Wer die Uefa-Regeln für die Vorrunde gutheißt, hat Bélá Rethy nicht gehört. Am Montagabend, das Spiel Spanien gegen Kroatien hatte gerade erst begonnen, versuchte der ZDF-Kommentator die Situation in Gruppe C auf den Punkt zu bringen: „Italien muss gewinnen, Kroatien reicht ein Unentschieden.“ So einfach, so falsch. Das hat dann auch jemand Bélá Rethy geflüstert, worauf der mit ein paar halb gestammelten Sätzen von „es müsste mindestens 2:2…“ und „wenn die Spanier…“ die Situation zu retten suchten.

Was blieb, war heillose Verwirrung. Ein Blick auf die rasch eingeblendete Tabelle der Gruppe C half da auch nicht viel weiter. Da stand Italien oben, die Kroaten auf Platz drei, nur die Zahlen dahinter passten nicht dazu. Denn die wiesen ein deutlich besseres Torverhältnis und eine höhere Anzahl an Toren für die Kroaten aus. Verkehrte Welt für jeden Fußballfreund, der aus der Liga gewohnt ist, dass oben steht, wer mehr Tore schießt und weniger kassiert als die Gegner.

Selbst Experten müssen schwer rechnen

Doch bei der Uefa geht der direkte Vergleich vor. Das mag aus sportlich-wettbewerbstechnischen Gründen noch nachvollziehbar sein, sinnvoll ist es nicht. Wie soll der Zuschauer verstehen, was für Experten und Journalisten kaum auszurechnen ist?

Die Uefa argumentiert auch damit, es sei gerechter, die Ergebnisse gegen bereits ausgeschiedene Mannschaften nicht mehr einzubeziehen. Doch das ist fraglich. Schießbudenmannschaften gibt es bei dem ausgeglichenen Leistungsniveau bei einer EM ohnehin nicht. Und schließlich hatten Italien, Kroatien und Spanien doch die gleichen Chancen, etwa mit einem hohen Sieg gegen Irland ihre Torbilanz zu verbessern. Bei der WM, wo das Leistungsgefälle in den Gruppen viel größer ist, gilt die Regel der direkten Vergleiche im Übrigen nicht.

Ein Fußballturnier lebt davon, dass jeder Zuschauer, jeder Spieler zu jedem Zeitpunkt weiß, wer drinnen und wer draußen ist. Und zwar ohne zuvor stundenlang Taschenrechner bemüht und Regularien studiert zu haben.