Mentaltraining hat den Zweck, die eigenen Kräfte – insbesondere die psychischen – so zu stärken, dass im entscheidenden Moment die beste Leistung abrufbar ist. Schaut man sich den Saisonverlauf von Hertha an, könnte der Vorschlag von Trainer Pal Dardai ein probates Mittel sein, um seinen Spielern zu helfen.

In Hannover verloren die Berliner nach einer der schwächsten Vorstellungen in dieser Spielzeit völlig verdient mit 1:3 (0:3). „Die erste Halbzeit war richtig schlecht. Das ist Kopfsache, ein mentales Problem“, diagnostizierte Dardai. „Daran müssen wir arbeiten. Ich habe den Jungs schon gesagt, dass wir in der Sommervorbereitung vielleicht mit Fachmännern zusammenarbeiten sollten.“ Ein Psychologe soll helfen, damit seine Spieler lernen, mit positivem Druck umzugehen. Nur zweimal gewannen die Berliner in dieser Saison zwei Spiele hintereinander. „Immer, wenn es etwas zu gewinnen gab, haben wir verloren“, fasste Mittelfeldspieler Per Skjelbred zusammen.

„Wir haben es nie in der Hand gehabt“

Zu gewinnen gab es noch eine Last-Minute-Chance auf die Teilnahme an der Europa League. Verspielt wurde sie bereits in den ersten 45 Minuten, als die Niedersachsen quasi nicht anwesende Herthaner überrannten – Martin Harnik (4.), Salif Sane (40.) und Niclas Füllkrug (42.) nutzen eklatante Stellungsfehler in der Defensive. Weil die 96er im Anschluss Hertha gewähren ließen, durfte Stürmer Davie Selke Mitte der zweiten Halbzeit noch sein zehntes Saisontor erzielen.

Wenn kommenden Sonnabend, am letzten Spieltag der Saison, sieben Mannschaften um fünf internationale Plätze kämpfen, bleibt Hertha im Heimspiel gegen RB Leipzig nur die Statistenrolle. „Wir haben es nie in der Hand gehabt“, sagte ein vom Europa-Thema genervter Dardai. „Wir haben einen jungen Kader, neue Spieler gut integriert.“ Der Ungar sieht sein Team mit Platz zehn im Soll, entsprechend positiv bilanziert er: „Wir wollten einen Top-Ten-Platz erreichen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“

Gewissermaßen übt sich Dardai selbst als Psychologe, indem er probiert, seine Spieler starkzureden. Schließlich kann ein positiver Saisonabschluss bereits einen wirkungsvollen Effekt für die neue Spielzeit bewirken. Ganz ohne Couchgeflüster.