EuroCup: Alba Berlin gegen Partizan Belgrad

Die Häppchen stehen bereit. Zeit für eine Stärkung. Alba Berlins Basketballer schlendern an glänzenden Karossen vorbei, eine geschwungene Treppe hinauf und in einen schmalen Raum hinein, einer nach dem anderen. Gerade haben sie unten in dem Charlottenburger Autohaus ihre neuen Dienstwagen entgegengenommen und für Fotos posiert. Ein Training steht jetzt noch an und vor allem: Erholung, Erholung, Erholung.

Es sind die Tage der Termine bei Alba Berlin. Deshalb kommt es auf die Dosis an, das Verhältnis von Anspannung und Entspannung. Am heutigen Mittwoch empfängt das Team um 20 Uhr Partizan Belgrad zum Auftakt des EuroCup in der Arena am Ostbahnhof. „Danach geht es sofort ins Bett“, sagt Albas Guard Akeem Vargas. „Denn der nächste Tag ist gleich wieder Reisetag.“ Sie fahren nach Göttingen und im Anschluss an die Bundesligapartie am Freitag zurück nach Berlin, wo am Sonntag das Duell mit Bonn ansteht. Kuban, Berlin, Limoges, Bamberg, Berlin – so geht es weiter.

Drei Wochen gehen verloren

Zwei Begegnungen pro Woche sind für Klubs wie Alba Normalität, doch eine Reform im Spielplan der Nationalteams beschert den Berlinern gleich zu Beginn der Saison deutlich mehr Stress. Durch Länderspielpausen im November und Februar gehen Alba drei Wochen verloren, sechs Partien müssen ins Programm gequetscht werden. Das führt zu erhöhten Reisestrapazen.

„Reisen hört sich so easy an, aber wir sitzen ja nicht auf der Couch oder liegen im Bett“, sagt Vargas. „Reisen bedeutet Belastung.“ Vor allem für jemanden, der sich mit seinen zwei Metern Körpergröße in einen Flugzeugsitz falten muss.

Individuelles Trainingspensum

Auch das Training leidet. „Eigentlich müssten wir in dieser Phase stärker an bestimmten Dingen arbeiten“, sagt Chefcoach Aito Garcia Reneses. Shooting Guard Spencer Butterfield etwa ist nach einer Verletzung jetzt erst ins Team gekommen, müsste sich in Übungseinheiten akklimatisieren, kann das aber nur fast ausschließlich im Spielbetrieb tun.

„Die Trainingsbelastung wird angepasst“, sagt Akeem Vargas. „Seit dieser Saison passiert das individuell.“ Carlos Frade steht jederzeit zur Verfügung, um mit den Profis im basketballerischen Bereich zu arbeiten. Pepe Silva Moreno kümmert sich um die Athletik. Der Coach steht in ständigem Kontakt mit den Profis. „Man merkt ja, wenn man auf die Bank kommt, ob man zwei Minuten lang nach Luft schnappt oder sich schnell fit fühlt“, sagt Vargas.

Jeder weiß was der andere tut

Die Einsatzzeit eines Profis liefert weitere Hinweise, vor allem aber die Herzfrequenz. Aus dem Ruhepuls und dem Belastungspuls ergibt sich die optimale Dauer der Athletikeinheit. Bei den jungen Talenten mit einer Doppellizenz wie Hendrik Drescher, die hauptsächlich bei Lok Bernau in der zweiten Liga aktiv sind, stimmt sich Moreno mit den Kollegen vor Ort ab. „Das ist generell unser Ansatz“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Es geht darum, dass jeder weiß, was der andere tut.“

Das gilt auch für den Bereich Regeneration, in dem sich Alba neu aufgestellt hat mit dem Physiotherapeuten Henrik Lange an der Spitze. Bis hinunter in die Jugendteams wird die Arbeit zentral gesteuert. Lange kann auf einen Gerätepark zurückgreifen, den Alba in den vergangenen Spielzeiten aufgebaut hat und der einen niedrigen bis mittleren sechsstelligen Betrag verschlungen haben dürfte.

Mit Strom gegen Stress

Die Technik stammt von einem Anbieter für Elektromedizin aus Bayern, auf dessen Apparate unter anderen der ehemalige Fußballnationalspieler Bastian Schweinsteiger vertraut. Für die sogenannte Tiefenoszillation etwa, bei der elektrische Impulse die Muskulatur in Schwingung versetzen und so die Erholung nach intensiver Belastung beschleunigen. Aber auch einfache Hilfsmittel werden eingesetzt, die inzwischen im Spitzensport obligatorische Eistonne zum erfrischenden Bad nach dem Spiel. Ein neues Exemplar ist schon bestellt, in Grün.

Die Nachfrage bei den Profis ist offenbar groß. „Der Physio wundert sich, dass da jeden Tag zwölf Mann bei ihm Schlange stehen“, erzählt Guard Vargas und lacht. Lange hat im Fußball gearbeitet, er kam vom FC Augsburg zu Alba. Manager Baldi meint: „Wenn alle Spieler das in Anspruch nehmen, ist das ein gutes Zeichen, denn die Arbeit mit dem Physio steht grundsätzlich nicht bei allen Spielern hoch im Kurs.“

Tim Schneider an der Spitze des Kaders

Die professionelle Einstellung könnte helfen, dass der Kader auch in den kritischen Phasen der Saison vollzählig bleibt, im Januar, Februar, wenn die anhaltende Beanspruchung leicht zu Infekten oder Verletzungen führt. Coach Reneses sorgt vor, indem er viel rotieren lässt. Elf Spieler kommen stets zum Einsatz, wobei bisher Point Guard Peyton Siva mit 102:19 Minuten insgesamt und 25:35 Minuten pro Partie die Hauptlast trägt. Doch selbst der junge Power Forward Tim Schneider liegt mit 77:39 Minuten über dem Durchschnitt des Teams von 74,24 Minuten und an der Spitze der Deutschen im Kader.

Wie die Teamkollegen hat Schneider am Montag einen Dienstwagen bekommen, einen dunkelblauen Sportsvan. Der spart Zeit und Stress. Denn Zeit und Stress kosten nicht nur Trips per Flugzeug, sondern auch die Fahrt mit der BVG.