Berlin - Marco Baldi hat es gehört. Erst waren es nur ein paar Fans, aber auch sie drangen schon mit ihren Stimmen in der Arena am Ostbahnhof durch. Mit der Zeit wurden es mehr, und sie wurden immer lauter. „Alba in vier“, zitierte Albas Geschäftsführer den Gesang, weil sich daran die Verbundenheit des Anhangs zu den Berliner Basketballern erkennen ließ und deutlich wurde, was da eigentlich am Donnerstagabend geschehen war.

Alba in vier: Mindestens vier Spiele werden sie in der ersten Runde der Playoffs gegen den FC Bayern haben. Nach dem 83:76-Sieg und dem Zwischenstand in der Serie von 1:1 ist das  amtlich. An diesem Sonnabend treten die Berliner  in München an, am Dienstag die Münchner in Berlin, beide Male geht es um 20.30 Uhr los. „Dabei haben alle prognostiziert, die Bayern marschieren durch. Alba soll schon mal die nächste Saison vorbereiten“, sagte Baldi.

Einer für die Überzahl

Eine „unglaubliche Energie“ hat Baldi auf den Rängen ausgemacht. „Das Team hat das aufgenommen und hat Herz gezeigt.“ Es hat den Bayern zugesetzt, vor allem in der zweiten Hälfte, hat sie zu Fehlern gezwungen, zu 13 Ballverlusten in dieser Phase, hat ihnen den Rhythmus im Angriff genommen. Es hat gekämpft bis zum letzten Körnchen Energie. Niels Giffey und Tony Gaffney spielten mehr als 30 Minuten lang, Elmedin Kikanovic gute 27 Minuten, selbst Peyton Siva in seinem zweiten Spiel erst nach dreimonatiger Verletzungspause schonte sich nicht: 15:31 Minuten war er im Einsatz.

Siva erzielte 13 Punkte, angelte sich zwei Rebounds, gab zwei Assists und zeigte eine deutliche Steigerung gegenüber seinem Comeback am Wochenende zuvor. Der Point Guard erwies sich als Unruheherd, verschaffte den Teamkollegen Freiheiten. „Er kann Überzahl generieren“, sagte Baldi. „Das können auch andere, aber keiner so wie er.“ Allerdings verfügt Siva nach der langen Zwangspause noch nicht über jene Fitness, die ein vierzigminütiges Basketballspiel erfordert.
Wie Siva hatte sich die gesamte Mannschaft mit Einsatz gegen die Qualität der Bayern gestemmt und eigene Fehler ausgebügelt. „Energie wird gegen die lange Bank der Bayern entscheidend sein“, sagte Albas Trainer Thomas Päch angesichts des Potenzials, das im Bayern-Kader steckt. „Wir müssen jetzt alles tun, um wieder fit zu werden.“

Statt wie sonst vor Auswärtsspielen üblich morgens anzureisen, um am Abend vor der Begegnung in fremder Halle trainieren zu können, starteten die Berliner am gestrigen Freitagabend um 20 Uhr. Seine Basketballer würden nicht allzu gut aussehen, stellte Baldi in der Nacht zum Freitag fest: „Alles grün und blau.“ Dafür hatte sich die ramponierte Psyche erholt. „Jetzt wissen wir, dass wir sie schlagen können“, sagte Power Forward Tony Gaffney, der spektakuläre Szenen zu diesem Abend beigesteuert hatte, unter anderem vier Blocks, mit denen er Münchner Angriffe abräumte.

Bayern-Trainer Sasa Djordjevic sah  nicht so aus, als wolle er es seiner Mannschaft erlauben, bis zum dritten Spiel einen Gang zurückzuschalten. „Wir müssen jetzt in uns gehen, ganz tief“, sagte der Serbe sichtlich angefressen. „Wir müssen uns fragen, wer bereit war für den Wettbewerb und wer an sonst etwas gedacht hat, jedenfalls etwas anderes als daran, dieses Spiel zu gewinnen.“ Djordjevic bedauerte: „Wir mussten lernen, wie man hier Playoffs spielt.“

Und was bedeutet das für die Serie? Folgt auf Alba in vier nun sogar Alba in fünf? Djordjevic sagte: „Wir müssen zurückschlagen.“ Es klang weniger wie eine Feststellung. Eher wie eine Drohung.