Euroleague-Duell im Basketball: Finanzielle Welten liegen zwischen Alba Berlin und dem FC Barcelona

Die Angaben schwanken. Und so richtig weiß man noch immer nicht, ob nun vom Brutto- oder Nettogehalt die Rede ist, wenn über Nikola Mirotic und dessen Vertrag beim FC Barcelona gesprochen oder geschrieben wird. Mal sind es zwölf, mal neun, mal fünf Millionen Euro, die der Montenegriner verdienen soll. Fakt ist, dass Mirotic der bestbezahlte Basketballer in Europa ist. Nicht der bestbezahlte Europäer, denn da gibt es in der NBA Spieler, die mehr verdienen als er. Diese Zahlen sind für jeden zugänglich. Deshalb weiß man auch, dass der 28-Jährige, der in den vergangenen fünf Jahren in der nordamerikanischen Profiliga gespielt hat, in dieser Saison mehr hätte verdienen können als die 12,5 Millionen US-Dollar der vorigen Spielzeit. Also ist sein Wechsel zum FC Barcelona umso erstaunlicher. Er habe die Euroleague, aber auch die spanischen Wettbewerbe vermisst, ließ Mirotic wissen.

Mirotic vermisst die Euroleague

Der sportliche Wettbewerb kompensiert den Verlust von mehreren Millionen Euro. Das klingt fast zu romantisch, um in die heutige Zeit zu passen. Aber gut, auch Dirk Nowitzki hat bei den Dallas Mavericks für die Aussicht auf größeren Erfolg auf Millionen von Dollars verzichtet. Er und Mirotic haben aber auch in den vorherigen Jahren gut verdient. Und ob es nun fünf, neun oder zwölf Millionen Euro sind – Nikola Mirotic verdient in Barcelona noch immer gutes Geld. „Das entwickelt sich langsam in Richtung des Fußball-Niveaus“, sagt Himar Ojeda.

Alba Berlins Sportdirektor ist vor dem direkten Duell mit dem FC Barcelona am Freitagabend (21 Uhr) gar nicht neidisch auf diese Zahlen. Man selbst habe ein gutes Budget, sei aber weit von dem des FC Barcelona entfernt. Von 40 Millionen Euro wird bei den Katalanen gesprochen, Alba bewegt sich irgendwo zwischen zwölf bis 15 Millionen, wenn man die Zahlen, die im Vorjahr kursierten und die prozentuale Steigerung vor dieser Saison dazurechnet.

Neben der Gesamthöhe muss man zudem noch die Verteilung dieses Budgets betrachten. „Man muss unterscheiden, in welchen Bereich die Teams ihr Budget investieren. Wie viel Geld stecken sie in die Spieler und wie viel in den Rest“, sagt Himar Ojeda, „in Spanien wird mehr als 70 Prozent des Gesamtetats in die Spieler investiert, hier sind wir sehr weit davon entfernt. Aber das ist gut, wir sind ein anderer Klub, haben eine andere Philosophie.“

In der Blüte seiner Karriere

Neben dem Profibereich wird viel Geld in den Nachwuchs, den Frauenbereich und vor allem in die Infrastruktur investiert. „Wir wollen ein Modell haben, das finanziell nachhaltig ist“, sagt Präsident Axel Schweitzer, „wir werden nicht mit Barcelona darum konkurrieren, wer den nächsten Spieler holt, der zwölf Millionen kostet. Die Herausforderung ist es, trotzdem wettbewerbsfähig zu sein.“

In den ersten beiden Euroleague-Spielen ist das sehr gut gelungen. Mit einem überzeugenden Sieg gegen St. Petersburg und einer Ein-Punkt-Niederlage nach Verlängerungen bei Anadolu Istanbul. Auch diese Vereine gingen mit einem deutlich höheren Budget in die Saison, als es Alba und ein paar andere Vereine getan haben. Aber auch sie haben nicht so viel Geld zur Verfügung wie Real Madrid oder der FC Barcelona.

Auch Real soll mehr als 40 Millionen zur Verfügung haben und zählt zu jenen Klubs, „die nicht davon leben, dass sie dieses Geld erwirtschaften müssen, sondern die leben davon, dass sie gewinnen müssen“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi, „das soll deren DNA sein, um das andere kümmern sich andere Menschen. Davon gibt es einige Klubs, aber wir müssen anders arbeiten.“ Auf die Zusammenstellung des Kaders lässt sich das einfach übersetzen: Während Alba Spieler mit langfristigen Verträgen an sich bindet und ihnen damit Sicherheit gibt, indem die Berliner entwicklungsfähige Spieler verpflichten oder im Idealfall Profis über das eigene Nachwuchsprogramm gewinnen, kann der FC Barcelona mal eben einen gestandenen Basketballer wie Nikola Mirotic verpflichten, der sich mit seinen 28 Jahren zudem in der Blüte seiner Karriere befindet.

Mit durchschnittlich 24,8 Punkten in der spanischen Liga und 20,5 Zählern in der Euroleague erfüllt Mirotic die Erwartungen. Ob die fünf, neun oder zwölf Millionen Euro dafür zu viel sind, lässt sich schwer bewerten. Wenn der FC Barcelona am Saisonende allerdings die Euroleague gewinnt, hat er mit Mirotics Verpflichtung alles richtig gemacht.