Berlin - „Fehlendes Miteinander“, „Misstrauen“ und „unfassbar viele Indiskretionen“ - wer dachte, dass in der Vorweihnachtszeit rund um den kriselnden Deutschen Fußball-Bund (DFB) etwas Ruhe einkehrt, hat sich gewaltig getäuscht. In einem Gastbeitrag für den Kicker befeuerte Vizepräsident Peter Peters die Debatte um die Führungsspitze und gab mit scharfer Kritik tiefe Einblicke in das, was derzeit beim größten Einzelsportverband der Welt schiefläuft. Nach den Feiertagen könnte es sogar zum großen Knall kommen.

Kritik an DFB-Generalsekretär Curtius

„Kritisch mit Blick auf die Dissonanzen beim DFB sehe ich das fehlende Miteinander in der Spitze ohne jedes Vertrauen“, schrieb der 58-Jährige, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender und Präsidiumsmitglied der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist. Die DFL leide ebenfalls darunter, meinte Peters - und stimmte in die Kritik von Liga-Boss Christian Seifert ein, der zuletzt mit Blick auf den DFB von einem „unwürdigen Schauspiel an Illoyalität“ gesprochen hatte.

Als Hauptverantwortlichen dafür hat Peters den schon seit Wochen krankgeschriebenen DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius ausgemacht. Dessen Aufgabe sei es eigentlich, „als Bindeglied in der DFB-Zentrale die gemeinsam beschlossene Präsidiumslinie reibungslos operativ umzusetzen“, schrieb Peters: „Das funktioniert leider nicht mehr, auch wegen unfassbar vieler Indiskretionen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dieses Misstrauen wieder beseitigen lässt.“

Scharfe Aussagen, die tief blicken lassen - und das ohnehin schon ramponierte Image des DFB weiter beschädigen. Seit Wochen schwelt innerhalb der Verbandsführung ein Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und Curtius, zwei Lager stehen sich gegenüber. Bereits im Oktober hatte der DFB „interne Dissonanzen“ zugegeben und betont, diese schrittweise aufzuarbeiten. Zuletzt waren dennoch pikante Interna an die Öffentlichkeit gelangt, die Kellers Position schwächten.

Vor allem der Wirbel um den in der Kritik stehenden Bundestrainer Joachim Löw sorgte für Aufsehen. Anfang Dezember hatte es vom Präsidium eine „einvernehmliche“ Entscheidung pro Löw gegeben, wie der DFB verlauten ließ. In verschiedenen Medien war danach aber zu lesen, dass Präsident Keller mehrmals versucht habe, Löw zu einer Auflösung seines bis 2022 laufenden Vertrags nach der EM zu bewegen - ein erboster Bundestrainer und wenig Unterstützung im Präsidium sollen die Folge gewesen sein.

Dass solche Details an die Öffentlichkeit gelangen, wirft kein gutes Licht auf den DFB, aber auch nicht auf Kellers Führungsstärke. Und auch eine öffentliche Schlammschlacht hilft niemandem. Nun muss gesagt sein, dass Peters als Unterstützer Kellers gilt. Wenig überraschend, dass er dem angezählten Präsidenten Rückendeckung gab.