Endspiel in Malmö: Wie Union zum ersten Sieg in der Europa League kommen könnte

Es ist an der Zeit, dass die Eisernen auch mal wieder nach einer Standardsituation zum Torerfolg kommen. Dabei ist im Besonderen Kapitän Trimmel gefragt.

Christopher Trimmel ist beim 1. FC Union für die Ausführung von Frei- und Eckstößen verantwortlich.
Christopher Trimmel ist beim 1. FC Union für die Ausführung von Frei- und Eckstößen verantwortlich.City-Press/Pohl

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde Christopher Trimmel als der König der Standards gefeiert. Der Reihe nach führten von ihm getretene Frei- und Eckstöße für den 1. FC Union Berlin in den ersten Monaten nach dem Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse zu Toren. Im Jahr 2020 war der Kapitän der Eisernen über die fünf Top-Ligen (Bundesliga, Serie A, Primera División, Premier League, Ligue 1) des Kontinents hinweg dahingehend gar die Nummer eins in Europa. Wobei an dieser Stelle gleich noch einmal darauf hingewiesen werden darf, dass in den soeben erwähnten Top-Ligen, aber auch im Europapokal immerhin in etwa jedes vierte Tor nach einer Standardsituation erzielt wird.

Neben Trimmel brachte sich auch Max Kruse bei den Unionern eine Zeit lang als gefährlicher Freistoß- und Eckstoßschütze ein. Auch er wusste, wie man aus einem ruhenden einen gefährlich vors gegnerische Tor fliegenden Ball macht. Die gute Schusstechnik macht’s bei einer Spezialdisziplin, die im Fußball seit jeher zu einer der anspruchsvollsten zählt. Und üben, üben, üben.

Die Konkurrenz weiß Bescheid

Inzwischen ist das beim 1. FC Union mit den Standardsituationen so eine Sache. Kruse ist nicht mehr da, Trimmel ist bei Frei- und Eckstoßen bei Weitem nicht mehr so effektiv wie zuvor, was sich nicht so leicht erklären lässt, weil der Österreicher ja weiterhin im Training fleißig an deren Ausführung übt. Genauso wie Niko Gießelmann, der grundsätzlich ja auch zur präzisen Eck- beziehungsweise Freistoß-Flanke fähig ist, aber diese in dieser Saison ebenso glücklos vors Tor schlägt wie sein Kollege. Allein auf den Abschied des beim Offensivkopfball starken Marvin Friedrich lässt sich die unbefriedigende Quote jedenfalls nicht zurückführen. Schon eher vielleicht darauf, dass die Konkurrenz sich besser darauf einzustellen weiß.

Fakt ist, dass diese „Schwäche“ dank der Effizienz von Jordan Siebatcheu und Sheraldo Becker derzeit nicht so ins Gewicht fällt (siehe die Tabelle der Bundesliga). Fakt ist aber auch, dass so ein „einfaches“ Tor bei der Lösung von kniffligen Aufgaben ein zielführendes Mittel ist und bleibt.

Und knifflig ist die Aufgabe, die sich den Unionern an diesem Donnerstagabend stellt, allemal. Nach den Niederlagen gegen Royale Union Saint-Gilloise und Sporting Braga braucht es am dritten Spieltag der Europa-League-Gruppenphase beim Gastspiel in Malmö (18.45 Uhr) nämlich ganz dringend ein Erfolgserfolgserlebnis, damit das Ziel Achtelfinale noch erreicht werden kann. Ein Remis könnte schlussendlich schon zu wenig sein, was im Umkehrschluss aber auch für den bis dato ebenfalls punktlosen schwedischen Rekordmeister gilt.

Braga liefert die Vorlage

Wie man gegen Malmö trotz der groß gewachsenen Innenverteidiger über eine Standardsituation zum Torerfolg kommen kann, demonstrierte der SC Braga vor knapp einem Monat. André Horta schlug den Ball scharf auf den ersten Pfosten, Paulo Oliveira verlängerte per Kopf gekonnt auf den zweiten Pfosten, wo Bruno Rodrigues zur Stelle war und den Ball mit der Hacke über die Linie drückte. Infolge dieses Gegentreffers in der 30. Minute sahen sich die Schweden zu etwas aus ihrer Sicht Leidigem gezwungen, nämlich selbst das Spiel zu machen. Endstand: 0:2 für Braga.

Stellt sich die Frage, wer bei Union außer Trimmel und Gießelmann, der womöglich noch nicht mal in der Startelf stehen wird, noch zum Standard-Schützen taugt. Milos Pantovic und Paul Seguin, die bei ihren früheren Klubs in dieser Rolle durchaus einiges zustande brachten, kommen für das Schlüsselspiel im Eleda-Stadion nicht infrage, da beide nicht für den Europapokal gemeldet wurden. Becker ist eine Option, aber auch Tim Skarke, der mit einem forschen Auftritt nach Einwechslung beim 0:2 in Frankfurt auf sich aufmerksam machen konnte und das entsprechende Füßchen hat. Fürs Erste aber bleibt’s dabei: Captain Trimmel, bitte übernehmen Sie!