Berlin - Zwischen Olympiastadion und Flughafen Tegel liegen etwa acht Asphaltkilometer. Wer auf der Haupttribüne sitzt und den Blick vom Spielfeld auf die Gegengerade und dann raus übers Dach auf den blassblauen Himmel abschweifen lässt, sieht alle paar Minuten ein Flugzeug aufsteigen.

Richtung Westen, weg von diesem Berliner Frühling, der noch kein Frühsommer werden will, weg auch von diesem Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und dem VfB Stuttgart, Endstand 3:1 (2:0), das am Sonnabend vierzig Minuten lang das Gegenteil von Fußball bot. Dabei ging es doch noch um etwas. Die einen wollen diese Saison mit Würde beenden, die anderen als mindestens Relegationspartner.

Die vierzigste Spielminute also. Marvin Plattenhardt tat, was Marvin Plattenhardt so tut, wenn er im Halbfeld ein bisschen Platz bekommt, er flankte. In der Mitte stand Mathew Leckie, köpfte per Aufsetzer in die Ecke, Stuttgarts Torwart Ron-Robert Zieler ließ den Ball nach vorne prallen. Und dann tat auch Vedad Ibisevic das, was Vedad Ibisevic so tut, wenn sich ihm so eine Gelegenheit bietet – das 1:0 für Hertha. Plötzlich richteten sich alle Blicke auf einen Stürmer, dessen Vertrag ausläuft Ende Juni, der aber ab Juli weitermachen soll. Warum? Darum: Es war Ibisevics zehnter Saisontreffer.

Auf der Anzeigetafel wurde bereits die Nachspielzeit angezeigt, plus eins, was wirklich nicht nötig gewesen wäre, da hatte Ondrej Duda doch noch die finale Idee, einen Steckpass auf Ibisevic zu spielen, der zwar etwas zu lang geriet, aber über Umwege wieder beim wieder beim Ideengeber landete, der zum 2:0 traf. Für Statistikfreunde: Der Mittelfeldspieler Duda hat jetzt elf Tore auf seinem Sturmkonto. Danach war Pause und die Stimmung im Stadion wieder ausgelassen.

 

Eine drängende Frage an die zweite Halbzeit lautete: Wollen die Stuttgarter eigentlich auch an diesem Spiel teilnehmen? Es sah nicht so aus, und als nach etwa einer Stunde Alexander Esswein eingewechselt wurde, musste man das zumindest aus Berliner Sicht nicht gerade als Kampfansage deuten.

Der nach Stuttgart verliehene Flügelstürmer steht eher nicht im Verdacht, die Torgefahr zu erhöhen. Sollte Stuttgart in der Bundesliga bleiben, würde sich Hertha sicherlich über eine Ablösesumme freuen.

Wie man effektiver Spieler wechselt, zeigte Trainer Pal Dardai, als er den so lange vermissten Javairo Dilrosun auf die Reise schickte – und wie! Dieser Flügelstürmer legte gleich mal einen Sprint hin, wie man ihn zu Beginn der Saison gesehen hatte, als Dilrosun noch frei von Verletzungssorgen die Bundesliga aufmischte. Einen Querpass später grätschte Salomon Kalou den Ball zum 3:0 ins Tor (67.).

Dass Mario Gomez drei Minuten später ergebniskosmetische Korrekturen vornahm – Flanke, Kopfball, 3:1 –, war eher Zufall als Absicht, dieses Spiel noch ernsthaft zu kippen. Ein Spiel, das noch austrudelte und Hertha am Ende und nach sieben sieglosen Spielen endlich wieder mal drei Punkte bescherte. Wer gerade im Flugzeug Richtung Westen saß, hat den kollektiven Jubel nach dem Abpfiff nicht mitbekommen.