Berlin - Eric Frenzel muss schmunzeln. Einerseits ist doch alles wie damals vor 15 Jahren. Andererseits ist es nur eben völlig anders. Der erfolgreichste Nordische Kombinierer der Geschichte, der als Teenager die Konkurrenz in der Blüte ihrer Sportlerjahre ärgerte, will das nun wieder tun. Nur eben aus der anderen Richtung, als Mittdreißiger.

„Natürlich möchte man den Jungen nochmal auf’s Brot schmieren, dass man mal gut war und gut ist“, sagt Frenzel, der am Freitag im finnischen Wintersportort Ruka in seine 15. Weltcup-Saison startet: „Ich möchte nicht so einfach das Feld räumen.“ Und wenn alles nach Plan läuft, bringt ihm diese Saison in Peking bei seinen „mit höherer Wahrscheinlichkeit letzten Olympischen Winterspielen“ noch einmal die perfekte Gelegenheit für eine späte Leistungsdemonstration.

Kombinierer Rydzek kritisiert Gigantismus in Peking

Kombinierer-Olympiasieger Johannes Rydzek hat die Vergabe der Olympischen Winterspiele an Pyeongchang 2018 und Peking 2022 kritisiert. Der 29-Jährige sagte: „In Südkorea wurde auch alles mitten in der Natur hochgezogen. Ich habe keine Ahnung, ob da jemals noch ein Wettkampf stattgefunden hat oder stattfinden wird. Das war ein einziges Prestigeobjekt – genauso wie nun in China. Peking wird allerdings sicher den negativen Höhepunkt bilden. Da wird der Gigantismus zelebriert.“ Bei der Vergabe von Olympia stehe „einfach nicht der Sport im Fokus. Es geht vor allem um politische und wirtschaftliche Interessen“, wie Rydzek erklärte. Hoffnung machen dem Kombinierer jedoch die Olympia-Vergaben nach Paris für 2024 und Mailand/Cortina für 2026.

Wobei: Beweisen braucht der kleine Sachse, seit Sonntag 33 Jahre alt und längst Vater dreier Kinder, rein gar nichts mehr. „Ich habe den Vorteil, dass ich nicht mehr sehr viel gewinnen muss“, sagt Frenzel mit Blick auf drei Olympiasiege, sieben Weltmeistertitel, 23 Medaillen bei Großereignissen, fünf Triumphe im Gesamtweltcup und 39 Weltcupsiege.

„Ich kann mir das raussuchen, worauf ich Lust habe“, weiß Frenzel – und meint damit vor allem seine vierten Olympischen Spiele: „An der Motivation scheitert es nicht, weil die Herausforderung noch da ist. Ich merke, dass ich leistungsmäßig noch gut dabei bin.“

Der Trend spricht gegen Olympiasieger Frenzel

Doch reicht das, um mit den jungen Überfliegern mitzuhalten, die seit der deutschen Olympia-Gala 2018 in Pyeongchang (drei Siege in drei Rennen, fünf von sieben möglichen Medaillen) die Szene beherrschen? Norwegens Topstar Jarl Magnus Riiber (24, 35 Weltcupsiege in den vergangenen drei Saisons) oder Österreichs Weltmeister Johannes Lamparter (20)?

Der Trend spricht zumindest gegen Frenzel: Seit März 2018 wartet er auf einen Weltcuperfolg – die längste Durststrecke seiner Karriere. Doch ist dies keine Alterserscheinung, denn läuferisch gehört der Routinier noch zu den Allerbesten. Weiterhin ist das Springen seine Schwachstelle.

„Da muss Eric sehr hart arbeiten, dass er entscheidend vorwärtskommt“, sagt Hermann Weinbuch. Unter dem Bundestrainer, der seit 1996 im Amt ist, hat Frenzel sämtliche Erfolge gefeiert. Und so wie es aussieht, wird Weinbuch, dessen Abschied schon für 2014 geplant war, seinen Musterschüler noch sportlich überleben.

Hermann Weinbuch verlängert Jahr um Jahr als Bundestrainer

„Ich kann nur sagen, dass mein Vertrag ausläuft, und ich werde mich im Frühjahr mit dem Skiverband zusammensetzen“, meint Weinbuch. Wie jedes Jahr. Und das endete bislang immer in der Vertragsverlängerung. Warum auch aufhören? Das bewährte Team mit Vinzenz Geiger, einziger deutscher Weltcupsieger der vergangenen beiden Jahre, sowie den Routiniers Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Frenzel wird wohl auch bis 2023 zusammenbleiben.

Allerdings denkt zumindest „König Eric“ mittlerweile konkreter über das Karriereende nach. „Natürlich kann es sein, dass ich nach der Saison sage: Ich habe alles erreicht. Oder ich habe gar nicht das erreicht, was ich wollte – eigentlich ist es Grund genug, jetzt aufzuhören“, meint Frenzel. Aber: „Wenn es zwischendrin ist, dann glaube ich, wird es noch ein bisschen dauern.“