BerlinEs nervt. Die Bundesliga läuft. Das ganze Wochenende über. Alle wollen mitfiebern. Die Konkurrenz kickt und man möchte mithalten. Mitmachen. Doch für die Eisernen heißt es: Warten auf Godot. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied zu dem berühmten Theaterstück von Samuel Beckett, dass man beim 1. FC Union durchaus weiß, wann die Zeit des Ausharrens endet. Mit dem Anpfiff der Partie in Sinsheim am Montagabend, wenn die Köpenicker bei der TSG Hoffenheim gastieren (20.30 Uhr/DAZN).

Trotzdem alles anstrengend. Selbst Unions Trainer Urs Fischer musste zugeben, dass er in diesen Tagen des Ausharrens ein klein wenig das Zeitgefühl verloren hat. Auch dadurch mit hervorgerufen, dass er seinen Jungs zu Wochenbeginn so etwas wie ein freies Wochenende beschert hatte, erst am Mittwoch wieder ins Training eingestiegen war. Was den normalen Werktagsrhythmus natürlich gefühlsmäßig durcheinanderwirbelt. Er habe eben Pressesprecher Christian Arbeit gefragt, „welchen Tag wir heute haben. Freitag oder Sonnabend?“, meinte der 54-Jährige, ehe er ergänzte: „Aber wir spielen halt am Montag. Du wartest einfach, bis du endlich kannst. Die Situation ist für uns ja nicht neu“, verwies er auf die Vorsaison.

Da feierten die Köpenicker an dem ungeliebten Montagstermin einen wichtigen Dreier beim 2:1 in Frankfurt. Und überhaupt müssten die Eisernen sich ja mittlerweile mit dem Wochenbeginn als Spieltermin ein klein wenig mehr arrangiert haben. Erstens sind ohnehin keine Gäste zugelassen, daher entfällt das Argument der schwierigen Anreise in diesen Corona-Tagen für Gästefans. Zweitens wurde einer der größten Erfolge der jüngeren Vergangenheit auch an einem Montag errungen: der Bundesligaaufstieg in der Relegation gegen den VfB Stuttgart am 27. Mai 2019.

Fischer wies nicht umsonst darauf hin, dass in anderen Sportarten das Warten zum Alltag gehört. Beispielsweise beim Tennis, wo die Akteure ja oft nicht wissen, wann die Partie vorher zu Ende ist und sie daher spielbereit ausharren müssen, bis der letzte Ballwechsel über Spiel, Satz und Sieg entschieden hat. „Am Schluss ist es eine Frage der Angewöhnung. Für Tennisspieler ist das irgendwann Normalität. Man gewöhnt sich an die Gegebenheiten. Bei uns ist das ein bisschen einfacher, weil Zeit und Tag ja vorgegeben sind“, meint Fischer.

Immerhin sieht er in der langen Pause seit dem Kick gegen Freiburg noch einen Vorteil. Der Europa-League-Auftritt der TSG in Gent konnte als Weiterbildungsmaterial herhalten. „Die Jungs konnten sich das Spiel noch mal anschauen, das hilft in der Vorbereitung“, meinte Fischer.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Zeit, die zwischen den beiden Ligapartien liegt, könnte nützlich sein, damit die Eisernen in Bestbesetzung antreten können. Marcus Ingvartsen und Christopher Trimmel, beide durch muskuläre Probleme nicht voll im Training, laborieren ja an den Nachwehen aus dem Freiburgspiel. Die ein, zwei Tage Pause mehr als üblich könnten Fischer einen Umbau ersparen. 

Dass der Gang zur TSG bei einem Ausfall des Duos nicht einfacher wird, ist klar. „Favorit sind wir mit Sicherheit nicht“, meinte Fischer, der von seinem Team erwartet, dass es kompakt steht und Hoffenheim möglichst wenig Raum gibt. Eine Blaupause für das Vorgehen könnte das 1:1 in Gladbach sein, als die Eisernen von Beginn an gut in der Partie waren und auch durch einen Rückstand nicht aus der Bahn gerieten.

Eine andere Herausforderung, die durch den neuerlich Lockdown auf die Köpenicker zukommt, sieht er als weniger maßgeblich an – die Abwesenheit von Zuschauern. „Wir müssen uns halt selber pushen. Eben noch mehr als sonst“, sagte Fischer und gab zu verstehen, dass man das unter der Woche explizit angesprochen habe. Ob das wirkt, wird sich zeigen. Beim Restart im Mai fremdelten die Köpenicker länger mit der Situation.„Es ist auch unheimlich schwierig, das Eins zu Eins im Training umzusetzen. Weil ein Spiel immer noch was andres ist“, meint Fischer.

Dennoch glaubt er seine Truppe gerüstet. „Ich denke nicht, dass die Umstände einen großen Einfluss haben. Nicht schön, aber für alle nicht schön. Aber wir haben es schon erlebt. Die Situation ist eben so.“