England zieht souverän ins Achtelfinale ein, weil Wales zu harmlos ist

Die Three Lions können beim 3:0 im Battle of Britain nicht vollends überzeugen, das Fortkommen in die K.-o.-Runde gerät dennoch zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Englands Doppeltorschütze Marcus Rashford jubelt über seinen Treffer zum 1:0.
Englands Doppeltorschütze Marcus Rashford jubelt über seinen Treffer zum 1:0.AP/Augstein

Die Frage vor dem Battle of Britain war auch, für wen die Party eine Fortsetzung erfährt. Für die WAGs, also die Wifes and Girlfriends der Waliser, die in ihrem Hotel in Dubai am Vorabend des letzten Gruppenspiels eine - entsprechende Videos legen das nahe - sehr, sehr ausgelassene Party feierten, gemäß dem Motto: Wenn schon WM, dann richtig, also mit sehr viel Wodka und sehr wenig Kleidung. Oder eben für die WAGs der Engländer, die sich offenbar etwas stilvoller zu vergnügen wissen und dies nach dem 6:2 zum Auftakt vor der Küste Katars auf einem Kreuzfahrtschiff taten, mit sehr viel Champagner und etwas mehr Kleidung. Kostenpunkt: etwa 25.000 Euro.

Die Antwort lautet: Für die Spielerfrauen der Löwen ist die Sause nach dem 0:3 vorbei, für die der Three Lions geht sie hingegen weiter. Cheers! Wobei die Elf von Trainer Gareth Southgate im dritten Gruppenspiel erst in der zweiten Hälfte zu überzeugen wusste, schließlich im Ahmed-bin-Ali Stadium durch die Treffer von Marcus Rashford (50. und 68.) und Phil Foden (51.) den Einzug ins Achtelfinale klarmachte. Im Parallelspiel der Gruppe B sicherte sich die USA mit einem 1:0-Erfolg gegen die Auswahl Irans das Fortkommen in die K.-o.-Runde.

Umfangreicher Personalwechsel

Ein klein wenig überraschend hatte der englische Nationalcoach seine Mannschaft gegenüber dem 0:0 gegen die USA gleich auf vier Positionen verändert. Jordan Henderson, Foden, Rashford und Kyle Walker durften von Beginn an ran, dafür fanden sich Mason Mount, Raheem Sterling, Bayoko Saka und Kieran Trippier auf der Ersatzbank wieder. Dieser umfangreiche Personalwechsel war schwer zu deuten. Kräfteschonung durch Rotation? Das wohl eher nicht. Die richtige Mischung in der Offensive finden? Das schon eher. 

Rashford hatte auch gleich mal eine sehr, sehr gute Chance. Unverhofft war der Stürmer von Manchester United in der zehnten Minute freistehend im gegnerischen Strafraum zum Abschluss gekommen, dabei kam ihm aber Keeper Danny Ward mit einer gekonnten Parade dazwischen. In der Folge sah das alles ein bisschen nach Handball aus, mit Wales in der Defensive, mit England in der Offensive, wobei den Angriffsversuchen im Gegensatz zum Handball natürlich kein zeitliches Limit gesetzt war. 

Der letzte Pass zu schlampig

Die Three Lions passten sich also ziemlich sauber zwischen Mittellinie und gegnerischem Strafraum die Bälle zu, versuchten es über die Flügel und durch die Mitte über Harry Kane, aber wenn sie im letzten Drittel irgendetwas versuchten, ging das eigentlich immer schief. Die Flanken waren zu flach, der letzte Pass zu schlampig. So etwas nennt man dominant, aber nicht zwingend.  

Es brauchte also von irgendwo her ein Tor, damit das leise Zittern der englischen Fans ein Ende nimmt. Und siehe da: In der 50. Minute legte sich Rashford nach einem Freistoßpfiff den Ball zurecht, nahm fünf Schritte Anlauf und jagte den Ball aus gut zwanzig Metern Richtung Torwartecke. Ward hatte offenbar mit etwas anderem gerechnet, griff schließlich mit seiner linken Hand ins Leere. Der Keeper war geschlagen, Wales ebenso, und spätestens nach dem 2:0, das Foden nach Vorarbeit von Kane nur wenige Sekunden nach dem Führungstreffer erzielte, vollends demoralisiert. Rashford nutzte dies in der 68. Minute noch zum 3:0. Den Engländern eröffneten sich noch Chancen zu einem vierten oder gar fünften Treffer, aber eine derartige Demütigung hatten die Waliser nun wirklich nicht verdient.