EM-Neuling Island schickt England mit einem 2:1 nach Hause, England-Trainer Rod Hodgson tritt zurück

Nizza - Sensations-Neuling Island hat desaströsen Engländern den EM-Brexit verpasst und will sein Fußball-Märchen nun auch im Viertelfinale gegen Gastgeber Frankreich fortsetzen. Mit dem 2:1 (2:1)-Sieg sorgte der Debütant am Montag für eine der größten Überraschungen der Turnier-Geschichte und schoss den enttäuschenden Favoriten aus dem Turnier.

Wayne Rooney brachte England vor 33.901 Zuschauern in Nizza bereits in der 4. Minute per Foulelfmeter in Führung. Doch Ragnar Sigurdsson (6.) und Kolbeinn Sightorsson (18.) schlugen innerhalb von nur zwölf Minuten zurück und versetzten ein ganzes Land in Jubelstimmung.

Island will am Sonntag im Final-Stadion von Saint-Denis nun auch den Titeltraum von Frankreich beenden. Bei England steht dagegen Nationaltrainer Roy Hodgson zwei Jahre nach dem peinlichen Scheitern in der WM-Vorrunde endgültig vor dem Aus. Der Weltmeister von 1966 muss weiter auf den ersten Sieg in der K.o.-Phase einer EM-Endrunde außerhalb des eigenen Landes warten.

Rooney verwandelte sicher vom Elfmeterpunkt

Es ging sofort in die Vollen. Kein Abtasten, kein Zögern - Power-Fußball von Beginn an. England agierte wie schon in den ersten drei Turnierspielen im sehr offensiven 4-1-2-3-System und erwischte die Nordeuropäer kalt. Eine schöne Flanke aus dem Halbfeld von Daniel Sturridge erreichte den von Medien und Fans zuletzt scharf kritisierten Raheem Sterling, der von Island-Keeper Hannes Thor Halldorsson im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Rooney verwandelte sicher vom Elfmeterpunkt - es war sein 53. Treffer im 115. Länderspiel.

Nur 80 Sekunden später jubelten die Isländer. Nach einem weiten Einwurf verlor Rooney das entscheidende Kopfballduell mit Kari Arnason, dessen Vorlage Sigurdsson aus Nahdistanz zum Ausgleich verwertete.

Und es kam noch besser für den krassen Außenseiter. Bei einem der wenigen Vorstöße durfte der EM-Neuling vor dem Strafraum weitgehend ungestört kombinieren, Sightorsson bedankte sich für die Freiheiten mit dem 2:1. Beim 14-Meter-Schuss des Frankreich-Legionärs vom FC Nantes leistete sich Joe Hart im Tor der Engländer allerdings einen dicken Patzer.

Der Rückstand wirkte wie ein Schock. Den einfallslosen Engländern fiel gegen die Defensive der Isländer, die teilweise mit neun Mann um den eigenen Strafraum verteidigten, nichts ein. Lediglich nach einer knappen halben Stunde wurde es noch einmal gefährlich. Eine präzise Flanke von Sturridge nahm Harry Kane mit vollem Risiko, seinen Volleyschuss parierte Halldorsson aber glänzend.

Rooney & Co. gucken hilflos zu

Ansonsten wirkte das englische Spiel völlig erstarrt. Hilflos guckten sich Rooney & Co. auf der Suche nach Anspielstationen um. Trainer Roy Hodgson beobachtete das Ganze schweigend vor der englischen Bank stehend.

In der Pause reagierte Hodgson dann doch: Für Eric Dier kam Jack Wilshere. Das Spiel seiner Mannschaft wurde dadurch aber kaum besser. Vielmehr standen die Isländer dicht vor dem dritten Treffer, als Ausgleichsschütze Sigurdsson mit einem Fallrückzieher aus fünf Metern an Hart scheiterte.

Nach einer Stunde brachte Hodgson dann Jamie Vardy. Doch auch der Stürmer vom Meister Leicester City konnte die vielbeinige Island-Abwehr nicht aufmischen. Hodgson vergrub immer öfter das Gesicht in seinen Händen und wirkte am Ende wie alle Spieler völlig leer.

Roy Hodgson stellt nach EM-Pleite gegen Island Amt zur Verfügung

Nach dem peinlichen Aus hat Roy Hodgson sein Ende als Trainer der englischen Fußball-Nationalmannschaft verkündet. Das sagte der 68-Jährige unmittelbar nach der Niederlage in Nizza auf der Pressekonferenz. Hodgsons Vertrag lief nach der EM aus. Hodgson hatte schon nach der Vorrunde, die Kapitän Wayne Rooney und Co. nur auf Platz zwei hinter Wales beendeten, wegen verschiedener Personalentscheidungen unter Druck gestanden.

Er werde nicht um seinen Posten „betteln“, hatte Hodgson einen Tag vor dem Achtelfinal-K.o. betont. Hodgson hatte das Amt im Mai 2012 kurz vor der EM in Polen und der Ukraine übernommen und England bei diesem Turnier bis ins Viertelfinale geführt. Bei der WM 2014 in Brasilien war er mit dem Team bereits in der Vorrunde gescheitert. (dpa)