Berlin - Nur auf den ersten Blick war es ein ziemlich gewöhnlicher Montagabend in der NFL. Die Tampa Bay Buccaneers unterlagen den Los Angeles Rams, Star-Quarterback Tom Brady machte zwar keine allzu gute Figur, nichts allerdings, was sportlich in Erinnerung bleiben wird. Und doch geht dieses Monday Night Game in die Geschichte der US-Football-Liga ein: Erstmals überhaupt brachte die NFL eine komplett mit schwarzen Schiedsrichtern besetzte Crew zum Einsatz.

Und das ist bemerkenswert. Denn geht es um Gleichberechtigung und den Kampf gegen strukturellen Rassismus, hat die größte Sportliga der Amerikaner einen ziemlich holprigen Weg hinter sich.

„Ein spezieller Moment“

„Stolz“ sei er auf seine Teilnahme „an diesem historischen Spiel“, sagte Referee Jerome Boger, der das Duell mit seinen sechs Assistenten leitete. Der 65-Jährige ist ein erfahrener Mann, kam 2006 als erst dritter schwarzer Hauptschiedsrichter in die NFL. Nur Johnny Grier (1989) und Mike Carey (1995) erhielten vor ihm diese Chance.

Auch Carey spricht nun von einem „speziellen Moment“, möchte zugleich aber eines klarstellen: „Das hätte schon viel früher passieren müssen. Denkt man an die Durchschnittswerte, hätte es schon einige schwarze Crews geben müssen.“

Erst am 23. November 2020 war es nun so weit, und das ist wohl kein Zufall. Denn die Liga räumt gerade mit ein paar gar nicht mal so alten Fehlern auf.

2016 hatte Colin Kaepernick, Ex-Quarterback der San Francisco 49ers, die „Take a knee“-Bewegung angestoßen: Ein stiller Protest auf dem Knie, während der Nationalhymne setzte er damit ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Unzählige Spielerkollegen folgten seinem Beispiel – die Liga und die Teams allerdings ließen Kaepernick fallen.

Die Einsicht der Liga kam spät. Im Zuge der „Black Lives Matter"-Bewegung nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd schwenkte in diesem Sommer auch die NFL um, das galt für die Klubbesitzer und insbesondere auch für Commissioner Roger Goodell.

„Wir verurteilen Rassismus und die systematische Unterdrückung Schwarzer“, teilte er mit, „und es war falsch, dass wir nicht schon früher auf die Spieler gehört haben, dass wir nicht früher zu friedlichem Protest ermutigt haben.“