Jeder hat eine zweite Chance verdient. Das gilt auch für Fußballer. Viel Kritik hatte Vedad Ibisevic für sein rüdes Foul im Hinspiel gegen Schalke 04 eingesteckt. Wegen der Roten Karte des Angreifers hatte Hertha 72 Minuten in Unterzahl spielen müssen und das in der Nachspielzeit ermattet verloren. Jetzt machte er den Fauxpas im heimischen Olympiastadion wett, vor 51.424 Zuschauern, die ihn mit tosendem Applaus verabschiedeten. Denn mit seinem achten Saisontor hatte er den Grundstein für das 2:0 (1:0) gegen den Tabellenvierten gelegt und Hertha BSC den dritten Rang gesichert.

Pal Dardai hatte darauf gesetzt, dass der neue Rasen seinem Team Sicherheit geben werde. Er war im Laufe der Woche im Olympiastadion ausgerollt worden. „Ich hoffe, dass wir schon beim Warmlaufen merken, dass da etwas geht“, hatte der Trainer gesagt. Denn mehreren seiner Spieler hatte zuletzt auf dem holprigen und rutschigen Untergrund das Ballvertrauen gefehlt, das für seine Art des dominanten Passstafettenfußballs unabdingbar ist.

Sehenswerte Parade

Tatsächlich profitierten die Berliner von der planen Unterlage, doch auch dem Gegner – und daher letztendlich den Fans  - kam sie zu Gute. Beiden Teams wollten beweisen, dass sie den drittbesten Fußball der Liga spielen, beide drängten von Beginn an nach vorne. Schon nach 200 Sekunden fing Rune Jarstein einen Steilpass vor dem heranstürmenden Klaas-Jan Huntelaar ab, in der 21. Minute parierte der Hertha-Keeper einen Kopfball des Schalker Angreifers nach einer Flanke von der Grundlinie sehenswert. Dazwischen hatte Salomon Kalou auf der Gegenseite Vladimir Darida zwischen Strafraum- und Fünfmeterlinie freigespielt, der Schuss des Spielmachers war jedoch zu schwach geraten, um Hertha in Führung zu bringen (9.).

Anderen Angriffsspielzügen fehlte allein der letzte Pass zur Chance. Auch als Kalou nach einer halben Stunde an der Mittellinie zum Solo ansetzte, brachten die Gäste im Sechzehner in letzter Sekunde ein Bein dazwischen. Vor allem im Berliner Ballverteilungszentrum war ja in den vergangenen Begegnungen der Spielfluss aufgrund von teils rasenbedingten Unsicherheiten verloren gegangen. Fabian Lustenberger und Darida war die Selbstverständlichkeit der Hinrunde abhandengekommen.

So überraschte es nicht, dass Kapitän Lustenberger, dessen Vertrag am Mittwoch trotz Formdelle vorzeitig um zwei Jahre bis 2019 verlängert worden war, wie schon gegen Eintracht Frankfurt auf der Bank Platz nehmen musste. Für ihn übernahm Tolga Cigerci die Aufgabe im defensiven Mittelfeld, wo er zwar in den Zweikämpfen nicht ganz überzeugte, aber eine enorme Souveränität im Passspiel ausstrahlte. Auch seine Distanzschuss waren gefährlich. Den ersten wischte Schalke-Schlussmann Ralf Fährmann aus dem Eck (37.), der zweite ging abgefälscht knapp am Pfosten vorbei (69.) und der dritte prallte von der Latte auf die Torlinie (79.).

Stark köpft ins Netz

Darida hingegen durfte sich auf dem frischen Grün beweisen und dass er sich wohler fühlte als zuletzt zeigte er in 42. Minute: Schnell erkannte er die Lücke im Zentrum um Kalou herum. Der leitete das Zuspiel umgehend an Genki Haraguchi weiter, der für Peter Pekarik (Mitchell Weiser nahm dessen Abwehrposten ein) in die Starformation berufen worden war. Mit viel Tempo zog der Flügelspieler nach innen, wo Vedad Ibisevic den fehlenden Rest besorgte: Er traf zum 1:0.

Die Pausenführung eröffnete Hertha nach dem Seitenwechsel Konterraum, doch brenzliger wurde es zunächst vor dem Berliner Tor. In der 55. Minute schob Dennis Aogo den Ball vorbei, nachdem Weiser und Haraguchi die rechte Seite preisgegeben hatten. Als dann aber Niklas Stark einen Darida-Eckball in beeindruckender Manier ins Netz köpfte (65.) und damit seinen ersten Treffer für die Berliner erzielte, war die Begegnung vollends in Hertha-Hand. Cigerci und Ibisevic vergaben freistehend beste Chancen (72. und 76.), den verdienten Sieg noch in die Höhe zu schrauben.