Leipzig - Die Tränen kamen Isabell Werth in den Tagen des Abschieds mehrfach. Beim Weltcup-Finale in Leipzig durchlebte die erfolgreichste Reiterin der Welt das Karriere-Ende von einem ihrer Lieblingspferde.

Und spät am Samstagabend durfte Weihegold vor mehr als 7000 Zuschauern schließlich ihre letzten Piaffen und Passagen zeigen. „Ich hatte am Ende auch ein bisschen Gänsehaut“, verriet Werth - das Publikum feierte das Paar mit Ovationen.

„Die Gefühle und die Atmosphäre waren wundervoll“, sagte Werth, die in der Messehalle 1 die 17 Jahre alte Stute letztmals in zwei Prüfungen einsetzte. Obwohl es nur zu zwei dritten Plätzen reichte, war die Rekordreiterin aus Rheinberg am Ende rundum glücklich, denn es war für sie das „Ende einer Ära“. Für die 52-Jährige war „der Druck größer als beim Kampf um Olympia-Medaillen - es war ja das letzte Mal“.

Mehr als 50 Siege mit „Weihe“

Weihegold war ursprünglich nur ein Ersatz, weil andere Pferde in Werths Stall ausgefallen waren. Doch die schwarze Schönheit entwickelte sich schnell zu einem Weltklasse-Pferd. Mit „Weihe“ feierte Werth mehr als 50 Siege, mit den Erfolgen in Omaha, Paris und Göteborg gelang sogar der Weltcup-Hattrick.

„Das ist natürlich eine Zäsur“, sagte Werth und verwies auch auf Bella Rose, die sie im Vorjahr in die Rente geschickt hatte und die beim CHIO in Aachen verabschiedet werden soll. „Beide haben immer alles gegeben“, sagte sie. Beide haben dafür gesorgt, dass Werth weiterhin reichlich goldene Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen gewinnen konnte.

„Jetzt beginnt wieder ein Neuaufbau“, sagte die siebenmalige Olympiasiegerin: „Das ist ja klar, wenn man zwei so Super-Stuten nicht mehr reitet.“ Zuversichtlich schaut die 52-Jährige in die Zukunft: „Es ist ja nicht das erste Mal, dass es bei mir einen Umbruch gibt.“

Von Bredow-Werndl auf Werths Spuren

Eine Form von Umbruch erlebt auch Jessica von Bredow-Werndl, seit Samstagnacht Werths Nachfolgerin als Weltcup-Siegerin und zur Zeit im Dressur-Viereck nicht zu schlagen. Wegen ihrer Schwangerschaft war der Sieg in der Kür von Leipzig ihr vorerst letzter Wettkampf. „Dass ich zu zweit im Sattel sitze, ist noch einmal etwas ganz Besonderes“, sagte von Bredow-Werndl, die nun die Weltmeisterschaft in Dänemark im August verpassen wird. Auch ihr kamen am Samstagabend ein paar Mal die Tränen.

„Es war sehr emotional“, sagte die 36-Jährige aus dem bayerischen Tuntenhausen, die den ersten Dressur-Heimsieg bei einem Weltcup-Finale in Deutschland feierte. Für den Ritt mit ihrer Stute Dalera erhielt sie 90,836 Prozent. Damit lag sie klar vor der Dänin Cathrine Dufour mit Vamos Amigos (86,164) und Werth mit Weihegold (85,921)

„Es wird für fünf bis sechs Monate das letzte Turnier für uns sein“, kündigte die Doppel-Olympiasiegerin und Dreifach-Europameisterin nach ihrem ersten Weltcup-Titel an - und fügte sofort an: „Nach meiner Babypause kommen wir zurück!“