Sebastian Abt muss bei Energie Cottbus den Trainerstuhl räumen.
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BerlinAm Sonntag um 14.10 Uhr verkündete Regionalligist Energie Cottbus auf der klubeigenen Homepage das Aus für Cheftrainer Sebastian Abt. Der 38-Jährige wurde „mit sofortiger Wirkung freigestellt und von seinen Aufgaben entbunden.“ Es ist nach drei Spieltagen in der Regionalliga Nordost die erste Trainerentlassung. Diese Trennung hatte sich nach der dritten Niederlage in Serie angedeutet.

Am Sonnabend verlor Energie vor 798 Zuschauern im Stadion der Freundschaft mit 1:2 gegen Viktoria 89 und hatte dabei eine desolate Leistung geboten. Nach dem 1:2 zum Ligaauftakt gegen Lichtenberg 47 – auch im eigenen Stadion – und dem folgenden 0:2 beim ZFC Meuselwitz endete die kurze Amtszeit des jungen Trainers, dessen Aufgabe es eigentlich war, mit einer stark verjüngten Mannschaft den Aufstieg in die Dritte Liga zu bewerkstelligen. Der Staffelsieger aus dem Nordosten steigt 2021 direkt auf.

Schon vor dem Duell gegen Viktoria 89 – die Berliner stehen nach drei Siegen neben der VSG Altglienicke an der Tabellenspitze - war Abt heftig in die Kritik geraten. Energie-Präsident Matthias Auth hatte der Lausitzer Rundschau gesagt: „Wir haben dem Trainer klar signalisiert, dass sich Dinge verändern müssen. Wir sind überhaupt nicht zufrieden.“ Doch Abts Maßnahmen gegen eine selbstbewusste Viktoria – vier neue Spieler, Umstellung auf eine Dreier-Abwehrkette und zwei Sturmspitzen – griffen nicht. So ist das Experiment, mit einem jungen Coach aus den eigenen Reihen Erfolg zu haben, gescheitert. Die Turbulenzen beim ehemaligen Bundesligisten gehen in eine neue Phase.

Energie, dass sich stets als Aufstiegsanwärter sieht, stand nach der Winterpause 2019/20 auf Platz eins, trotzdem schmiss Trainer Claus-Dieter Wollitz nach Unstimmigkeiten mit der Klubführung hin und Sebastian Abt übernahm im Januar das Team. Der wuchs in unmittelbarer Nähe zum „Stadion der Freundschaft“ auf, spielte in seiner Jugend für Energie, übernahm später als Coach die U19, mit der er sehr erfolgreich war. Auch als Assistent von Wollitz sammelte Abt Erfahrungen. Nach seiner Amtsübernahme sagte er dieser Zeitung: „Es ist ein Traum für mich, die Männer von Energie trainieren zu dürfen!“ Der ist nun geplatzt.

In der Rückrunde der abgebrochenen Saison 2019/20 holte das Team in fünf Spielen nur sechs Punkte und landete am Ende auf Rang drei. Saisonübergreifend gab es unter Abt in acht Duellen nur einen Sieg. Zu wenig für die Ansprüche in Cottbus. Offenbar wurden in der Kaderzusammenstellung Fehler begangen. Dass man die erfahrenen Profis Dimitar Rangelov,37, einst auch Kapitän, und Abwehrchef Robert Müller, 33, aussortierte, stieß in Cottbus auf Unverständnis. Vor allem dem Publikumsliebling Rangelov trauern viele Fans hinterher. Zwölf Abgängen stehen neun Zugänge gegenüber.

Wie geht es weiter bei Energie? Präsident Auth hatte noch im Januar die „Vision 2022“ verkündet. Bis dahin wolle man sich im Profifußball wieder etablieren, in Liga drei oder im Idealfall in der Zweiten Liga.

Co-Trainer Tim Kruse wird das Team am Mittwoch im Spiel beim VfB Auerbach betreuen. Als Nachfolger von Abt wird etwa Torsten Ziegner,42, gehandelt, der zuletzt den Halleschen FC trainierte und im Februar 2020 beim Drittligisten entlassen wurde.