Es läuft beim 1. FC Union: Nur Kapitän Felix Kross gibt Grund zur Sorge

Dennis Daube hat für seinen Kapitän nur lobende Worte. „Mit Felix Kroos haben wir noch einen sehr guten Schützen, der die Standards gefährlich bringen kann“, sagt er zum Beispiel. Es ist allerdings nicht ganz sicher, ob Felix Kroos solch nette Bemerkungen derzeit wahrnimmt. Der 26-Jährige grübelt. Er ist ein Anführer, der zuletzt nicht anführen durfte, wenn die Spiele am Ende Spitz auf Knopf standen. Das passt nicht zu seiner Rolle als Spielführer und nicht zu seinem Anspruch an sich selbst. „Ich würde gerne helfen, die Spiele erfolgreich zu Ende zu bringen“, sagt er. Kroos’ Kampf um Anerkennung geht in eine entscheidende Phase.

Dass Kroos zuletzt viermal frühzeitig vom Feld musste, gibt ihm zu denken. Die Auswechslung gegen St. Pauli war die sechste beim zwölften Ligaeinsatz. An der Fitness lag es dieses Mal nicht. „Die letzten zwei Spiele habe ich mich körperlich richtig gut gefühlt“, sagt Kroos. Woran es dann liegt? Er weiß es nicht. Im Nacken sitzt ihm ausgerechnet der lobende Mitspieler Daube − und die Fähigkeit, den Ball von der Eckfahne oder dem Freistoßschaumkringel auf die Kollegenköpfe zu zirkeln, ist kein zwingender Aufstellungsgrund für die Partie in Heidenheim (13 Uhr), obwohl Topvorlagengeber Christopher Trimmel gesperrt fehlt. Das kann Daube auch.

Große Bürde

An Felix Kroos scheiden sich die Geister. Er ist nicht so fannah wie die Ikone Torsten Mattuschka und nicht so offensichtlich kämpferisch wie Damir Kreilach, zwei seiner drei Amtsvorgänger. Wenn Kroos etwas richtig macht, fällt es kaum auf. Wenn ihm etwas misslingt, ist der Eindruck der Lethargie nicht fern. Schützt ihn die Spielführerbinde vor der Bank oder ist sie schuld an überzogenen Erwartungen? Müsste Trainer Jens Keller noch einen Schritt weitergehen und seinen Kapitän mal aus der Startelf nehmen oder liegen die Qualitäten des Mittelfeldspielers einfach nur im Verborgenen?

Seit Anfang 2016 ist Felix Kroos ein Unioner, nach einem halben Jahr machte ihn Keller zum Kapitän. Gespielt hat er seither immer, wenn nicht gerade ein Muskel zwickte oder er gesperrt war. Doch selten sind Szenen wie gegen St. Pauli, in denen er öffentlichkeitswirksam in vorderster Front ins Pressing geht. Oder ins Dribbling. Da gab es Applaus von der Tribüne und den Kollegen. „Ich bin nicht unbedingt der spektakulärste Spieler. Da fällt man nicht so auf“, weiß er. Seine Bürde ist der Nachname. Da denkt jeder an den Weltmeister-Bruder Toni. „Ich bin mir bewusst, dass von mir mehr erwartet wird als von anderen Spielern“, sagt Felix Kroos.

Daube rückt in den Fokus

Sich selbst hat er zuletzt „nicht schlecht gesehen“. Äußert er sich so offen und ehrlich, wird ihm in Fanforen von manchen vorgehalten, dass er nicht selbstkritisch sei. Äußert er sich nicht, passt das nicht zu seiner Rolle. Ein Dilemma.

Von Daube wurde bei Union auch viel erwartet seit der Ankunft im Sommer 2015, der Durchbruch gelang nicht. Nun ist er zumindest mal wieder nah dran. Der 28-Jährige ist der einzige Ersatzspieler, der beim DFB-Pokal-Aus in Leverkusen Ende Oktober einen Schritt näher an die Stammformation rücken konnte. „Das Tor tat sehr gut, weil die letzten Wochen sehr schwer für mich waren. Ich war dreimal hintereinander nicht im Kader“, gesteht Daube. Danach wurde er dreimal eingewechselt, zweimal für Kroos.

Dass er bald sogar eine Alternative von Beginn an sein könnte, liegt daran, dass Kroos nicht nur als Standardschütze abgelöst wurde (von Trimmel), sondern auch als Defensivchef: Seit Grischa Prömel vor der Abwehr spielt, stimmt auf einmal die Ordnung. Die Lücken für die Gegner sind kleiner und die Angriffsräume für die Mitspieler größer geworden. 16 Punkte aus sechs Spielen sind ein untrügliches Zeichen. „Er ist unheimlich wichtig im Zentrum, räumt viel ab, läuft viel“, schwärmt Keller. Über seinen Kapitän sagte er sowas zuletzt nicht.