Sandhausen - Zu Beginn der zweiten Hälfte nutzten die Anhänger des 1. FC Union die sportliche Tristesse, um ihre Meinung in die Öffentlichkeit zu tragen. Sie entrollten ein fast strafraumlanges Spruchband, auf das sie Weiß auf Rot Folgendes geschrieben hatten: „Choreoverbot – das ist unsere Art Dampf abzulassen.“

Parallel dazu entzündeten sie, damit der Spruch auch Sinn macht, sogleich ein paar Rauchtöpfe, aus dem – und das versteht sich natürlich von selbst – roter Rauch aufstieg. Auf diese Art seinen Dampf abzulassen, ist nicht schön, und natürlich auch verboten, worauf der Stadionsprecher noch mal in aller Deutlichkeit hinwies. Und doch wird es wahrscheinlich in dieser Saison in diesen oder anderen Farben noch öfter zu derartigen Protesten kommen, weil in Zeiten der fortschreitenden Kommerzialisierung des Fußballs die Menschen in den Kurven aufgebrachter denn je sind.

Warum wir in diesem Bericht diesem Zwischenfall so viel Raum geben. Nun, weil das Spiel aus sportlicher Sicht doch eine arge Enttäuschung war. Auf der einen Seite die Gastgeber, die vor 5.000 Zuschauern und damit halbleeren Rängen von den ziemlich passiven Eisernen zum dominanten Spiel aufgefordert wurden, aber mit Ballbesitz eben nicht allzu viel anfangen können. Auf der anderen Seite die Elf von Trainer Urs Fischer, die im Gegensatz zum 4:1 gegen den FC St. Pauli nicht so recht in Schwung kommen wollte. Das folgerichtige Endergebnis dieser Zweitligapartie lautete: 0:0.

Keine der beiden Mannschaften hatte letztlich den Sieg verdient, keine ein Tor, obwohl sich für SV-Angreifer Kevin Behrens zwei sehr gute Chancen eröffneten, Grischa Prömel wiederum für Union sogar die beste Chance des Spiels vergab. Während Behrens einmal an Torhüter Rafal Gikiewicz (33.) scheiterte und ein anderes mal aus sieben Metern Entfernung freistehend ein Opfer seiner mangelnden Klasse wurde (53.), jagte Prömel zehn Minuten vor Schluss den Ball ins Nirgendwo des Stadions am Hardtwald.

Gogia und Hartel beleben das Spiel

Mitunter verlor sich die Partie gar in einem unansehnlichen Zweitligagewürge. Ja, gern auch mal im Groben. In der 24. Minute beispielsweise bremste Simon Hedlund mit einer gesundheitsgefährdenden Attacke den Lauf von Philipp Förster, sah dafür die Gelbe Karte, was schon fast nicht mehr angemessen war. Förster wiederum wurde in der 44. Minute seinem Namen gerecht, fällte mit einem taktischen Fourl Grischa Prömel, was ebenfalls eine Verwarnung nach sich zog.

Vielleicht war Fischer dann doch mit ein bisschen zu viel Vorsicht an das zweite Auswärtsspiel der Saison herangegangen, hatte seinen Spielern zu viele defensive Gedanken mit auf den Weg gegeben, als dass sie ihr eigenes Spiel entfalten konnten. So blieben Sebastian Andersson, der Stürmer, der bereits drei Treffer auf seinem Saisonkonto hat, und sein Offensivpartner Robert Zulj ohne Bindung zum Spiel. So kam auch über die Flügel nichts in Bewegung, weil Kenny Prince Redondo und Hedlund mehr nach hinten arbeiten denn nach vorne denken durften. Erst als Fischer mit Akaki Gogia für Hedlund (56.) und Marcel Hartel für Redondo (68.) ins Spiel brachte, wirkten die Unioner etwas lebendiger, etwas freier.

Vielleicht muss man sich erst daran gewöhnen, dass der Fußballlehrer aus der Schweiz offensichtlich nach der Maxime handelt, dass jeder Punkt ein gewonnener ist, während andere nach so einer Partie womöglich zu dem Schluss kommen, dass Union an diesem Septembertag in Sandhausen zwei Punkte verloren hat. (BLZ)