Emmanuel Macron feiert mit Frankreichs Fußballern den Finaleinzug in der Kabine

Auch zum Finale am Sonntag gegen Argentinien will der Staatspräsident anreisen. Ob er im Stadion auch auf Karim Benzema trifft, ist eine der offenen Fragen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron springt jubelnd von seinem Sitz im WM-Stadion neben Fifa-Präsident Gianni Infantino auf.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron springt jubelnd von seinem Sitz im WM-Stadion neben Fifa-Präsident Gianni Infantino auf.imago/Javier Garcia

Taucht er in Katar auf oder nicht? Spielt er sogar mit? Oder ist Frankreichs Weltfußballer Karim Benzema zumindest im Stadion, wenn das Finale dieser Weltmeisterschaft am Sonntag (16 Uhr) zwischen Frankreich und Argentinien angepfiffen wird? Am Tag nach Frankreichs Halbfinal-Sieg gegen Marokko hielt sich hartnäckig das Gerücht, Benzema habe seine Oberschenkelverletzung auskuriert und wolle zur Mannschaft stoßen. Trainer Didier Deschamps reagierte nicht unbedingt eindeutig, als er bei der Pressekonferenz auf diese Option angesprochen wurde. „Pfffff“, sagte er und schnitt eine schwer zu deutende Grimasse, „diese Frage möchte ich nicht beantworten. Entschuldigung.“

Eine klare Absage war das nicht. Immerhin hatte Deschamps keinen anderen Spieler für Benzema nachnominiert, als der kurz vor Turnierbeginn in Katar nicht rechtzeitig fit geworden war – und ihm somit die Möglichkeit eines Comebacks offengehalten. Ob die Rückkehr des Torjägers ins Team taktisch klug wäre? Ob er sich einpassen würde in die Gruppe, die sich in Katar zu einem Erfolgsteam zusammengefunden hat?

Emmanuel Macron ist in der Kabine der Franzosen

Nun, daran dachte am Mittwochabend nach dem 2:0-Sieg über Marokko keiner der Spieler. In der Kabine tanzte Stürmer Olivier Giroud vor den Augen von Emmanuel Macron auf dem Tisch. Frankreichs Staatspräsident war im staatsmännischen Anzug ins Innere der Arena gekommen, um alle einzeln zu umarmen – und sich mit leuchtenden Kinderaugen im Glanz der Heroen zu sonnen, die dort in T-Shirts, kurzen Hosen und Badelatschen tanzten.  

Tags darauf verteidigte Macron seine Katar-Reise am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Er stehe „voll und ganz“ dazu, sagte er. „Ich habe vor vier Jahren die französische Mannschaft in Russland unterstützt, nun stand ich in Katar hinter ihnen.“ Sein Besuch im Golfemirat hatte vor dem Hintergrund des Korruptionsskandals im Europaparlament für Irritationen gesorgt. 

Für Macron steht fest: „Aller guten Dinge sind drei! Wir gewinnen das Ding.“ Wie 1998 und 2018. „Ich bin sehr stolz“, fügte der Präsident an. Sein Favorit? Frankreich, wer sonst? „Die Mannschaft ist einen Tick kompletter“, sagte Macron, der auch Kylian Mbappé für dessen „herausragenden Job“ lobte. Der pfeilschnelle Vollblutstürmer hatte die Tore durch Theo Hernandez (5.) und den Frankfurter Randal Kolo Muani (79.) erzwungen.

Die gegen Marokko erkrankt fehlenden Dayot Upamecano und Adrien Rabiot dürften im Finale gegen Argentinien wieder ins Team zurückkehren. Die Franzosen hatten mit einer Erkältungswelle zu kämpfen, auch Kingsley Coman war betroffen. „Wir hatten einige Fälle mit grippeähnlichen Symptomen, wir versuchen vorsichtig zu sein, damit es sich nicht weiter ausbreitet“, sagte Trainer Deschamps.

Antoine Griezmann ist das Herz der Mannschaft

Unterdessen bekam neben Mbappé noch ein ganz anderer Spieler der Franzosen großes Lob zugesprochen. „Natürlich sticht Kylian Mbappé immer heraus, aber nach diesem Spiel muss man einfach über Griezmann sprechen“, schrieb etwa der frühere deutsche Bundestrainer Jürgen Klinsmann in seinem täglichen Newsletter für den britischen Sender BBC: „Er war das Herz der Mannschaft. Er war mit seinem Passspiel und seiner Übersicht entscheidend nach vorne.“ Man wisse zwar, dass Antoine Griezmann das kann, „aber er war auch ohne Ball und in der Verteidigung entscheidend, und das erwartet man vielleicht nicht so sehr von ihm“, ergänzte Klinsmann. Auch ein Blick in die Statistik zeigt sehr deutlich Griezmanns Einfluss. Der 31-Jährige von Atlético Madrid kreierte im WM-Verlauf mit 21 Torchancen so viele wie kein anderer Spieler.

„Ich bin sehr stolz auf die Bleus“, sagte Macron. Jetzt drücke er der Mannschaft für das Spiel am Sonntag gegen Argentinien die Daumen. Einstimmigen französischen Medienberichten zufolge wird Macron auch beim Finale im Lusail-Stadion dabei sein. Ob er dort auch Benzema antrifft, bleibt abzuwarten.