Berlin - Rainer Koch verschwand durch einen Nebenausgang. Nach seiner einer Abstrafung gleichenden Abwahl aus dem Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes rang sich der 63-Jährige zu einem Handschlag mit seiner Herausforderin durch – und war verschwunden. Über den umstrittenen Spitzenfunktionär wurde im Anschluss an diesen bemerkenswerten DFB-Bundestag am Freitag in Bonn umso mehr gesprochen. Koch sitzt weiter im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Kann das gut gehen?

„Ich möchte zuerst persönlich mit Rainer Koch sprechen“, sagte der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf, angesprochen auf dieses Spannungsfeld. Und: „Wir werden das Spiel genau analysieren und Schlussfolgerungen daraus ziehen.“

Dann kam das neue Präsidium zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Ohne Koch, der diesem bis Freitag noch als Interimspräsident vorgestanden hatte. Das alte Profil des Dauerfunktionärs war auf der Internetseite des DFB verschwunden.

Fünf Frauen im neuen DFB-Präsidium

„Das ist ein Beleg dafür, dass die Demokratie im Verband funktioniert“, sagte Neuendorf über die Abstimmungen beim Bundestag. Er hatte sich in geheimer Wahl gegen Peter Peters durchgesetzt, Koch verlor gegen Silke Sinning. Und schon während seiner irritierenden Rede kurz vor der Wahl wurde deutlich, dass Koch nicht damit gerechnet hatte, dass Sinning tatsächlich antritt. Im neuen DFB-Präsidium sitzen mit ihr, Donata Hopfen, Célia Šašić, Sabine Mammitsch und Heike Ullrich fünf Frauen. „Das ist ein starkes Zeichen“, sagte Sinning.

Zwar hatte Koch nicht mehr für den Posten des 1. Vizepräsidenten kandidiert. Er hatte aber nie einen Zweifel daran gelassen, als einfacher Vize weiter dem Präsidium angehören zu wollen. Das ist auch bedeutend für seinen Uefa-Posten. Die Regularien der Uefa sehen vor, dass Mitglieder ihres Top-Gremiums in deren Nationalverband Präsident oder Vizepräsident sein müssen. „Wird diese Voraussetzung während der Amtsdauer von einem Mitglied nicht mehr erfüllt, so kann es die Position des Exekutivkomiteemitglieds für den Rest der Amtsdauer weiter bekleiden, es sei denn, sein Verband bittet die Uefa, ihn des Amtes zu entheben“, so die Statuten. Gewählt ist Koch bis 2025, der mit über 150.000 Euro vergütete Sitz ist nicht automatisch für einen deutschen Kandidaten reserviert.

„Wir werden das Thema im Präsidium besprechen müssen“, sagte Neuendorf. Einer seiner Vorgänger, Reinhard Grindel, wurde deutlicher. „Ich gratuliere Bernd Neuendorf von ganzem Herzen. Nach dem Verlauf des Bundestages sollte er jetzt auch den DFB im Uefa-Exko vertreten.“ 2024 richtet Deutschland die EM aus. Stand heute würde der DFB dann in der Uefa durch einen Funktionär vertreten, der von den Delegierten des Bundestages nicht mehr gewollt wurde.