Es geht aufwärts beim 1. FC Union

Hamburg - Die Analyse von André Hofschneider zum Spiel des von ihm trainierten 1. FC Union Berlin beim FC St. Pauli gestaltete sich kurz und knapp. Er müsse schnell zum Zug, sagte Hofschneider und lachte. So viel gab es allerdings auch nicht zu erzählen über die torlose Partie am ausverkauften Millerntor. „In der ersten Halbzeit haben wir einen klaren Punktsieg eingefahren, in der zweiten Halbzeit war es ein offener Schlagabtausch“, berichtete Hofschneider. Das Publikum habe ein gutes Spiel gesehen, wenn man einmal vom Ergebnis absehe. Aber vom Ergebnis absehen, das ist natürlich nicht so einfach.

Auch die Berliner waren ja nicht vollends glücklich. Natürlich versuchten sie, das 0:0 beim Tabellenvierten als Schritt nach vorne zu interpretieren nach drei Auswärtsniederlagen hintereinander. Hofschneider belohnte seine Mannschaft sogar mit einem freien Wochenende. Dennoch verließ die Delegation aus der Hauptstadt den Ort der Veranstaltung mit gespaltenen Gefühlen. „So richtig zufrieden sind wir nicht, weil mehr drin war“, sagte Hofschneider. „Wir hätten drei Punkte verdient gehabt“, fand auch Verteidiger Michael Parensen. „Wir hatten sehr gute Möglichkeiten, aber der Ball wollte nicht ins Tor“, klagte Emanuel Pogatetz, sein Nebenmann in der Abwehr.

Tatsächlich waren die Unioner von Beginn an bemüht, mehr Präsenz zu zeigen als zuletzt in fremden Stadien. Die Mannschaft war gut im Spiel, hatte vor allem in der ersten Hälfte mehr Ballbesitz und ordentliche Chancen. In der 21. Minute köpfte Pogatetz nach einer Ecke von Dennis Daube knapp über das Tor. Nach einer halben Stunde verpasste Sören Brandy nach einer Hereingabe in der Mitte knapp. Brandy ersetzte den gelbgesperrten Benjamin Kessel als Kapitän und musste im Angriff auf seinen gewohnten Partner Bobby Wood verzichten. Der habe nach den Länderspielen mit den USA über muskuläre Probleme geklagt  und sich schlapp gefühlt, wie Trainer Hofschneider berichtete. Etwas überraschend kam Adrian Nikci auf der rechten Abwehrseite zu seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison und machte seine Sache gut.

In der 39. Minute wurden die Zuschauer Zeuge einer spektakulären Parade von St. Paulis Torwart Robin Himmelmann. Einen Kopfball von Damir Krailach wischte Himmelmann mit den Fingerspitzen aus dem Torwinkel. Die Vorlage hatte wieder Daube gegeben. Überhaupt hatte der Mittelfeldspieler, der bis zum Sommer beim FC St. Pauli angestellt war, oft die Füße im Spiel, wenn es gefährlich wurde für das Tor seines ehemaligen Arbeitgebers.

Unions Fans stimmten sich mit rotem Rauch auf die zweite Halbzeit ein, mit dem sie den Gästeblock vernebelten. „Die Leidtragenden seid ihr selbst. Ihr seht nichts vom Spiel“, versuchte der Stadionsprecher zu ermahnen, doch so richtig viel Sehenswertes hatte die Partie auch danach nicht zu bieten. Der FC St. Pauli spielte mutiger als noch in der ersten Halbzeit und drängte Union zurück, ohne das Tor von Jakub Busk allerdings ernsthaft in Gefahr zu bringen. Auch Union fehlte im Spiel nach vorne die letzte Entschlossenheit. Den Teams war anzumerken, dass sie in dieser Saison keine allzu großen Ambitionen mehr haben. Für St. Pauli ist der Aufstieg trotz der guten Platzierung außer Reichweite. Union dümpelt im Mittelfeld der Tabelle herum, kilometerweit entfernt von den Plätzen, die in die Erste oder die Dritte Liga führen. Nach dem Punktgewinn am Millerntor ist Hofschneiders Team Achter, St. Pauli liegt mindestens bis Sonnabend auf Rang vier.

Die beste Gelegenheit in der zweiten Hälfte hatte Marc Rzatkowki für die Gastgeber, dessen Schuss in der 67. Minute im Ballfangnetz hängen blieb. In der 77. Minute jubelte dann der Gästeblock, nun längst wieder bei bester Sicht. Der Kopfballtreffer von Krailach nach Daubes Vorlage zählte allerdings nicht. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hatte auf Abseits entschieden. Zu diesem Zeitpunkt stand für Union schon der von einer Krebserkrankung genesene Benjamin Köhler auf dem Platz, der bei seiner Einwechslung kurz zuvor mit Applaus auch vom Hamburger Publikum begrüßt worden war. Später kam auch noch Collin Quaner, doch die personellen Veränderungen brachten nichts mehr.

Aber immerhin: auswärts geht es aufwärts für Union. Am kommenden Freitag muss die Mannschaft schon wieder fern der Heimat ran, dann geht es zum SC Paderborn. „Wenn wir da nicht gewinnen, war das zu wenig“, sagte Trainer Hofschneider. Das – damit meinte er den Punkt am Millerntor. Falls doch, dann war das 0:0 gegen St. Pauli die Wende zum Guten auf fremden Plätzen.