Berlin -  Aaron Rodgers, der Quarterback der Green Bay Packers, hat lange nichts dazu gesagt. Nicht mal kürzlich, als er die populäre Quizshow „Jeopardy!“ moderieren durfte, und ein Kandidat frech fragte: „Wer wollte dieses Field Goal kicken?“ Wer Ende Januar gesehen hatte, wie Rodgers enttäuscht den Kopf unter der schwarzen Wollmütze senkte, wie er den Blick nach unten richtete, verstand, dass er seine Kritik in die stumme Pause legte, die nach dem verlorenen NFC Championship Game gegen die Tampa Bay Buccaneers auf ähnliche Fragen der Reporter folgte. Statt in den entscheidenden letzten Minuten des NFL-Playoffs der genialen Klasse seines Quarterbacks zu vertrauen, ihn einen vierten Versuch wagen zu lassen, hatte sich Packers-Coach Matt LaFleur für ein Field Goal entschieden.

Imago/Aaron Josefczyk
Quarterbacks an Position eins, zwei und drei des NFL-Drafts

Die Jacksonville Jaguars haben sich im Draft der US-Football-Profiliga NFL Quarterback Trevor Lawrence, 21, gesichert. Das schlechteste Team der Vor-Saison wählte den Spielmacher der Clemson University an Position eins aus. Hinter ihm kamen weitere Quarterbacks: Zach Wilson zu den New York Jets und Trey Lance zu den San Francisco 49ers. An Position vier folgte Tight End Kyle Pitts, der zu den Atlanta Falcons geht. Am Freitag und Samstag wird der NFL-Draft in Cleveland/Ohio fortgesetzt. 

Die Buccaneers bekamen den Ball zurück. Tom Brady und seine Offense behielten ihn, ließen die Uhr auslaufen, retteten ihren Vorsprung – die Packers waren raus. „Es war nicht meine Entscheidung“, sagte Rodgers damals nach den stummen Sekunden. Das ist ein Teil der Vorgeschichte, die gerade dazu führt, dass Medien von einem „NFL-Erdbeben“ oder „NFL-Hammer“ berichten.

Aaron Rodgers’ Enttäuschung zu Beginn der Saison

Schon zu Beginn der vorigen Saison hatten die Packers den 37-Jährigen, der sie 2011 zum Super Bowl führte, enttäuscht: Statt des Wide Receivers, den sich Rodgers gewünscht hatte, wählte das Franchise in der ersten Runde des NFL-Drafts 2020 in Jordan Love einen jungen, aufstrebenden Quarterback. Rodgers Antwort: eine Saison, die er als MVP, als wertvollster Spieler abschloss. Aber eben auch, ohne Titel und ohne den Rückhalt, den er sich von seinem Arbeitgeber erhofft hatte.

Nachdem mehrere Vertragsgespräche zwischen Rodgers und den Packers zu keiner Lösung geführt hatten, kam die Retourkutsche des smarten Quarterbacks jetzt, wenige Stunden vor Beginn der ersten Runde des Drafts für die neue Saison. Kurz bevor Clemson-Tigers-Quarterback Trevor Lawrence als Nummer-eins-Pick von den Jacksonville Jaguars ausgewählt wurde.

„Rodgers will weg von Green Bay“, berichtete der Sender ESPN. Sofort. Noch vor Beginn der neuen Saison. Der Quarterback soll Headcoach LaFleur und General Manager Brian Gutekunst längst über seinen Wunsch informiert haben. Die Nachricht schockiert die Football-Fans. In den sozialen Medien wird seither heiß diskutiert.

Offenbar haben die 49ers Interesse an Rodgers. Der, schon als Kind aufgeregter 49er-Fan, hatte auf einen Trade nach San Francisco gehofft. Doch Gutekunst schließt einen Rodgers-Wechsel aus. Gegenüber dem Sender NFL Network sagte er: „Er ist unser Quarterback. Er ist unser Anführer. Wir haben das schon eine Weile durchgearbeitet. Ich denke, dass das noch ein bisschen Zeit braucht. Aber er ist der Typ, der dieses Ding hier zum Laufen bringt. Wir werden Aaron nicht traden.“

Patrick Mahomes erwartet interessantes Draft-Wochenende

Offenbar schon im Januar hatten die Los Angeles Rams sich nach Rodgers erkundigt, sich aber ebenfalls eine Absage aus Green Bay abgeholt. Und nun? Wie geht es weiter im Clinch zwischen Rodgers und Green Bay? Auf Twitter postete Patrick Mahomes, der Quarterback der Kansas City Chiefs, gefolgt von zwei tränenlachenden Smileys: „Also, ich merke gerade, das Draft-Wochenende wird sehr interessant werden.“