Timo Hübers von Hannover 96. 
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HannoverAn das vergangene Wochenende wird sich Timo Hübers ein Leben lang erinnern. Er hat sein erstes Tor als Fußballprofi erzielt, das auch. Am Freitag war das. das 1:0 für Hannover 96 in der Zweiten Liga in Nürnberg. Doch Erfolg ist vergänglich, weshalb der Schlüsselmoment für den 23 Jahre alten Hildesheimer auf den Sonnabend fällt. An dem Tag hat er sich mit Corona infiziert.

Das nimmt Hübers jedenfalls an, und damit beginnen die Probleme. Sie reichen über seinen Fall und den Fußball hinaus, betreffen die EM im Sommer, den Sport insgesamt mit Olympia in Tokio als Höhepunkt.

Vermutlich Ansteckung bei privatem Kontakt

Hübers ist der erste Profispieler hierzulande, der auf Corona positiv getestet wurde. Wann er sich angesteckt hat, lässt sich nur vermuten. Hübers war auf einer Veranstaltung in Hildesheim, traf dort jemanden, der später ebenfalls mit dem Virus auffiel. Als Hübers davon erfuhr, ließ er sich untersuchen, mied den Kontakt zu Kollegen, ging in Quarantäne.

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Natürlich kann er sich anderswo angesteckt haben. Es waren jedenfalls keine Symptome, die ihn zum Arztbesuch bewogen. Ohne den Hinweis auf den anderen Infizierten wäre Hübers vermutlich am Sonntag im Duell mit Dynamo Dresden aufgelaufen. In einem Geisterspiel – ein Wort, das in die Irre führt. Es stehen 22 Menschen auf dem Platz und etliche an dessen Rand: Reservespieler, Trainer, Betreuer, Kameraleute. Hübers hätte andere angesteckt, die ihrerseits ansteckend gewesen wären.

Es ist viel darüber debattiert worden, ob Fußballspiele ausgetragen werden sollten, vor Zuschauern, vor leeren Rängen oder aber gar nicht. Befürworter eines Weiter-so argumentierten, die Infektionsgefahr in einem Berliner U-Bahn-Waggon sei größer als in der Ostkurve des Olympiastadions. Befürworter einer Spielpause kamen meist aus anderen Sportarten als dem Fußball, wirtschaftlich schwächeren. Sie kamen mit einer Kosten-Nutzen-Rechnung.

Verantswortungvolles Handeln schafft Präzedenzfall

Hübers handelte als verantwortungsvoller Mitmensch. Der Defensivspieler ist ein Glücksfall, er bleibt ein Präzedenzfall. Ginge das Team von Hannover 96 zwei Wochen in Quarantäne, müssten das die Nürnberger ebenfalls tun und die Kieler und Bielefelder und irgendwann alle Profiteams. Helge Leonhardt geht daher als Präsident des Zweitligisten Aue davon aus, dass die Saison vorzeitig endet.

Nicht jeder hat den Zufall auf seiner Seite wie Timo Hübers, nicht jeder die Immunabwehr eines Berufssportlers, der sich wohl ewig an diesen einen Tag erinnern wird, erinnern kann. Schaudernd zwar, aber froh, es heil überstanden zu haben.