Hat das Zeug zur eisernen Legende: Christopher Trimmel.
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BerlinOft schon habe ich an dieser Stelle über Jimmy Hoge geschrieben und seine Aura, die der Tausendsassa unter den Fans auch nach seinem Tod noch hat. Ebenso über „Bulle“ Sigusch, „Potti“ Matthies, „Kulla“ Heine und „Meter“ Hendel, die bei den Eisernen eine Ära prägten. Wie über Torsten Mattuschka, den Freistoß-Künstler. Sie alle sind Idole, Legenden und im Sprech der Anhänger sowieso: Fußball-Götter.

Was aber macht einen Spieler zur Legende, zur Ikone, zum Idol? Hat es die jüngere Generation nicht weitaus schwerer, zum Leitbild einer ganzen Kurve zu werden? Ist die Zeit nicht nur moderner, globaler und schnelllebiger geworden, sondern, weil sich mancher der Eindrücke, Erlebnisse und der Flut an Informationen gar nicht mehr erwehren kann, auch vergesslicher? Wer, bitte, ist nach dem Karriereende von Michael Parensen und seinen elfeinhalb Jahren in Köpenick der dienstälteste Spieler der Rot-Weißen?

All diese Fragen kamen mir beim Jubiläumsspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Mit Andreas Luthe, Robin Knoche, Niko Gießelmann, Sebastian Griesbeck und Cedric Teuchert standen fünf neue Spieler in der Startelf. Dass die Zeit rennt wie verrückt, zeigt sich auch am übrigen Personal. Im letzten Test zwei Wochen vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Augsburg standen vier – wirklich nur vier! – Spieler von jener Elf auf dem Platz, die zehn Wochen zuvor mit dem 3:0 gegen Düsseldorf für einen starken Abschluss des Premierenjahres in der Bundesliga gesorgt hatte: Marvin Friedrich, Marius Bülter, Grischa Prömel und Christian Gentner.

Angesichts dieses schnellen Wechsels ist es schwer, zur Legende zu werden. Da muss schon etwas Außergewöhnliches passieren, etwa ein Hattrick zum 3:0-Triumph gegen die Bayern, womöglich in letzter Minute des entscheidenden Spiels um den Klassenerhalt ein gehaltener oder ein verwandelter Elfmeter, eventuell eine ganz andere Heldentat, die für die meisten im Land der Träume liegt. Vor dem Einstieg in den Pokalwettbewerb gegen Karlsruhe und der Cup-Tradition der Eisernen überhaupt wird gern an die Helden von 1968 und von 2001 erinnert. Aber ist das realistisch?

Es ist schwierig geworden, eine Legende zu werden. Nicht einmal Mario Götze, der mit seinem Tor im WM-Finale 2014 Deutschland zum Weltmeister gemacht hat, ist eine. Thomas Müller bei den Bayern schon eher. Dass auch er Weltmeister ist, spielt dabei nicht die Hauptrolle. Durchaus aber, dass er mit den Münchnern nun zum zweiten Mal das Triple geholt hat. Zusätzliche Legendenpunkte bringt es, dass Müller nicht wie viele andere Stars vom anderen Ende der Welt kommt, sondern in Weilheim geboren ist, in Oberbayern. Außerdem trägt er seit 20 Jahren das Bayern-Trikot, länger als jeder andere Spieler in den neuesten Bundesliga-Aufgeboten das seines gerade aktuellen Vereins.

Damit kann bei den Eisernen niemand mithalten. Rafal Gikiewicz hätte in die Fußstapfen von Michael Parensen treten können, letztlich hat es nicht ganz gepasst. Mit Sebastian Polter verbanden die Anhänger noch mehr Legenden-Potenzial, nur gab es da auf den letzten Metern atmosphärische Störungen. Es wird selbst beim 1. FC Union immer komplizierter, Spuren für die Ewigkeit zu hinterlassen. Es ist ein schwieriger Weg hin zur eisernen Legende.

Da gibt es aber einen, der ist gerade Berlins Profifußballer der Saison geworden und eiserner Kapitän ist er sowieso: Christopher Trimmel. Außerdem ist er derjenige, der nach Parensens Ausscheiden am längsten dabei ist, seit 2014. Da könnte was gehen.