jenen des Herrn Doulab aus dem Iran einfach machen.