Filialleiter Guillaume Kochert wartet auf Drive-in-Kunden.
Foto: Sabine Gudath

BerlinNot macht erfinderisch: Der Sportartikelhändler Decathlon bietet Kunden in der Corona-Krise einen neuen Drive-in-Service an. Die Filialen am Alexanderplatz und in Schöneweide, die aufgrund der Pandemie-Vorschriften zunächst schließen mussten, können ihr Geschäft so aufrechterhalten.

Kunden werden seit Dienstag nach dem Vorbild von Schnellrestaurants am Auto bedient. Sie müssen nicht aussteigen und kommen nicht in  näheren Kontakt zu den Mitarbeitern. Die Ware sollte allerdings eine Stunde vor Abholung im Internet vorbestellt werden.

Vier Mitarbeiter kümmern sich

Für den Drive-in-Service stehen in der Filiale am Alexanderplatz vier Mitarbeiter bereit. „Zwei suchen die bestellten Sportartikel zusammen, zwei laden die Pakete in den Kofferraum des Kunden“, sagt Niederlassungsleiter Guillaume Kochert. Die neue Drive-in-Station sei mit dem Auto über das angeschlossene Parkhaus in der Rathausstraße zu erreichen.

Kunden müssten nur den Hinweisschildern und dem blauen Flatterband folgen und bis zur Haltelinie vorfahren. „Nach einer kurzen Personalausweiskontrolle erledigen wir alles unkompliziert“, so Kochert.

Sport in Parks bleibt erlaubt

Mit dem Drive-in-Service ergänzt das Unternehmen Decathlon seine Angebote für Kunden in der Corona-Krise. „Die Pandemie-Vorschriften in Berlin erlauben es den Bürgern weiterhin, Sport in der Öffentlichkeit zu machen“, sagt Filialleiter Kochert.

Aus diesem Grund betreibe man bereits seit drei Wochen einen Lieferservice, der bestellte Sportartikel zu Berliner Kunden nach Hause bringe. Das Drive-in-Angebot habe jedoch den Vorteil, dass die Transportpauschale entfalle. „Selbstabholer zahlen keine Gebühren“, so Kochert.

120 Bestellungen bis zum Mittag

Zum Start des neuen Angebots am Dienstag nutzten bereits zahlreiche Kunden die Möglichkeit, ihre Online-Bestellung mit der Versandoption „Drive-in“ abzuschließen. In der Filiale am Alexanderplatz seien bis zum Mittag 120 Bestellungen eingegangen, so Kochert. Die Erfahrungen in der Krise hätten gezeigt, dass viele Kunden, die nun nicht mehr in die Filialen kommen dürfen, zum  Online-Shopping übergehen.

Gleichwohl sei die Krise eine große Herausforderung, heißt es in der Deutschland-Zentrale von Decathlon in Plochingen bei Stuttgart. „In der aktuellen Situation ist für viele Unternehmen nichts mehr, wie es einmal war“, so Sprecherin Celinn Fischer. Es sei an der Zeit, umzudenken und neue, kreative Wege zu gehen.

Fitness-Tipps im Internet

Um den Kontakt zu den Kunden aufrechtzuerhalten, habe man zum Beispiel einen Decathlon-Blog im Internet eingerichtet. Auf der Website gebe das Unternehmen regelmäßig Tipps, wie sich Kunden in den eigenen vier Wänden oder im Garten fit halten können.

In der Corona-Krise gebe es, so Sprecherin Fischer, eine gestiegene Nachfrage nach Fitnessgeräten für den Hausgebrauch. Dazu zählen Produkte wie Fitnessreifen und Pilatesmatten, aber auch Trampoline und Tischtennisplatten.

Videochat mit dem Möbelhaus

Der Sportartikelhändler Decathlon ist nicht das einzige Unternehmen, das den Berlinern in der Krise neue Einkaufsmöglichkeiten anbietet. Der Möbelkonzern Ikea beispielsweise wirbt mit einer Einrichtungsplanung per Videochat. Im Internet bestellte Möbel würden wahlweise nach Hause geliefert oder zur Abholung in einer der Niederlassungen bereitgestellt.

Eine reguläre Öffnung für den Publikumsverkehr ist Möbelhäusern aufgrund der Pandemie-Vorschriften nicht gestattet.

Probelauf für die Zukunft

Die Frage, ob Neuerungen wie Videochat-Beratung und Drive-in die Krise überdauern werden, beschäftigt Decathlon-Filialleiter Guillaume Kochert schon jetzt. „Denkbar wäre, dass wir unseren Drive-in-Service nach der Wiedereröffnung zunächst noch ein oder zwei Wochen weiterbetreiben“, sagt er. Wenn der Kundenzuspruch groß genug sei, könne er sich den Drive-in durchaus als dauerhafte Einrichtung vorstellen.

„Ich bin mir jedenfalls sicher, dass sich unsere Kunden daran erinnern werden, dass wir in der Corona-Krise für sie da waren“, so Kochert.

Großer Kunden-Ansturm

Zu spüren war die Dankbarkeit der Kunden bereits am Dienstag bei der offiziellen Drive-in-Eröffnung. Als um 15 Uhr die ersten Autos vorfuhren, hatten die Decathlon-Mitarbeiter alle Hände voll zu tun.

Zu den ersten Artikeln, die am Drive-in den Besitzer wechselten, gehörte ein Kinderfahrrad. Gekauft wurde es von einem jungen Mann aus Reinickendorf, der seinem Sohn in der Corona-Krise eine Freude machen wollte. Auch Fußgänger und Radfahrer reihten sich in die Warteschlange ein. Der Kundenzuspruch war groß.

Drive-in auch in Köln 

Bereits entschieden hat das Unternehmen Decathlon, den neuen Drive-in-Service nicht nur in Berlin zu testen. Auch im Großraum Köln, in Ludwigshafen sowie in einzelnen Niederlassungen in Hamburg, Hannover, München, Dresden und anderen Städten finden Probeläufe statt.