Erst Ersatz, dann für zehn Jahre: Katar steigt jetzt auch in die Formel 1 ein

Ex-Weltmeister Sebastian Vettel und Co. werden noch in diesem Jahr erstmals in Katar fahren. Ab 2023 werden dort regelmäßig Rennen stattfinden.

Ein Jahr früher als geplant werden Mercedes-Pilot Lewis Hamilton und der Rest des Fahrerfeldes in Katar ein Formel-1-Rennen bestreiten.
Ein Jahr früher als geplant werden Mercedes-Pilot Lewis Hamilton und der Rest des Fahrerfeldes in Katar ein Formel-1-Rennen bestreiten.Imago

Berlin-Traditionsstrecken wie der Hockenheimring und der Nürburgring können sich das kostspielige Spektakel schon lange nicht mehr leisten, aber dafür drängt mit Katar nun das nächste Wüsten-Rennen in die Formel 1 – noch in diesem Jahr werden Ex-Weltmeister Sebastian Vettel, Mick Schumacher und Co. in dem umstrittenen Emirat ihre Runden drehen, Lewis Hamilton und Max Verstappen um wichtige Punkte für den Gewinn der Weltmeisterschaft fahren.

Das Rennen auf dem Losail International Circuit findet am 21. November statt und ersetzt den wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagten Großen Preis von Australien, wie die Königsklasse am Donnerstag bekannt gab. Für die Teams und Verantwortlichen ergibt sich daraus eine logistische Herausforderung. Am Sonntag werden sie den Großen Preis von Brasilien in São Paulo bestreiten, eine Woche davor das Rennen in Mexiko-Stadt und danach eben in Katar. Der Grand Prix soll als Nachtrennen unter Flutlicht ausgetragen werden. Zudem schloss die Formel 1 einen Zehnjahresvertrag mit Katar ab – ein Jahr nach der Fußball-WM 2022 macht der PS-Zirkus dann regelmäßig in dem Emirat Halt.

Durch den Deal ab 2023 wird Katar zum bereits vierten dauerhaften Formel-1-Austragungsort in der Golf-Region nach Abu Dhabi, Bahrain und Saudi-Arabien. Damit setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre fort: Traditionsrennstrecken können sich die teils horrenden Antrittsgelder von bis zu 50 Millionen Euro für die Formel 1 kaum noch leisten. Bei Katar und Co. spielt Geld hingegen keine Rolle – viel Kritik hagelt es dafür regelmäßig wegen der prekären Menschenrechtslage.

Alles offenbar eher zweitrangig für die Motorsport-Manager. Die Unterstützung der Organisatoren in Katar sei jedenfalls „unglaublich“ gewesen, sagte Formel-1-Chef Stefano Domenicali. Jean Todt, Präsident des Weltverbandes FIA, ist „stolz auf diese gemeinsame Leistung“, das Rennen so kurzfristig in den Kalender gehoben zu haben. So kommt die Königsklasse in dieser Saison auch offiziell auf 22 Rennen – das ist Rekord. „Das ist schon sehr beeindruckend in einem so schwierigen Jahr“, sagte Domenicali: „Darauf können wir stolz sein. Denn wir haben gezeigt: Wir sind anpassungsfähig. Und es gibt viel Interesse an der Formel 1 und einige Austragungsorte, die gerne einen Grand Prix hätten.“

Katar bildet nun den Auftakt zu einem Wüsten-Triple im Saisonfinale. Zwei Wochen später wird in Saudi-Arabien (5. Dezember) gefahren, ehe das Finale in Abu Dhabi (12. Dezember) steigt. Ob in Katar nach der Pause in 2022 wegen der Fußball-WM das Rennen weiterhin in Losail nördlich von Doha ausgetragen wird, ist noch offen. Längst gibt es Pläne für ein Straßenrennen in der Hauptstadt. So oder so: Für die Formel 1 ist der Katar-Deal mit Sicherheit ein gutes Geschäft – jedenfalls finanziell.