Der ehemalige Fußball-Profi Benjamin Köhler will in der Max-Schmeling-Halle zeigen, was er mit dem Ball noch drauf hat.
Foto: Imago Images/Matthias Koch

BerlinBenjamin Köhler, ein gebürtiger Berliner, der einst für Hertha BSC und den 1. FC Union spielte, wird beim 11. Traditionsmasters am Wochenende in der Max-Schmeling-Halle zum dritten Mal in Serie für das Legenden-Team des 1. FC Union auflaufen. Das ist nicht selbstverständlich. Beim 39 Jahre alten ehemaligen Profi wurde im Februar 2015 ein bösartiger Tumor festgestellt, der eine lange Therapie notwendig machte. Köhler besiegte den Krebs und feierte im März 2016 sogar ein umjubeltes Comeback an der Alten Försterei. Erst im Sommer 2017 beendete er seine Karriere aufgrund anhaltender Knieprobleme. Er bestritt insgesamt 169 Erstligaspiele für Eintracht Frankfurt und Hertha BSC und 140 Partien in der Zweiten Bundesliga für den 1. FC Union, MSV Duisburg und den 1. FC Kaiserslautern. Köhler ist verheiratet und hat drei Kinder.

Herr Köhler, wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Alles super, alles top. Alle halbe Jahre muss ich zu einem Kontroll-Check gehen. Ich kann in meiner knappen Freizeit Fußball spielen, aber für den Profibereich reicht das natürlich längst nicht mehr.

Wir mit unserer Truppe vom 1. FC Union müssen uns nicht verstecken. Wir haben viele sehr gute Fußballer im Team, und ich denke, dass auch ich mithalten kann.

Benjamin Köhler

Beim Legenden-Treff am Wochenende geht es oft recht robust zur Sache, die vielen, einst sehr erfolgreichen Profis zeigen noch extremen Ehrgeiz.

Das stimmt. Aber wir mit unserer Truppe vom 1. FC Union müssen uns nicht verstecken. Wir haben viele sehr gute Fußballer im Team, und ich denke, dass auch ich mithalten kann.

Sie spielen ja noch bei den Spandauer Kickers in der Senioren-Verbandsliga (Ü32), einer Mannschaft, die sehr erfolgreich ist …

Ja, dort bin ich regelmäßig am Ball, als Spielmacher auf der Zehner-Position im Mittelfeld. Das ist eine starke Truppe, in der auch Karim Benyamina oder Chinedu Ede spielen. Wir führen die Tabelle vor dem TSV Rudow an, sind noch ungeschlagen in dieser Saison und haben ein Torverhältnis von 80:17.

Wie sieht es mit Ihrer Kondition für das Masters aus, bei dem viel Tempo auf engem Raum gefordert ist?

Mal abwarten, wir trainieren ja nicht extra in der Woche bei den Kickers. Aber ich denke, unsere spielerische Qualität bei den Alt-Unionern reicht aus, um gut abzuschneiden und unseren Fans etwas zu bieten.

Sie waren schon 2018 und 2019 in der Max-Schmeling-Halle dabei und wurden von den Fans gefeiert.

Ja, das war toll. 2018 schafften wir es mit Union ins Endspiel und schickten Borussia Mönchengladbach mit 6:1 nach Hause. Das war mein erster Auftritt nach dem Karriereende.

Union war in meinen schweren Zeiten sowieso großartig und hatte damals meinen Vertrag spontan um ein Jahr verlängert.

Sie schossen im Finale zwei Tore, Benyamina traf dreimal und Ronny Nikol einmal. Danach bekamen Sie den „Zecke-Neuendorf-Ehrenpreis“. Was hat Ihnen das bedeutet?

Es wurde halt gewürdigt, dass ich mich nach meiner schweren Krankheit herangekämpft hatte und sogar wieder Fußball spielen konnte. Union war in meinen schweren Zeiten sowieso großartig und hatte damals meinen Vertrag spontan um ein Jahr verlängert.

Viele Jahre zuvor, im Herbst 2000, schafften Sie gemeinsam mit Thorben Marx als erster Spieler aus der Hertha-Jugend-Akademie den Sprung in den Profifußball. Erinnern Sie sich noch gut an Ihr Debüt in der Bundesliga?

Ja, das war im November 2000. Wir spielten bei Eintracht Frankfurt, meinem späteren Klub und gewannen 4:0. Ich kam vier Minuten vor Schluss für Pal Dardai ins Spiel und kurz danach folgte Thorben Marx für Sebastian Deisler. Ich hatte kurz vor dem Abpfiff sogar die Chance, ein Tor zu machen, lief frei mit Michael Preetz aufs Eintracht-Tor zu. Der spielte aber nicht ab und wollte die Bude selbst machen. Das hat er dann auch geschafft.

Zurück zum Masters. Der 1. FC Union steht in der Max-Schmeling-Halle in einer schweren Gruppe mit Hertha BSC, mit Werder Bremen und dem Turnier-Neuling Tennis Borussia. Wie beurteilen Sie dabei Unions Chancen?

Ach, sicher gut. Das ist schon eine knallharte Gruppe, die Gegner kommen alle mit gestandenen ehemaligen Profis und es gibt viele Derbys. Die Stimmung in der Halle wird großartig sein. Mal sehen, wie fit unsere Gegner noch sind.

In dieser Saison spielen zum ersten Mal mit Hertha und Union zwei Berliner Klubs in der Ersten Bundesliga. Wie sehen Sie die Entwicklung beider Vereine?

Ich war beim Relegationsspiel von Union gegen den VfB Stuttgart im Stadion an der Alten Försterei. Der Aufstieg war großartig und die Feier danach gigantisch. Bislang hält sich die Mannschaft sehr gut, damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet. Und: Union steht nach der Hinrunde vor Hertha. Bei der Hertha lief es ja nicht so gut, aber nun passiert dort sehr viel. Jürgen Klinsmann krempelt vieles um. Mal abwarten, wie es weitergeht.

Seit Herbst 2018 betreiben Sie mit Ihrer Frau ein Eiscafé mit dem Namen La Luna in der East Side Mall nahe der Arena am Ostbahnhof. Sind Sie jeden Tag dort zu finden?

Meist bin ich drei- oder viermal in der Woche dort. Ich helfe bei der Buchhaltung, mache Dienstpläne oder Bestellungen – also wir führen nun ein ganz normales Arbeitsleben. Aber wir haben jetzt auch eine Filialleiterin, die uns entlastet.

Bleibt da noch Zeit, um ins Stadion zu gehen?

Das wird doch meist erst am Tag des Spiels entschieden. Aber ab und zu findet man mich in der Alten Försterei.