Berlin - Die ersten Zeichen waren bereits am Sonntag zu sehen. Absperrgitter etwa, die vor der Arena am Ostbahnhof abgestellt waren. Oder die Haupttribüne im Bauch der Heimspielstätte von Alba Berlin, die auch mal wieder nicht nur eingefahren unter dem Oberrang der Halle versteckt wurde. Es war schon ein ungewohntes Bild, die Tribüne in dieser Position zu sehen, aber eben auch der eindeutige Hinweis darauf, dass etwas passieren wird. 1000 Zuschauer werden es sein, die am Dienstagabend mit Spielbeginn um 20.30 Uhr im zweiten Playoff-Spiel gegen Ulm auf diesen Plätzen mit ordentlich Abstand sitzen werden. Zuletzt hatte es das am 13. Oktober des vergangenen Jahres gegeben. Damals bekamen 700 Fans eine 72:93-Niederlage gegen Anadolu Efes Istanbul zu sehen.

Schon in Hamburg waren zuletzt wieder 200 Zuschauer erlaubt

Viel ist seitdem passiert: Alba Berlin hat zwölf Spiele in der Euroleague gewonnen, die Bundesliga-Hauptrunde als Zweiter abgeschlossen und das Finale um den BBL-Pokal verloren, die Türken haben sich am Sonntag in Köln zum neuen Euroleague-Champion gekrönt. Zuschauer waren dabei jeweils nicht zu sehen. Einen Vorgeschmack darauf, wie es sich wieder anfühlt vor Fans zu spielen, gab es für die Berliner immerhin vor gut einer Woche im dritten Spiel der Playoff-Serie gegen Hamburg. In der Hansestadt waren in einem Modellversuch 200 Zuschauer erlaubt und mit reichlich Abstand über die Tribünen verteilt worden. Auch wenn sie nur für eine kleine Stärkung aus den Lunchpaketen die Masken abnehmen, während des Spiels lediglich klatschen, aber nicht durch die Halle rufen durften, fand Maodo Lo es „cool, dass wieder Zuschauer in der Halle sind“, wie er vor dem Fernsehmikrofon von Magentasport sagte, „auch wenn das ein Auswärtsspiel für uns ist, merkt man direkt eine andere Energie“.

Nach einem weiteren Spiel vor leeren Rängen und einer vermeidbaren Niederlage gegen Ulm kommt der Aufbauspieler von Alba Berlin mit seinen Teamkollegen am Dienstagabend nun also mal wieder in den Genuss der besonderen Unterstützung. „Es wird toll, sie zu sehen“, sagte Point Guard Peyton Siva am Sonntag nach dem 71:73 im ersten Vergleich mit den Ulmern, „ich bin froh, dass sie wieder zurück in der Arena sein werden.“ Und die Fans sind offensichtlich froh, dass sie in dieser Saison doch noch mal ein Spiel ihrer Mannschaft live sehen können. Ab Sonntagmittag hatten Dauerkarteninhaber ein Vorkaufsrecht auf die Tickets. Die wenigen, die übriggeblieben waren und am Montagmittag in den freien Verkauf gingen, waren gegen 15 Uhr auf der Online-Ticketbörse des deutschen Meisters fast vollständig vergriffen.

Dass in dieser Saison überhaupt vor Zuschauern gespielt werden kann, klang noch vor wenigen Wochen illusorisch. Spätestens nach den Corona-Fällen beim ersten Versuch des Top-Fours um den Pokal und den noch einmal verstärkten Hygienemaßnahmen in der Bundesliga hatten sich wohl viele damit abgefunden, dass erst in der neuen Saison wieder vor Fans gespielt werden kann. Die positive Entwicklung der Inzidenzzahlen in Deutschland im Allgemeinen und in Berlin im Speziellen aber haben die Alba-Verantwortlichen darin bestärkt, einen Antrag auf Genehmigung von Zuschauern bei der Senatsverwaltung zu stellen. Dass dieser Antrag in kürzester Zeit genehmigt wurde, freut Justus Strauven. „Das Pilotprojekt ist ein wichtiger Baustein für die gesamte Sportmetropole und alle Veranstalter in Berlin, um in naher Zukunft zu einem regelmäßigen Zuschauerbetrieb zurückkommen zu können“, wird Albas Direktor Operations in einer Vereinsmitteilung zitiert.

Bei weiteren Heimspielen kann auf 2000 Zuschauer erweitert werden

Für das Spiel am Dienstag kommen die Zuschauer nur mit einem tagesaktuellen negativen Antigen-Schnelltest oder dem Nachweis einer vollständigen Impfung in die Halle. Beide Nachweise erfolgen über das Bärcode-System, welches bereits im März bei einem Pilotprojekt mit 1000 Zuschauern in der Philharmonie zum Einsatz kam. In den möglichen weiteren Heimspielen dieser Playoffs soll und kann die Auslastung sogar auf bis zu 2000 Zuschauer erweitert werden. So groß die Vorfreude auf noch mehr Zuschauer sein mag: Um bereits in der Serie gegen Ulm noch ein weiteres Heimspiel zu bestreiten, haben die Berliner das Duell am Sonntag natürlich nicht verloren. Sie wollen eine Rückkehr nach Berlin mit drei Siegen aus den eventuell kommenden drei Spielen vermeiden, und dann lieber im Finale noch einmal vor eigenen Fans spielen.