Endlich wieder Party: Union feiert Saisonheimauftakt mit 15.932  Zuschauern

Die Eisernen präsentieren ihren Kader für die kommende Saison. Inklusive Tymoteusz Puchacz, der beim 2:1 im Test gegen Dublin zu gefallen weiß.

Unions Puchacz (r.) ist beim 1:0 gegen Dublin auffälligster Akteur seiner Mannschaft.
Unions Puchacz (r.) ist beim 1:0 gegen Dublin auffälligster Akteur seiner Mannschaft.imago/Contrast

Endlich wieder Bratwurst, endlich wieder Bier und dazu endlich wieder Fußball. Ja, am Sonnabendnachmittag, also 56 Tage nach dem 3:2 im Ligaspiel gegen den VfL Bochum, mit dem sich der 1. FC Union Berlin die Qualifikation für die Europa League sicherte, hatte sich die eiserne Gemeinschaft mal wieder im Stadion An der Alten Försterei zu einer kleinen Feier ihres großen Glücks eingefunden. Der Anlass: der obligatorische Saisonheimauftakt, wobei die Köpenicker dieses Mal den irischen Traditionsklub Bohemians FC aus Dublin als Sparringpartner zu Gast hatten.

45 Minuten vor Spielbeginn begrüßte Stadionsprecher Christian Arbeit die 15.932 Zuschauer mit ein paar wenigen, aber sehr herzlichen Worten, stellte im Anschluss der Reihe nach die Mannschaft und die Mannschaft hinter der Mannschaft vor. Frederik Rönnow, der Torhüter, die Nummer eins, tauchte als Erster aus dem Spielertunnel auf, es folgten ihm fast vier Dutzend Menschen, die in der kommenden Spielzeit alles daran setzen werden, das die Erfolgsgeschichte des Klubs eine Fortsetzung erfährt. Von A wie Arzt bis Z wie Zeugwart.

Sommerzugang Doekhi trifft zum 1:0

Den größten Applaus bekamen dabei diejenigen ab, die schon länger im Verein sind, beispielsweise Kapitän Christopher Trimmel oder auch Mannschaftsleiterin Susanne Kopplin. Nummer eins in der Liste der am lautesten Begrüßten war allerdings Trainer Urs Fischer, der sich unter den Ovationen der Anhänger einmal um sich drehte, in alle Richtungen grüßte und bestimmt froh war, dass er wenig später wieder zur Tagesordnung eines Testspiels übergehen konnte.

Und bei diesem Testspiel konnte schließlich im Besonderen Tymoteusz Puchacz gefallen. Der polnische Nationalspieler, der in der Rückrunde der vergangenen Saison an Trabzonspor ausgeliehen und dort als Stammspieler wesentlich am Gewinn der Meisterschaft beteiligt war, trat gleich mal als Vorlagengeber beim 1:0 durch den aufgerückten Abwehrmann Danilho Doekhi in Erscheinung (12.), interpretierte seine Rolle als linker Mittelfeldspieler im Anschluss so offensiv, dass Keita Endo, der Linksaußen, mitunter gar nicht wusste, wo er hin sollte.

Siebatcheu fliegt in eine Gießelmann-Flanke

Puchacz schlug wiederholt gefährliche Flanken vors Tor, ging wiederholt ins Eins-gegen-Eins, war also voller Lust auf Fußball, wenngleich er bei allem Eifer in der Rückwärtsbewegung nicht immer gut positioniert war. Dennoch: Der 23-Jährige, sollte er tatsächlich in Berlin bleiben, ist im Moment in gewisser Weise Unions verheißungsvollster Sommerzugang. Was freilich nicht die Klasse von Doekhi, der mit einem mächtigen Schuss aus 16 Metern getroffen hatte, oder die Fähigkeiten der anderen Neuverpflichtungen in Zweifel stellen soll.

Jordan Siebatcheu beispielsweise, der US-Amerikaner, der gegen die robusten, aber spieltechnisch und spieltaktisch limitierten Dubliner in der zweiten Hälfte ran durfte, bringt alles mit, um ein adäquater Ersatz für den zu Nottingham Forest gewechselten Taiwo Awoniyi zu sein. Er muss nur noch seinen Rhythmus finden, ein Gespür für das Handeln seiner neuen Mitspieler entwickeln, um bei Union das zu tun, was er bei Young Boys Bern regelmäßig getan hat, nämlich treffen.

Fischer ärgert sich über den Gegentreffer

Mehrmals war der 26-Jährige am Sonnabendnachmittag ganz nah dran an seinem ersten Tor für die Eisernen. Mit Anlauf flog er in eine Flanke von Niko Gießelmann, der für Puchacz ins Spiel gekommen war, landete im Netz, der Ball hingegen im Toraus. Mit wilder Entschlossenheit warf er sich in eine Hereingabe von Trimmel, verpasste allerdings den Ball, sodass sich für den eingelaufenen Andreas Voglsammer die Gelegenheit zum 2:0 ergab. Und Voglsammer verwandelte nüchtern (67.).

Der Gegentreffer durch Ali Coote in der 74. Minute, bei dem sich in der noch etwas fahrig agierenden Abwehrkette der Unioner eine Lücke aufgetan hatte, tat für die Fans nichts mehr zur Sache. Sie waren vergnügt. Nur Fischer ärgerte sich am Spielfeldrand, ging mit seinem Assistenten Markus Hoffmann sogleich in die Blitzanalyse. „Der Auftritt heute war bescheiden, ich hätte mir mehr gewünscht. Im Trainingslager werden wir weiter an den Automatismen arbeiten und auch versuchen, die neuen Jungs besser einzubinden“, sagte Fischer.

Nach dem freien Sonntag fährt das Team am Montag nach Neukirchen in Österreich - dort wird Zwischen Wildkogel und Großvenediger bis zu 20. Juli im Trainingslager alles daran gesetzt, die angesprochenen Defizite so schnell wie möglich zu beseitigen.