Will bald wieder mit den Young Boys Bern jubeln können: Der frühere Hertha-Profi Fabian Lustenberger.
Foto: Imago Images/Dominic Richter

BerlinFabian Lustenberger kommt gerade vom Joggen, als er den Anruf aus Berlin auf seinem Handy sieht. „Ich habe hier den Wald vor meiner Tür, kann wunderbar in der Natur laufen und mich einigermaßen fit halten“, erzählt der 31-jährige Profi, der seit Sommer des vergangenen Jahres der Kapitän des Schweizer Fußball-Meisters Young Boys Bern ist; Captain, sagen die Eidgenossen. Im Moment ist auch Fabian Lustenberger wegen des Coronavirus zu einer Zwangspause verurteilt. 

Die höchste Schweizer Liga, die Super League, hat bereits wegen der Epidemie am 2. März den Spielbetrieb eingestellt. „Mit diesen Maßnahmen waren wir der Bundesliga etwa vierzehn Tage voraus“, sagt Fabian Lustenberger, „wir haben schneller reagiert.“ Im vergangenen Sommer hatte der vielseitige Abwehr- und Mittelfeldspieler Hertha BSC nach zwölf Jahren verlassen.

Es waren ereignisreiche Jahre für den Fußballprofi: 220 Erstligaspiele hat er in dieser Zeit absolviert, außerdem stehen 51 Einsätze in der Zweiten Bundesliga in seiner Vita. Zwei Abstiege und zwei sofortige Wiederaufstiege hat Fabian Lustenberger dabei erlebt. Trainer Jos Luhukay gab ihm die Kapitänsbinde, die ihm später Pal Dardai wieder entzog und an Vedad Ibisevic weiterreichte.

Der Wechsel zurück in seine Heimat war auch eine Entscheidung für seine Familie, die schon seit knapp zwei Jahren im 3000-Einwohner-Örtchen Schenkon lebt, nur 26 Kilometer von Luzern entfernt. Mit seiner Frau Monique, die aus Templin im Land Brandenburg stammt, hat Lustenberger drei Kinder – die Söhne Jonas Jan und Samu Johan und die kleine Tochter Ava Christine. „Durch die Fußballpause kann ich mich um meine Kinder kümmern und einiges nachholen, was ich die letzten Jahre verpasst habe. Wir haben hier einen schönen Garten, den Wald und einen großen See. Es lässt sich aushalten!“, erzählt Lustenberer am Telefon.

Natürlich hätte der Fußballprofi lieber die Saison unter normalen Bedingungen zu Ende gespielt und dazu den Meistercup als Kapitän der Young Boys in die Höhe gereckt. Ob Letzteres passiert, steht in den Sternen, wie in den meisten Ländern der Erde. Nach 23 Spieltagen thronen der FC St. Gallen und Bern punktgleich an der Tabellenspitze. Beim bislang letzten Meisterschaftsspiel am 23. Februar holte Bern in St. Gallen ein 3:3-Unentschieden. Der wichtige Ausgleichstreffer gelang Young Boys in der neunten Minute der Nachspielzeit. „Das folgende Duell sechs Tage später gegen den FC Zürich wurde dann schon kurzerhand abgesagt“, sagt Lustenberger, „danach haben wir noch zwei Wochen trainiert und sind dann nach Hause geschickt worden.“

Meister-Trainer Gerardo Seoane, der auch immer wieder bei Hertha BSC im Gespräch ist, gab allen Profis ein individuelles Übungsprogramm mit auf den Weg in die Privatsphäre. Der Trainingsstart wird für Anfang April anvisiert bei den Bernern, „aber es zeichnet sich ab, dass er weiter verschoben wird“, sagt Lustenberger. Er glaubt, dass man frühestens Ende Mai wieder spielen kann. „Und wenn es Geisterspiele geben wird, müssten wir das akzeptieren, auch wenn da nicht die gleichen Emotionen aufkommen.“

In normalen Zeiten, in den Vor-Corona-Zeiten, fuhr er beinahe täglich von Schenkon zum Training oder zu den Spielen ins 80 Kilometer entfernte Bern – „mit dem Auto in einer Stunde“. Jetzt ist der Takt ein anderer, ist sein Tag anders strukturiert, die Prognose aber bleibt: Fabian Lustenberger geht davon aus, dass die Young Boys als Meister, der auch viel international gespielt und ordentlich Geld kassiert hat, finanziell einige Zeit die schlimme Situation durchstehen können.

Anderen Erstligisten geht es schlechter. Beim Liga-Konkurrenten FC Sion etwa hat der umstrittene Präsident Christian Constantin einige seiner besten Spieler entlassen, weil diese nicht bereit waren, innerhalb von wenigen Stunden einer allgemeinen Kurzarbeit zuzustimmen. Lustenberger sagt: „Das Thema Gehaltsverzicht wird auch in unserer Mannschaft aufkommen und sicherlich diskutiert.“ Mit welchem Ergebnis? „Wir werden eine Lösung finden und dem Klub entgegenkommen“, so der Kapitän der Young Boys, „das müsste jede Mannschaft in der Liga aber individuell ausmachen.“

Lustenberger sagt, er spüre keine Angst angesichts der Krise, „aber man ist sich des Ernstes der Lage bewusst. Man sollte wirklich zu Hause bleiben und Kontakte zu anderen Leuten einstellen“. Momentan ist Fabian Lustenberger froh, nicht in der Großstadt Berlin zu sein, in der er sehr gerne lebte, sondern auf seinem beschaulichen Dorf. „Ich kann immer mit meiner Familie rausgehen und muss wegen des Virus nicht ständig in der Wohnung sitzen.“ Sein Vertrag bei den Young Boys läuft bis Sommer 2022.