Äußerlich ist ihm nichts anzumerken. Mit einem Lächeln verlässt Salomon Kalou, 34, den Trainingsplatz, nimmt sich Zeit für die Fans, schreibt Autogramme und posiert für Fotos. Keine Frage, der Ivorer steht bei den Hertha-Anhängern noch immer hoch im Kurs. Dass er unter Trainer Ante Covic derzeit nicht zum Zug kommt, ändert daran nichts.

Kalou, Champions-League-Sieger von 2012 mit dem FC Chelsea, hat viel erlebt in seiner Karriere, doch so selten gespielt wie zurzeit hat er noch nie. „Sogar in meiner Anfangszeit bei Chelsea habe ich jedes zweite Spiel gemacht. Das ist wirklich neu für mich“, sagt er und kündigt deshalb ein Gespräch mit Manager Michael Preetz an. „Natürlich werden wir uns unterhalten und diskutieren, was wir machen“, erklärt Kalou, der sich als verdienter Spieler eine andere Behandlung wünscht. Er sei nun mal nicht erst seit sechs Tagen hier, sondern seit fünf Jahren. „Das ist eine lange Zeit.“

Nur ein Startelfeinsatz

Es war vor allem eine Zeit, in der er nach anfänglichen Differenzen mit den ehemaligen Trainern Jos Luhukay und Nachfolger Pal Dardai fast immer gesetzt war. Ob Covic ihm erklärt habe, warum er nicht spielt, verrät Kalou nicht. Er sagt nur so viel: „Wenn ich die Chance bekomme zu spielen, dann muss ich meine Qualität zeigen. Vielleicht stehe ich dann wieder in der Startelf.“

Das war ihm bisher an acht Spieltagen nur gegen den VfL Wolfsburg (0:3) vergönnt. In Mainz (1:2) wurde er eingewechselt, die restlichen sechsmal saß Kalou 90 Minuten auf der Bank. Sein Problem: Covic hat den schwachen Saisonstart mit zuletzt zehn Punkten aus vier Spielen wettgemacht. Auch, weil er dafür seine Startelf veränderte. Im Mittelfeld stabilisierte er das Team durch die Routiniers Per Skjelbred, 32, und Vladimir Darida, 29. Auf den Außenbahnen, auf denen Kalou zu Hause ist, gab Covic der jüngeren Generation den Vorzug, ließ Javairo Dilrosun, 21, Rekord-Einkauf Dodi Lukebakio, 22, und BVB-Leihgabe Marius Wolf, 24, ran. Covics nächste größere Aufgabe in seinem ersten Jahr als Bundesligatrainer liegt nun offensichtlich darin, den neuen Konkurrenzkampf um die Stammplätze und die veränderten Vorzeichen, dass wichtige Spieler aus der Vorsaison wie Ondrej Duda oder eben Kalou derzeit das Nachsehen haben, erfolgreich zu moderieren.

Für Kalou ist die Situation unbefriedigend. Fußball sei am Ende des Tages sein Job. „Aber auch etwas, das mich glücklich macht.“ Er müsse Spaß haben. „Und den habe ich nur“, sagt Kalou, „wenn ich spiele“. An seinem Selbstbewusstsein hat die neue Rolle als Bankdrücker noch nicht genagt. „Ich weiß, was ich immer noch drauf habe.“ Deshalb macht er auch keinen Hehl daraus, dass er sogar einen Wechsel im Winter in Erwägung zieht. „Das ist eine Option. Das Wichtigste ist, dass ich bis Dezember gesund und fit bleibe. Dann werden wir sehen, ob sich andere Türen öffnen. Ich habe immer Möglichkeiten woanders zu spielen.“

Lockruf des Kumpels

Das klang in den vergangenen fünf Jahren anders. Als Stammspieler ließ sich Kalou vor ein paar Jahren nicht einmal von seinem besten Freund Gervinho locken, der kurzfristig dem Ruf des Geldes nach China folgte und Kalou einen Wechsel ins Reich der Mitte schmackhaft machen wollte. Während Gervinho wieder in Europa beim FC Parma spielt, verlängerte Kalou im Frühjahr 2017 seinen Vertrag bei den Berlinern. Dieser läuft im kommenden Sommer aus. Kalou wird dann fast 35 Jahre alt sein. Viel Zeit, um auf der Bank zu sitzen, hat er nicht mehr.