Das Eingeständnis von Uwe Möhrle, dem Kapitän von Fußball-Zweitligist Energie Cottbus, beschrieb die Situation drastisch: „Wir schießen keine Tore, wir gewinnen keine Spiele, wir sind am Boden!“ Tatsächlich sind die Zahlen erschreckend: Seit 369 Minuten hat Energie kein Tor mehr erzielt, zuletzt konnte das Team von neun Spielen nur eines gewinnen und – 13 Punkte nach 13 Spieltagen bedeuten den bislang schlechtesten Saisonstart der Cottbuser in der Zweiten Liga. Rang 17, ein direkter Abstiegsplatz, ist die logische Folge. Auch die Kampfkraft samt Heimstärke war verloren gegangen – Eigenschaften, die viele Energie-Teams in der Vergangenheit ausgezeichnet und zu einem unangenehmen Gegner gemacht hatten. Oft passte das rustikale Auftreten der Mannschaft nicht zum Namen „Stadion der Freundschaft“.

Alter Ballast

Dann passierte, was in solchen Fällen üblich ist: Energie trennte sich am Dienstag von Cheftrainer Rudi Bommer, der im Klub als sehr menschlich galt. Dessen Assistent Uwe Speidel übernimmt ad interim den Posten. Wer hat nun Schuld an der Misere? Vor allem die Spieler? Der Trainer? Oder etwa Präsident Ulrich Lepsch, seit 2006 im Amt, unbestritten der starke Mann im Klub und von Beruf Chef der Sparkasse Spree-Neiße? Bei genauerem Hinsehen lautet die Antwort: Niemand ist allein für diese Krise verantwortlich.

Bommer fühlte sich ab und an überlastet, weil er seit der Trennung von Sportdirektor Christian Beeck im Juni 2013 dessen Aufgaben mit zu erledigen hatte. Doch Insider sagen, diese Zusatzbelastung hielt sich arg in Grenzen. Fakt ist: Nach dem hyperaktiven Claus-Dieter Wollitz scheiterte der ruhige und besonnene Rudi Bommer, der als zu harmoniebedürftig galt, auch an der Aufgabe, Energie zumindest in die Spitzengruppe der Zweiten Liga zu führen. Seit der Ära von Eduard Geyer (1994-2004) hat Lepsch, der den Verein wirtschaftlich solide und mit ruhiger Hand führt, vier Cheftrainer und zwei Interimstrainer beschäftigt. Die Bedingungen, die Fußball-Lehrer in der Lausitz vorfinden, sind durchaus professionell zu nennen, aber gerade finanziell eher bescheiden. Mit dem Etat von 13 Millionen Euro sind keine Super-Profis zu locken.Viele Spieler scheuen sowieso den weiten Weg Richtung Osten.

Alle Trainer nach Geyer mussten zudem mit der überzogenen Erwartungshaltung der Fans und von Teilen der Öffentlichkeit leben, die bei Energie noch immer das Potenzial für einen Erstligisten sehen. Das schleppt der Verein als Ballast seit den Zeiten, als man sich noch mit Bayern München maß, mit sich herum. Nun sucht Energie einen Coach, der „vielleicht genau die Mitte“ sein soll zwischen Wollitz und Bommer, so Lepsch. Der Präsident hat schon angekündigt, dass der Neue vorerst weiter Trainer und Manager in Personalunion sein soll. „Der Trainer hat bei uns zwei Jobs, ich habe fünf“, lautete einmal das Motto des Präsidenten, der in vielen Gremien, auch der DFL, sitzt. Ob das Kandidaten wie Stephan Schmidt oder Franco Foda animiert oder doch eher abschreckt?