Zumindest einer hatte im Verlauf des Sonnabends bis in die späten Abendstunden in Köpenick ausgesprochen gute Laune. Steffen Baumgart, der ehemalige Union-Profi mit Kultstatus und aktuelle Trainer des SC Paderborn, ließ den Abend ganz gemütlich beim Italiener einen Steinwurf entfernt von seinem Domizil in der Altstadt Köpenick ausklingen. Im Isola da Capri gab es bei Antonio ein Abendessen mit der ganzen Familie. Seine Eltern waren zu einem Spiel ihres Sprösslings als Trainer nach Berlin gekommen, seine Ehefrau Katja – Leiterin der Unionfanshops – lebt nach wie vor mit den Kindern dort.

Aber nicht nur die Pizza Scampi hatte Baumgart vorzüglich gemundet. Auch das Resultat, errungen zuvor in den Stunden in der Alten Försterei, war ganz nach seinem Geschmack. Mit 3:1 gewannen die Ostwestfalen da, wo sich in 20 Versuchen seit dem 26. Januar 2018 alle vergeblich an einem Auswärtserfolg versucht hatten.

Erst am Sonntag fuhr der 47-Jährige zurück in seine Wahlheimat, um seine Truppe da auf den bevorstehenden Pokalfight gegen den Hamburger SV am Dienstag (18.30 Uhr) einzustellen. Ein Spiel übrigens, von dem man in Köpenick nicht recht weiß, wie es am besten ausgehen sollte. Eine demoralisierende Niederlage für den HSV hätte genau so etwas wie eine mögliche Zusatzbelastung beim Erreichen des Halbfinales. Denn im Aufstiegsrennen könnten am Ende Kleinigkeiten über den Ausgang entscheiden.

Wenn ein Fußballlehrer gute Laune hat, liegt es in der Natur der Sache, dass sein Gegenüber eine andere Gefühlslage hat. Unions Trainer Urs Fischer ärgerte sich über eine durchaus vermeidbare Niederlage. „Wir haben es dem Gegner zu einfach gemacht. Uns sind zu viele individuelle Fehler unterlaufen, die zu Toren oder gefährlichen Aktionen führten. Mich ärgert nicht, dass eine Serie zu Ende gegangen ist, sondern die Art und Weise. Man muss nicht groß nach Ausreden suchen. Wir müssen den Mund abwischen und versuchen, es das nächste Mal besser zu machen“, analysierte der 53-Jährige die zweite Pleite hintereinander.

Groß darüber lamentieren wollte Fischer jedoch nicht. Zumal der Blick auf die Tabelle zeigt, dass Union sich zwar wieder ein Chance hat entgehen lassen, den Abstand nach oben zu verkürzen, aber sich mit Rang drei weiter in einer guten Ausgangsposition befindet. Jeder in Köpenick hätte das wohl mit Kusshand unterschrieben, wenn es ihm vor dem ersten Spieltag so versprochen worden wäre.

Und noch einer ärgerte sich, obwohl er bei der Rückkehr nach knapp zweimonatigem Verletzungsausfall mit einem Comeback-Tor allen Grund zur Freude gehabt hätte – Sebastian Polter! Denn dessen sechster Saisontreffer (90.+4) war eben nur Ergebniskosmetik, weil zuvor Christopher Antwi-Adjej (41.), Sven Michel (88.) und Philipp Klement (90.+1) alles klar gemacht hatten für den SCP. „Ich hätte lieber nicht getroffen, dafür aber gewonnen“, so Polter. Dennoch könnte der Mittelstürmer so etwas wie das große Plus für die restlichen sieben Spiele im Endspurt werden. Auch wenn der 28-Jährige vor überzogenen Erwartungen warnt: „Nur weil ich wieder da bin, läuft es nicht von allein.“