Christopher Trimmel muss lachen, als er die Anekdote erzählt: „Wir sind schon in der österreichischen Liga einige Male aufeinandergetroffen, haben uns dann, als er nach Ingolstadt gewechselt ist, in der 2. Bundesliga wiedergesehen, wo er mir gleich im ersten Spiel die Nase zertrümmert hat.“ Die Rede ist von Lukas Hinterseer, Stürmer beim VfL Bochum, dem Gegner des 1. FC Union im entscheidenden, vorläufig letzten Saisonspiel am Sonntag.

Doch nicht nur den 18-Tore-Mann, der nach Medienberichten in der kommenden Saison für den Hamburger SV auf Torejagd gehen wird, gilt es zu stoppen, wenn die Köpenicker ihre Chance auf den direkten Aufstieg in die Bundesliga wahren wollen. „Die Bochumer werden uns nichts schenken, auch wenn es für sie in dieser Saison um nichts mehr geht. Aber die wollen ihren Fans trotzdem ein tolles Saisonfinale präsentieren“, vermutet Trimmel.

Union hat nichts zu verlieren

VfL-Torwart Manuel Riemann formulierte es zu Wochenbeginn drastischer: „Ich fände es nicht so toll, wenn Berlin in unserem Stadion aufsteigen würde, deshalb wäre es cool, wenn wir das irgendwie verhindern könnten.“ Doch während sich die Bochumer bestenfalls auf ihre Fußballerehre besinnen können, gibt es für die Köpenicker an der Castroper Straße kaum etwas zu verlieren. Gewinnen sie nicht in Bochum, geht es in der Relegation gegen den VfB Stuttgart. Das Worst-Case-Szenario dieses Spieltages hätte jeder Unioner, ob Spieler oder Fan, vor der Saison ohne mit der Wimper zu zucken eingereicht, abgedruckt und als Erfolgsgeschichte verkauft.

Gerade diese komfortable Situation setzt bei Union ganz neue Kräfte frei. „Der große Druck, der manche Spieler in der Rückrunde hat verkopfen lassen, ist auf jeden Fall weg“, bestätigt der Kapitän der Eisernen. „War er aber schon nach dem Spiel gegen den HSV.“ Hier, so Trimmel, habe die Mannschaft, nach fünf sieglosen Spielen wieder gespürt, dass das Zusammenspiel aus Offensive und Defensive noch immer gut funktioniert. Daran änderte auch Rückschlag in Darmstadt nichts. „Aktuell gratulieren uns viele zu unserer tollen Saison, aber uns war schon vorher absolut bewusst, dass wir eine wirklich erfolgreiche Runde gespielt haben.“ Damit diese jetzt vergoldet wird, lässt sich der Österreicher erstmals in dieser Saison zu einer kleinen Kampfansage hinreißen: „Wir gehen in dieses Spiel in Bochum mit dem festen Glauben daran, dass es unser letztes in dieser Saison sein wird.“

Die Köpenicker brauchen Beständigkeit

Die seichte Phrase des Nur-von-Spiel-zu-Spiel-Schauens, die die Unioner das gesamte Spieljahr als Motto vor sich hergetragen haben, bekommt vor dem Spiel in Bochum eine ganz neue Bedeutung. Und die Mannschaft wäre, so Trimmel, weniger gut beraten, wenn sie ausgerechnet vor dem letzten regulären Saisonspiel von ihrer Linie abweichen würde. „Ich habe immer gesagt, dass das wichtigste für einen Spieler Konstanz ist. Die gleichen Abläufe, immer und immer wieder, helfen uns jetzt am meisten.“ Heißt aber auch im Umkehrschluss, dass das Team vor der Entscheidungsschlacht im Ruhrgebiet keine außerplanmäßigen Aktivitäten mehr vorhat. Kein gemeinsamer Filmabend, kein Trainingslager – selbst das Mittagessen bleibt gleich. Das Zauberwort für den Aufstieg lautet Beständigkeit.

Das gilt auch für den Ergebnisdienst. Schon gegen Magdeburg hatten sich Spieler und Trainer versprochen, die Zwischenstände der Partie zwischen Paderborn und dem HSV vom Spiel fernzuhalten, stattdessen nur auf die eigene Leistung zu schauen.Trimmel betont: „Ich bin mir absolut sicher, dass wir keinerlei Vorteile daraus ziehen, wenn uns jemand über den Zwischenstand in Dresden auf dem Laufenden hält.“ Union kann nur beeinflussen, was in Bochum passiert. Und da werden sie alles reinwerfen, Trimmel sogar die lädierte Nase. „Lukas kann mir gerne wieder die Nase brechen“, sagt er lachend, „wenn er dafür kein Tor gegen uns schießt.“